Schicksalsspiel

Sports News - March 21, 2010
Das Spiel gegen die Dortmunder Borussia ist von enormer Bedeutung. Was für eine Phrase! Im Angesicht des drohenden Abstiegs ist jedes Spiel unserer Hertha von enormer Bedeutung. Das versteht sich doch von selbst. Aber ich möchte auch diese Woche wieder das Schicksal bemühen, um die Partie gegen den BVB vernünftig einordnen zu können. Die sportliche Ausgangslage ist klar: Trotz Heimvorteil geht Hertha als krasser Außenseiter in das Spiel. Darüber brauchen wir nicht viele Worte verlieren, denke ich.

Nun sind aber die letzten zwei Spiele gegen Dortmund für Hertha schicksalhaft gewesen, weshalb der kommenden Partie eine enorme Bedeutung zukommt. Ich möchte das kurz zusammenfassen. Im April 2009 versetzten die Dortmunder den Berliner Titelkandidaten eine schmerzhafte Heimniederlage, die wir damals gar nicht mehr gewöhnt waren. Hertha verteidigte ungewohnt schlecht, es begann ein Trend, der sich weit in die kommende Saison hineinziehen würde. Gleichzeitig mit dieser unerwarteten Niederlage kamen Gerüchte über die (Selbst-)Demontage von Dieter Hoeneß auf, die man damals noch nicht glauben konnte oder wollte. Ich sah darin eher eine Inszenierung der Neider, die schon lange auf eine Niederlage der Hertha gewartet hatten. Tatsächlich war wohl hinter den Kulissen schon einiges im Gange, die Mannschaft verlor ihre Erfolgsserie und Hoeneß musste im Sommer tatsächlich gehen.

Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen
Dieses Spiel war somit auch ausschlaggebend für einen wichtigen Transfer im Sommer. Lucas Barrios hatte schon längst eine Option mit Hertha vereinbart, die gezogen werden würde, sobald sich das Team für die Championsleague qualifiziert hätte. Tat sie aber nicht, weshalb die Option verstrich und die Dortmunder zugriffen. Zur Hertha kam stattdessen Artur Wichniarek. Es ist natürlich übertrieben, die Transferaktivitäten an nur einem Spiel festzumachen. Aber die schicksalhafte Wende nahm hier ganz sicherlich entscheidend Schwung auf. Damals bewiesen die mitgereisten Dortmunder Fans bereits ein gutes Gespür für die Situation und sangen lauthals: „Hey, was geht ab? Wir versauen euch die Meisterschaft!“.

Im Hinspiel dieser Saison in Dortmund bekamen wir deutlich vor Augen geführt, was Funkel-Fußball bedeutet. Dortmund war nach dem Pokal-Aus gegen Osnabrück bis unter die Haut verunsichert. Hertha hätte das Spiel in die Hände nehmen können und hätte locker gewinnen können. Aber Funkel coachte die Hertha defensiv, zögerlich, passiv. Hertha präsentierte sich somit als der ideale Aufbaugegner für eine verunsicherte Dortmunder Mannschaft. Erste Zweifel an Funkel kamen auf. Aber nicht bei Präsident Gegenbauer, der die sportliche Krise euphemistisch als „temporäre sportliche Delle“ bezeichnete. Schon damals war klar, dass der Präsident die Augen vor der Realität fest verschlossen hielt.

Am Samstag darf man nicht auf die Hertha hoffen. Das wäre naiv, weil die sportlichen Vorzeichen klar auf Niederlage stehen. Außerdem werden die Dortmunder nicht so eine lasche Einstellung auf dem Platz präsentieren wie die Wolfsburger am vergangenen Wochenende. Aber man darf all seine Hoffnungen in die Hände des Schicksals legen. Und ich denke, dass es aus Sicht des Schicksals begründete Hoffnungen gibt, dass wir am Samstag die Berliner Fans singen hören: „Hey, was geht ab? Hertha versaut euch den UEFA-Cup! Und steigt niemals ab!“

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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18 Kommentare

  1. Kalle Grabowski
    Am 26. März 2010 um 12:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    http://www.schwatzgelb.de/index.php?id=5758

    Sehr schöner Artikel!Dürfte Euch Herthanern bestimmt auch ganz gut gefallen, musste das ein oder andere Mal doch ganz ordentlich schmunzeln :)
    Seht zu, dass Ihr entweder in der Liga bleibt oder schnell wieder kommt. Die Punkte am Samstag brauchen wir allerdings auch sehr dringend.

