Richtig stehen und trotzdem das Knie verdrehen

Pierre-Michel Lasogga hatte wieder mal richtig gestanden. Eigentlich hatte er mit dem Angriff gar nichts zu tun gehabt, hatte daneben gestanden, wie ein Außenseiter auf dem Schulhof, während die anderen Kinder dem kleinen gelben Stoffball nachjagten. Doch Lasogga ist in seiner Schule ja längst kein Außenseiter mehr und deshalb war seinem Gesicht auch keine schüchterne Freude anzusehen, als der Ball dann schließlich vor seinem Fuß lag – sondern mutige Entschlossenheit.

Über Pierre-Michel Lasogga ist in den letzten Wochen viel geschrieben worden. Jeder weiß nun, was das für ein Typ ist, dieser Junge aus dem Ruhrgebiet, ein Arbeiter, der über den Kampf ins Spiel und den Weg zum Tor findet. Auch, dass sein Stiefvater der ehemalige Bundesliga-Torwart Oliver Reck ist, hat man gehört und es braucht nicht viel Vorstellungskraft sich ein Bild in den Kopf zu rufen, in dem der kleine Pierre-Michel seinem Stiefvater im Garten die Bälle um die Ohren haut und der die Schüsse schon viel früher, als er es sich selbst eingestehen würde, passieren lassen muss.

Nun ist Pierre-Michel Lasogga kein Übermensch und vielleicht wäre ein Artikel über Adrias Ramos an dieser Stelle sogar die bessere Variante gewesen. Schließlich hat er, Ramos, gegen Düsseldorf zwei Tore gemacht. Seine ersten nach gefühlt drei Autounfällen in Kolumbien und einer für einen Sensiblen wie ihn ja nicht unüblichen Schwächephase auf dem Platz. Doch irgendwie beherrscht trotzdem Lasogga die Schlagzeilen nach den ersten beiden Rückrundenspielen der zweiten Liga. Zurecht nach dem Auftaktsieg in Oberhausen. Und heute deshalb:

Fußball-Zweitligist Hertha BSC Berlin muss vorerst auf Torjäger Pierre-Michel Lasogga verzichten. Der 19-Jährige verdrehte sich beim 4:2 gegen Fortuna Düsseldorf das linke Knie und erlitt eine leichte Zerrung des vorderen Kreuzbandes. Wie der Verein mitteilte, ist die Ausfallzeit noch nicht absehbar. Eine endgültige Klärung könne die medizinische Abteilung erst in zwei bis drei Tagen geben. (Quelle: Bild.de-Newsticker)

Knie verdreht – da zieht sich in den Mägen von Fußballfans immer erstmal zusammen. Kreuzband. Noch schlimmer. Und was soll das heißen, „die Ausfallzeit“ sei „noch nicht absehbar“? Zum Glück ist Hertha nicht (mehr) eins von den Teams, das von einem Spieler abhängig ist. Aber ein Ausfall von Pierre-Michel Lasogga, der doch eigentlich immer richtig steht (wie kann man sich dann das Knie verdrehen?) würde schon weh tun.

Oder?

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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9 Kommentare

  1. Blauer Montag
    Am 24. Januar 2011 um 20:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Darauf pfeif ich mir eins.
    Ramos kann Tore schießen.
    Raffa kann Tore schießen.
    Ruka kann Tore schießen.
    Domo kann Tore schießen.
    Friend kann Tore schießen.
    Djuricin kann Tore schießen.

    Jeder von ihnen genauso gut oder besser als die Stürmer von Arminia oder Union.

  2. Daniel
    Am 24. Januar 2011 um 20:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich sehs ähnlich, aber so wie der Junge drauf ist, macht der jeden Ball rein, der ihm vor die Füße fällt. Und das ist sicherlich nicht die schlechteste Eigenschaft im Aufstiegskampf.

    • Daniel
      Am 24. Januar 2011 um 20:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Womit ich sagen will: Ich hätts lieber, wenn er weiter seine Form bestätigen könnte, als dass ein anderer sie da vorne erst suchen muss.

    • Blauer Montag
      Am 24. Januar 2011 um 20:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Daniel, der Aufstiegskampf wird richtig heiß ab dem 22. Spieltag. Bis dahin hat Pierre das Knie hoffentlich auskuriert.

