„Sieg und Blut am Schuh“

Eintracht Frankfurt zu Gast in Berlin. Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, die gegnerischen Blogger vor dem Spieltag zu ihrem Team und der anstehenden Partie zu befragen. Heute zu Gast: Stefan vom Blog-G und Kid aus der Klappergass. Zwar stehen die Frankfurter rein punktemäßig deutlich besser da als unsere Hertha, der Druck scheint aber kaum geringer zu sein.

Ich schrieb ja bereits vom ersten Endspiel der Saison und da ist es nur passend, dass die Frankfurter Blogger-Kollegen einen martialischen Ton anschlagen: „Sieg und Blut am Schuh!“ Das wird der Perspektive beider Mannschaften gerecht. Da Maik Franz auch von der Partie sein dürfte, müssen wir allerdings hoffen, dass diese undiplomatische Forderung nicht allzu wörtlich von den Akteuren auf dem Platz umgesetzt wird. Ein Interview über die Frankfurter Eintracht und das Spiel gegen Hertha BSC:

Enno: Fünf der letzten sieben Spiele verlor die Eintracht. Fast schon traditionell gibt es eine lange Liste verletzter Spieler. Die Kurve scheint steil nach unten zu zeigen. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Eintracht sich in der Tabelle zu Hertha gesellt?

Stefan: Nein. Aber ich halte es nach wie vor nicht für ausgeschlossen, dass sich die Hertha zur Eintracht gesellt. Sprich: Ein Platz knapp über den Abstiegsrängen.

Kid: Enno, wie tief sollen wir denn sinken? ;-) Nein, gleich und gleich gesellt sich gern, doch dafür sind die Qualitätsunterschiede zwischen beiden Vereinen zu groß. Im Gegensatz zur letzten Saison hat in dieser Spielzeit allerdings die Eintracht gegenüber der Hertha die Nase vorn.
Dennoch wird die Eintracht im Winter für den Sturm einen Spieler mit ausreichender Qualität verpflichten müssen, das offensive Mittelfeld bleibt unabhängig vom Spielsystem ebenfalls eine Baustelle. In beiden Bereichen ist guter Rat leicht, aber die Umsetzung teuer.

Enno: Eines hat sich im Vergleich zu Funkel jedoch deutlich sichtbar verändert: Skibbe fordert in aller Öffentlichkeit, dass sich der Verein grundsätzlich neu positionieren muss und dass bereits im Winter neue Spieler verpflichtet werden sollen. Damit geht er in Opposition zu Manager Bruchhagen. Eine kluge Entscheidung?

Stefan: Skibbe hat mit seinen Forderungen ja Recht. Forderungen, die auch Funkel schon das ein oder andere Mal gestellt hat. Allerdings nicht so medienwirksam. Es war zumindest keine kluge Entscheidung, die Forderungen in der Öffentlichkeit zu stellen.

Kid: Skibbe, der „Medienprofi“, sagt nichts Unüberlegtes. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob sein öffentlicher Vorstoß vom Zeitpunkt und der Form her hilfreich war und welche Ziele er damit verfolgt. Inhaltlich hat er übrigens nichts Neues, nichts bisher Unbekanntes gesagt. Skibbes Äußerungen sind nach meiner Meinung im Gegensatz zu denen seines Vorgängers nicht so stringent – hier widerspricht sich, da rudert er zurück.
Was jedoch zählt, sind letzten Endes die Leistung seiner Mannschaft und vor allem die Ergebnisse, nicht das Gebabbel. Und die Ergebnisse können sich immer noch sehen lassen, gerade wenn man bedenkt, dass es um den Sturm in dieser Hinrunde personell noch schlechter bestellt ist als in der letzten Seuchensaison unter Funkel. Trainer und Mannschaft haben es ja außerdem immer noch in der Hand, diese Hinrunde mit einem mehr als ordentlichen Ergebnis abzuschließen.