    Beste Grüße aus Dortmund,
    Kalle

  2. Am 26. März 2010 um 13:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hmm ja.. zwei gute Artikel. Aber du, Enno, bist mir mal wieder viel zu pessimistisch. Wir haben nix zu verlieren ausser ein kleines fünkchen Hoffnung. Wir sind kein krasser Aussenseiter, sondern ein Meisterbesieger und haben zuletzt zwei hervorragende Spiele gezeigt. Wenn das unmögliche realisiert werden soll, dann müssen es morgen drei Punkte sein. ich bitte um ein wenig mehr Euphorie.

  3. Enno Enno
    Am 26. März 2010 um 13:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was heißt schon negativ? Sportlich habe ich halt keine Hoffnungen, lege aber alles in die Hände des Schicksals. Da ich dann aber sehr abhängig vom Fußballgott bin, werde ich nicht euphorisch. Das kommt dann erst nach dem Sieg! :-)

  4. Drecksau
    Am 26. März 2010 um 14:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ihr hässlichen Dreckschweine!

    macht den Schäfer für eure Ausraster verantwortlich!

    fickt euch ihr Hurensöhne ihr könnt Schwänze lutschen sonst nichts!

    ihr arschgefickten Schweinebacken

    • Enno Enno
      Am 26. März 2010 um 14:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Meinungsstark, die gute Dreckssau. Aber vielleicht etwas unreflektiert, würde ich sagen. Und Wörter kennt der Gute, das lässt schon tief blicken. Wen er allerdings mit „ihr“ meint, bleibt mir schleierhaft. Sollte sich jemand tatsächlich angesprochen und beleidigt fühlen, werde ich diesen Kommentar gerne löschen. Ansonsten würde ich ihn als leuchtendes Beispiel Nürnberger Fußball-Folklore gerne hier stehen lassen.

      • spreemaradona
        Am 26. März 2010 um 16:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Der Artikel vor „Schäfer“ deutet auf Mario Basler als Autoren dieser Zeilen hin, die Wortwahl dagegen auf meinen Namenspatronen vom Rio de la Plata.
        Zwar ist der Beitrag an meinem Fremdschämen ursächlich beteiligt, auf eine Anzeige verzichte ich jedoch.

  5. Am 26. März 2010 um 14:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    http://www.morgenpost.de/sport/hertha/article1281417/Preetz-verzichtete-auf-Anzeige-gegen-Nuernberg.html

    […]Schon vorher war Bader sauer aufgestoßen, wie Preetz gegen Ende der Saison 2007/08 ein reichlich bedeutungsloses Berliner 1:0 gegen Nürnberg unnötig exzessiv bejubelte, obwohl es den fast sicheren Abstieg des FCN und damit auch des ehemaligen Kollegen Bader zur Folge hatte.

    Ironie des Schicksals? :)

    PS: „Was Kollege Bader sagt, ist nicht richtig. Wir haben Schäfer nicht angeschwärzt, und wir haben ihn auch nicht angezeigt. Der DFB-Kontrollausschuss war schon durch die Berichterstattung unmittelbar nach dem Spiel aufmerksam geworden. Wir wurden daraufhin aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben, das haben wir getan.“

  6. Morix
    Am 26. März 2010 um 15:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nürnberger Niveau?

    Edit: als ich aktualisiert hatte waren eure beiden Kommentare noch nicht da, ich werde alt und langsam.

