Sch… auf Euro-League!

Die Anspannung war auch in diesem Jahr wieder groß. Denn irgendwie hatte man sich als Herthaner ja daran gewöhnt, an einem Tag wie heute diese typische Erwartungshaltung einzunehmen: Gegen wen spielen wir denn dieses Jahr im Europapokal? Wieder ein georgischer Pokalfinalist, der nur deshalb im Lostopf gelandet ist, weil der Pokalsieger der Korruption überführt wurde? Oder endlich mal ein namhafter Gegner, der das Olympiastadion zumindest ansatzweise füllt?
July 16, 2010 - Nyon, SWITZERLAND - epa02250266 Antonio Giachino, UEFA Competition Manager, prepares the balls containing the names of the soccer clubs prior the drawing of the games for the Europa League 2010/11 Third qualifying round at the UEFA headquarters in Nyon, Switzerland, 16 July 2010.

Doch als die Übertragung bei Eurosport dann anfing, legte sich plötzlich eine ungewohnte Gelassenheit über mein Gemüt. „Wir sind gar nicht dabei“, sagte eine Stimme in meinem Hinterkopf und spätestens als nicht der Name „Hertha Berlin“ neben dem Pokalsieger aus Aserbaidschan auftauchte, realisierte ich, dass wir uns in diesem Jahr zumindest nicht auf europäischer Bühne blamieren würden. Denn, so schön es auch war, sein Team auch mal unter der Woche spielen zu sehen, Europapokal hieß ja meistens: Grottenschlechte Fußballspiele in entweder einem leeren Olympiastadion oder auf osteuropäischen Fußballplätzen, die den Namen Stadion nicht verdienten und für die die Bezeichnung Acker die genauere gewesen wäre. Es wäre wohl auch in diesem Jahr so gekommen, wenn Hertha, statt abzusteigen, sich wie sonst immer für den Europapokal qualifiziert hätte. Die Gegner der deutschen Teams geben dieser These recht: Die Dortmunder müssen ins über 4500 Kilometer entfernte Baku, Bayer Leverkusen muss „nur“ 2500 Kilometer nach Simferopol in der Ukraine zurücklegen (wo die Mannschaft von Jupp Heynckes übrigens auch auf einen Pokalsieger trifft) und der VfB Stuttgart hat es mir dem slowakischen Vertreter aus Bratislava (757 Kilometer) noch vergleichsweise freundliche getroffen.

July 16, 2010 - Nyon, SCHWEIZ SWITZERLAND SUISSE - epa02250253 UEFA secretary general Gianni Infantino, (L) and competitions director Giorgio Marchetti during the draw of games for the Europa League 2010/11 third qualifying round at the UEFA headquarters in Nyon, Switzerland, 16 July 2010.
Ich weiß nicht, aber irgendwie brauche ich solche Spiele in dieser Saison nicht. Klar, Hertha muss auch über 500 Kilometer nach Ingolstadt und München fahren und in diesem Jahr mit Sicherheit auch auf Fußballplätzen spielen, die diesen Namen nicht verdient haben. Und sollte Hertha dort verlieren, wird sicherlich auch mal das Wort Blamage in den Berichten vorkommen. Aber wenigstens können wir nicht irgendwann rausfliegen, sondern jede Niederlage mit einer anschließenden Serie wieder korrigieren.

Ich freu mich drauf, dass es endlich wieder los geht. Auch ohne Europapokal.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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7 Kommentare

  1. Am 6. August 2010 um 15:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dazu kann ich nur sagen: Ich möchte nicht tauschen! Und wenn der BVB in Baku gegen Qarabag weiterkommt (was durchaus möglich ist), gehts in die sportlich nicht uninteressante und finanziell lukrativere Gruppenphase.

  2. Daniel
    Am 6. August 2010 um 16:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich würde natürlich tauschen, um nicht zweite Liga spielen zu müssen. Und dass aus diesem Artikel auch der Neid mitschwingt, nicht mehr bei den ganz Großen mitzuspielen, ist denke ich auch klar :)

    Trotzdem ist es – im Moment gerade – sehr schön, sich mit diesen Unbekannten des europäischen Fußballs nicht beschäftigen zu müssen.