      Größere Sorgen macht mir eher das Knie von Aerts. Da bin ich skeptisch, dass das noch 15 Spieltage hält.

  3. Am 24. Januar 2011 um 23:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich sehe das etwas dramatischer. Ramos hat zwar zwei Tore geschossen, aber war trotzdem schlechter als Lasogga. Tor Nummer eins resultierte aus einer Standardsituation und Tor Nummer zwei aus einem gut zuende gespielten Konter. Ich will die Leistung von Ramos nicht umbedingt schmälern.

    Lasogga läuft und läuft und läuft. Wo auch immer er auch nur den Hauch einer Chance sieht den Ball zu bekommen geht er einfach drauf. Letzte Woche erzielte er auf diese Weise ein Tor, gestern sorgte er des öfteren für größte Panik in der Düsseldorfer Defensive. In einer Szene holte er gegen drei (!) Gegenspieler einen Einwurf heraus und mehrmals hinderte er die Fortunen daran überhaupt in Ruhe aufbauen zu können. Lasogga ist robust. Er meckert nie, wenn ihm unrecht geschieht, sondern steht auf und gibt weiter Gas. Er hat großen Anteil an die guten Leistungen der letzten Spiele und wird ganz zurecht einem Stürmer vorgezogen, der vor nicht allzu langer Zeit Torschützenköndig in der 2. Liga wurde.

    Ramos ist seit Monaten außer Form und hat trotz seiner beiden Tore nicht das gezeigt was ich von einem Stürmer erwarte.

    Seit wann kann Raffa den Tore schießen? Wie viele hat er denn in 19 Spielen geschossen? 2? Es dürfte schon Moante her sein. Seine Schüsse aus der zweiten Reihe und eigensinnigen Versuche werden von Versuch zu Versuch kläglicher.

    Ruka, Domo, Friend und Djuricin sehe ich nicht als vollwertigen Ersatz eines Lasoggas in Form und spare mir daher den Kommentar.

  4. Halblinks
    Am 25. Januar 2011 um 09:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    also ich warte da mal ab, ob ein Kreuzband nach ein paar Tagen Ruhe gleich wieder voll einsatzfähig ist. Erst recht bei einem „Power-Brecher“ wie Lasogga. Das kann sich hinziehen, hat man bei Aerts erlebt.

    Letztlich ist diese Situation für mich aber auch ein Zeichen, jetzt keine Offensivkraft (Beichler) abzugeben. Denn ausser Friend (und ob der die sich ggf. bietende Chance nutzen kann bleibt anzuwarten) hat man keinen weiteren Stoßstürmer mehr im Gepäck. Vielleicht sollte man es auch mal mit mitspielenden Stürmern versuchen. Und da wäre Beichler ja wieder eine Alternative (neben Djuricin z.B.).

  5. Am 25. Januar 2011 um 10:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Der Ausfall von Lasogga, so schmerzlich er auch ist, kann durchaus kompensiert werden.Zumindest im nächsten Spiel in Bielefeld.Da haben wir wohl genug Potential auf der Bank das dann neben Ramos stürmen könnte.Auch wenn Ramos mir am Sonntag wieder die Zornesröte ins Gesicht trieb (trotz seiner 2 Tore).Die Schülerhaften Ballannahmen, die Verstolperer …junge, junge …!
    Aber wie gesagt, die obige Aufzählung an Stürmern reicht für Bielefeld allemal.

  6. Blauer Montag
    Am 25. Januar 2011 um 13:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn ihr Freind und Ramos so wenig zutraut:
    Könnte es mal wieder Zeit für Domo sein?

  7. Joel
    Am 25. Januar 2011 um 15:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach der Babbel stellt als hängende Spitze den Raffa rein und zur Überraschung kommt Ebert als 10ner ;-)
    Ne dies Experiment lassen wa mal lieber….

Ein Trackback

  • Von Temporäre sportliche Delle? | Hertha BSC Blog am 22. Februar 2011 um 00:49 Uhr veröffentlicht

    […] Wochen (Augsburg: Bärenstark trotz Gagelmann, Oberhausen: Nicht unverdient, Fortuna Düsseldorf: Beste Saisonleistung, Arminia Bielefeld: Mühelos, Union: Durchwachsen, Karlsruhe: Souverän) schockiert mich und lässt […]