Enno: Mehr als mittelmäßiger Fußball scheint auch unter dem neuen Trainer Michael Skibbe nicht möglich zu sein. Das versprochene Offensivfeuerwerk ist in Frankfurt noch nicht gezündet worden. Allein mit fehlenden finanziellen Mitteln kann man das wohl kaum begründen, wenn man nach Mainz oder Freiburg schaut. Wieso klappt das in Frankfurt nicht?

Stefan: Weil die Mannschaft nicht die Qualität für diese Spielweise hat. Etwas, was Skibbe inzwischen auch so langsam einsieht. Deshalb kamen solche Statements auch hauptsächlich vor der Saison. Die Realität hat ihn eingeholt. Er ist da auch schon vorsichtiger geworden.
Mainz? Eine Momentaufnahme. Vielleicht reden wir über das Thema noch mal in ein paar Monaten. Freiburg? Feuerwerk? Ächem …

Kid: Wie schnell soll es denn klappen? Wie lange hat Lucien Favre in Berlin gebraucht? Skibbe ist erst ein paar Monate da, aus dem Vollen schöpfen kann er nicht gerade. Am Ende der Saison wird man sehen, wieviel er unter welchen Umständen hat bewegen können. Er geht dann in sein zweites Vertragsjahr und kann hoffentlich ein paar weitere Spieler verpflichten, die zu dem System passen, das er favorisiert. In der Folge sollte eine spielerische Verbesserung erzielt werden, daran werde ich ihn messen.
Die Vergleiche mit Mannschaften oder Trainern, bei denen es gerade gut läuft, kommen in jeder Saison. Mich lässt das kalt. Bielefeld, Nürnberg, Karlsruhe, Berlin und jetzt Mainz bzw. von Heesen, Meyer, Becker, Favre und jetzt Tuchel auf der anderen Seite – jedes Jahr eine andere Sau, die durchs Dorf getrieben wird. An dieser Treiberei habe ich mich noch nie beteiligt. Warum ich das nicht tue, kann man gut erkennen, wenn man schaut, wo die Säue der vergangenen Jahre hingelaufen sind.

Enno: Was dürfen wir am Samstag in Berlin von der Eintracht (nicht) erwarten? Wie wird das Spiel verlaufen und mit welchem Ergebnis wird es enden?

Stefan: Es wird ein grausames Spiel. Ergebnis offen. Ich tippe auf ein elendes 1:1 oder ein 1:0 der Hertha. Frankfurt ist bekannt dafür, potentiellen Absteigern ein wenig Schützenhilfe zu geben – und zudem nicht gerade Selbstbewusst im Moment.

Kid: Was wir von beiden Mannschaften nicht erwarten sollten, ist das, was wir unter Fußball verstehen oder zumindest gerne sehen. Wie das Spiel verläuft, hängt davon ab, wann das erste Tor fällt. Wer das erzielt, wird wohl auch gewinnen. Ich erwarte dementsprechend von der Eintracht, dass sie die Führung erzielt, denn ich erwarte von ihr nichts anderes als einen Sieg. Es gibt für die Elf nur Gründe, warum sie in Berlin gewinnen sollte, aber nicht einen einzigen, der eine Niederlage rechtfertigen würde.
Sieg oder Blut am Schuh, hat Thommy Rohrbach bei uns im Eintracht Museum vor einigen Monaten gesagt. Stefan hat es diese Woche für das Spiel bei der Hertha in „Sieg und Blut am Schuh“ abgewandelt. Das trifft seine und meine Stimmung, vielleicht auch die anderer Eintrachtfans. Wenn das so ist, sollte die Eintracht bei euch auch mit dieser Einstellung auftreten. Besser wäre das.

Enno: Vielen Dank für das Interview!

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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8 Kommentare

  1. dns
    Am 28. November 2009 um 17:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kraftlos, lustlos, planlos. Mehr faellt mir nicht zu den 85 Minuten ein, die ich mir da heute angetan habe. Und bis nicht ein grundlegend veraendertes Team auf dem Platz steht, waren das auch die vorerst letzten Minuten.