    Ich hoffe aber natürlich, dass ihr und alle anderen deutschen Vertreter weit kommt – egal wie die Gegner heißen.

  3. Best-Berliner
    Am 6. August 2010 um 17:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hatte mich eigentlich immer über Europa-Pokal spiele gefreut. Das war was anderes. Da kamen wirklich nur die härtesten Herthaner ins Stadion, die Leute die man jede Saison sieht.
    Dass die Begeisterung für ein Uefa-Cup oder Europa-League-Spiel in Berlin nie da war verwunderte mich doch schon. Schließlich gibt es nicht viele Mannschaften in Deutschland, die solche Spiele zu haben.
    Übrigens hieß der Europapokal bei Hertha nicht immer, dass man gegen Groclin Grodzisk ein „packendes“ 0:0 im mit 10.000 gefüllten Olympiastadion sehen konnte. Es gab durchaus interessante und spannende Spiele, die teilweise für immer in Erinnerung bleiben.
    Zum Beispiel das 3:1 gegen Bröndby Kopenhagen, als Kacar kurz vor Schluß aufdrehte und die Qualifikation innerhalb 15 Minuten klarmachte. Oder das 0:1 gegen Galatasaray, wo eine Lautstärke im Stadion existierte, die man nicht allzuoft erleben wird.
    Europa-League das hieß für mich mit interessanten Menschen aus verschiedenen Regionen Fußball erleben. Natürlich waren nicht immer grandiose Abendspiele dabei, aber „scheißen“ will ich darauf auch nicht.
    Es kommt eben drauf an, was man aus den Begegnungen macht.

  4. Daniel
    Am 6. August 2010 um 18:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nicht falsch verstehen: Ich hab mich auch immer drauf gefreut – um dann meist enttäuscht zu werden. Gegen Bröndby war es ja auch 75 Minuten Gewürge und dann plötzlich eine Explosion, die uns alle ein bisschen benebelt hat.

    Mir fallen als Highlights auch noch die Spiele gegen Inter Mailand ein, als es um Rückspiel lange so aussah, als könnte es tatsächlich reichen bis glaube ich Hakan Sükür in der 90. Inter eine Runde weiter schoss (ins Viertelfinale??).

    Trotzdem verregnete Novembernachmittage oder eiskalte Dezembernächte gegen Grodzisk, Kharkov, Chisinau oder diese Wursttruppe von Servette Genf mit diesem völlig überbewerteten Trainer…die bleiben halt auch im Gedächtnis haften und kamen grad – nach der Auslosung – wieder hoch.

  5. Enno Enno
    Am 6. August 2010 um 20:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wobei ich sagen muss, dass mir einige Gegner in der zweiten Liga ähnlich unbekannt sind, wie Groblin, Baku und Qarabag…

  6. Knut
    Am 6. August 2010 um 21:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach Euro League. Ich war in Heerenveen dabei und habe nach dem Spiel mit einigen Holländern bis zum Morgen gefeiert, das war super und hatte eine eigene Aura. Europokal eben. Aber das sind bestenfalls nur die Bonbons. Dieses Jahr ist mal ohne Euroleague. Nun gut, nächstes Jahr sind wir ja wieder dabei, als Pokalsieger :) Ich jedenfalls freue mich schon jetzt wie ein Schneekönig, dass die Saison wieder los geht. Scheiss egal in welcher Liga! Unsere Dauerkartengruppe ist sogar gewachsen und das blauweisse Herz buppert schon wieder total. Erklären kann man das nicht. Grüße an alle Hertha Fans die Intolleranz ablehnen und dennoch klar zu Ihrem Verein stehen. Knut

  7. Am 6. August 2010 um 23:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich sage es mal so: Europapokal ist, was Du daraus machst. Genau wie ein Spiel gegen Ingolstadt.