  7. Mirko030
    Am 26. März 2010 um 17:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also das Nürnberger Niveau lässt doch echt zu wünschen übrig. Wen er wohl ansprechen will. Naja keine Ahnung, aber first class ist das sicherlich nicht. Eher second class und wer weiß vielleicht wird die Klasse ja dann auch dem Niveau angepasst :-).

    Ich für meinen Teil hoffe, dass unsere Hertha sich gegen Dortmund schadlos hält und wir doch noch den Klassenerhalt schaffen. Aber dafür müsste der Fussballgott aus seiner Schmollecke herauskommen und Hertha mal wieder unterstützen. Also Fussballgott zeig uns das sich alles in der Saison wieder ausgleicht. Letzte Saison hast Du es ja auch gemacht und uns gegen Wolfsburg die Champions League genommen. Nun gib dein Bestes und schenk uns den Klassenerhalt.

  8. Am 27. März 2010 um 10:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Schicksal“ ist ’ne coole Sache. Man kann sich ihm ergeben. Man kann jegliche Verantwortung für Ge- und Misslingen daran abgeben. Das kann sehr befreien, man hört auf mit sich selbst zu hadern. Unfair ist allerdings, wenn man, nachdem etwas gelungen ist, behauptet, man hätte das Schicksal in die eigenen Hände genommen. Entweder man glaubt, oder man glaubt nicht.

  9. Die Wahrheit
    Am 27. März 2010 um 11:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So eine windelweiche Lusche! Wenn man schon alle Register zieht sollte man wenigstens dazu stehen und nicht auch noch rumlügen. Das zeigt doch nur, dass Preetz genau weiß was das für ne miese Nummer ist! Und die Hertha Fans sind sicher nicht auf den Platz gestürmt weil der Rafa irgendwas gemacht hat, sondern weil ihre Manschaft die ganze Saison nix bringt und mit dem Spiel den Abstieg besiegelt hat. Eigentlich hätte ich der Hertha gegönnt, dass sie drin bleiben, aber jetzt sollen sie ruhig absteigen. Mit der Vereinsführung haben die in der ersten Liga nix verloren! … so viel zu Michael Preetz

  10. BvB-Fan
    Am 28. März 2010 um 11:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Man, was für ein glückliches 0:0 für den BVB. Der Schiedsrichter war ganz klar auf unserer Seite. Außerdem konnte durch Herthas schwache Chancenverwertung die schwachen Ergebnisse der anderen nicht ausgenutzt werden.

  11. Herthawolf
    Am 28. März 2010 um 13:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Als ich gestern morgen im Tagesspiegel las: Wagner pfeift, da schwante mir nichts Gutes. Selbst mein kleiner Sohn erinnert sich noch an ein Spiel gegen Werder vor ein paar Jahren zurück, als selbiger Schiedsrichter Pantelic wegen angeblicher Abseitsstellung am 2:0 hindert, Werder in den letzten drei Minuten das Spiel noch 2:1 gewinnt und dann hinterher im Fernsehen auch nicht bereit ist, seine Fehlentscheidung kritisch zu kommentieren.
    Diese 2 Punkte werden uns in der Endabrechnung fehlen – es sei denn, wir bekommen in einem der 6 letzten Spiele dann auch mal einen Schiedsrichter, der ein Abseitstor gelten lässt. Manchmal gleicht sich das ja innerhalb einer Saison gut aus. Lassen wir den Kopf nicht hängen!

    • Mirko030
      Am 28. März 2010 um 18:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Was soll sich denn noch diese Saison ausgleichen? Ich habe so das Gefühl, dass der DFB Hertha nicht mehr in der ersten Liga haben will. Oder wie lässt es sich erklären, dass an zwei Spieltagen hintereinander Schiedsrichter eingesetzt werden, welche Hertha ständig verpfeifen. Den Herren Wagner und Kirscher sollter man untersagen jemals wieder einen Fuß ins Olympiastadion zu setzen oder überhaupt mal ein Herthaspiel zu pfeifen. Bei beiden ist es jedesmal das gleiche. Sie entscheiden ausschliesslich gegen Hertha. Schaut euch einfach nur die letzten Herthaspiele an, die die beiden Herren gepfiffen haben.

      Als ich sah (nach einem Jubel, wie ich es selten hatte), dass er den Treffer wegen Abseits nicht gibt, dachte ich sofort an das 2:1 aus dem Nürnbergspiel. Und jetzt erklär mir mal einer den Unterschied, ausser das Charisteas viel weiter im Abseits stand. Vielleicht hätte Gekas ja auch am 5m Raum auf den Ball warten sollen. Dann wäre es wohl passiv gewesen. Ich hatte wirklich wieder Hoffnung gehabt, als ich das Spiel sah und das 1:0.

      Aber wie ich schonmal geschrieben habe, der Fussballgott hat dieses Jahr etwas gegen Hertha und die Schiedsrichtergilde vom DFB anscheinend auch. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass Hertha dieses Jahr kein Abseitstor oder Elfmeter geschenkt bekommen hat. Wenn ich ehrlich bin, ist es mir ja auch lieber, dass wir ohne Fehlentscheidungen gewinnen aber wenn ständig gegen uns entschieden wird, kann das ja mit den Sieg und dem Klassenerhalt nichts werden. Ich hoffe nur, dass die Presse in Berlin jetzt endlich mal aufwacht und dem DFB klar macht, wieviel dieses Jahr gegen Hertha entschieden wurde.

      Zu guterletzt fällt auch noch Hubik aus, welcher für mich der wahre Nachfolger von Simunic ist. Dieser ganze Spielstil und die Ruhe am Ball erinnert mich doch sehr an Joe.

      Nach den beiden Spielen, ist die Chance zwar wieder kleiner geworden, aber ich habe die Hoffnung irgendwie immernoch nicht aufgegeben bzw. sie wieder zurück erlangt. Noch 4 Siege in den verbleibenden Spielen und einer davon am letzten Spieltag gegen die Bayern, wo Hertha die Relegation erreicht. Das wäre das einzige, was Hertha und auch die Mannschaft aufgrund der letzten Leistungen verdient haben. Eine Chance auf den Klassenerhalt.

      Ich jedenfalls hoffe das es so kommt und sage nur:
      „Hey was geht ab, die Hertha steigt niemals ab.“

      • Am 28. März 2010 um 19:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Natürlich, der DFB möchte Hertha BSC Berlin nicht mehr in der ersten Liga haben. Weil Teams aus Millionenstädten wie Augsburg oder Ahlen natürlich viel mehr ziehen, auch international.

        • Am 28. März 2010 um 19:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Gott is ein Augsburger!

          • dns
            Am 29. März 2010 um 16:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Augsburgerin

        • Oliver
          Am 3. April 2010 um 14:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Es geht nicht darum, daß Hertha durch Augsburg ersetzt würde (was der bayrischen Schiri-Fraktion allerdings nicht mißfallen würde), sondern daß Hertha seit dem Aufstieg so unangenehm oft den üblichen Verdächtigen den Europapokalplatz weggenommen hat. Schöne Verschwörungstheorie, nicht wahr? Das es so was nicht gibt, wie auch immer das laufen mag, kann mir keiner erzählen, das kommt nicht nur von der bösen Wettmafia. Und das die Vereine im Norden, Westen und Süden nicht miteinander klüngeln oder einen stärkeren Einfluß beim DFB oder der DFL haben, auch nicht. Dazu sind wir auch noch ein halber Ostverein, Rostock und Cottbus können da ein Lied von singen, da ist keiner gerne hingefahren. Man muß sich auch nur nochmal die beiden Spiele von Wolfsburg in der letzten Saison gegen Hannover und Werder ansehen. Die Verteidiger haben gemütlich zugesehen, wie Dzeko und Grafite ihre Tore geschossen haben.

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