    • alnus.glutinosa
      Am 28. November 2009 um 17:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich freue mich auf die Spiele gegen Hansa, Cottbus, Union, St.Pauli nächstes Jahr. :-(

      • dns
        Am 28. November 2009 um 19:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Guter Nebeneffekt, die Karten werden dann günstiger.
        Ich ärger mich so sehr.
        Gefühlt 99% Fehlpässe, kein Berliner in irgendeiner Situation schneller als irgendein Frankfurt. Zu blöd ne Abseitsfalle zu stellen aber dauernd nur den Arm oben und die Augen aufm Linienrichter. Das ist doch keine Abwehr. Das is’n Kasperverein. Kaum einer in der Lage nen Ball anzunehmen, ohne dass er 5 m verspringt.
        Sollte Berlin keine Sondergenehmigung bekommen, mit 2 Spielern mehr auflaufen zu dürfen, könnten sie auch gleich vom restlichen Spielbetrieb freigestellt werden, dann spart der Club Auflaufprämien und Reisekosten, die Spieler haben Zeit, sich auf Sky oder auf der PS3 mal anzuschauen, wie Fussball funktioniert und auf dem Torekonto kommen nur 2 Gegentore hinzu.

        von Frankfurt an die Wand gespielt, dass kann sich nicht jeder auf die Fahne schreiben. *kotz*

  2. lissy
    Am 28. November 2009 um 21:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    bin auf die mitgliederversammlung am montag.
    das war keine leistung das war nur grottenschlecht und ob arne ohne hintergedanken sich die 5. gelbe abgeholt hat lass ich mal so im raum stehen, so haben sie auch in liga 2 keine chance
    ich bin sowas von sauer…..

  3. Tanja*
    Am 28. November 2009 um 22:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wir sind Herthaner und die nicht!

  4. Patrick
    Am 29. November 2009 um 18:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    OH OH OH so wie das aussieht steckt Hertha EXTREM in der Klemme.
    NUR 1 Spiel gewonnen und 2 Unentschieden.
    Hab so das Gefühl daß der „alte“Trainer“ durch seinen Machtkampf mit Pantelic alles kaputt gemacht hat!
    Pantelic und Voronin das waren doch die SPIELEMACHER überhaupt!
    Wenn Hertha nicht schleunigst einen guten Torjäger mit Spielmacher bekommt, steigen sie ab!!!!!!!! Wers anders sieht, bitte antworten!!Gruß Der Pat

    • dns
      Am 30. November 2009 um 10:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich seh es ein wenig anders. Wenn der Verein einen Trainer mit Konzept einstellt, muss man das Konzept auch unterstützen. Man kann aber nicht sagen, „Ok, Trainer, mach du deinen Konzeptfussball mit taktischer Geschlossenheit, aber die Diva bleibt, auch wenn sie nicht so will, wie du willst.“
      Ich geh einfach mal davon aus, dass LF nicht einfach so dahersagte, dass er oft nur die Spieler bekam, die seine 2. bis 3. Wahl waren. Wie man in dieser Saison sieht, ist der Kader von einem weniger guten Trainer überhaupt nicht mehr zu irgendwas fähig.
      Deshalb glaube ich, die sportliche Leitung hat sich verschätzt und dachte, der Trainer macht das schon, der kann auch ohne Kohle ne gute Mannschaft aufbauen.
      Außerdem glaube ich, dass LF bewusst die CL-Quali vermeiden wollte, weil durch diese noch größere Aufmerksamkeit wären wohl einige Vereine mehr auf die Idee gekommen, sich einige Spieler zu sichern und LF wusste, dass Hertha Sparkurs fuhr und die Entscheider in einigen Fällen vielleicht nicht Nein gesagt hätten. (Oder schlimmer noch, dass plötzlich irgendwelche Altstars für die CL gekauft würden und das mühsam aufgebaute Team wieder zerlegt würde.)

  5. Am 30. November 2009 um 20:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Da geht nix mehr. So kann die Herta für die 2. Liga planen. Selbst da wird Sie mit der Leistung kein Spiel gewinnen.

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  • […] kann deutlich länger als ich, wie man im Hertha-Blog nachlesen kann. Wie dem auch sei – Erwartungen sind das Eine, Forderungen das Andere. Ich erwarte […]

  • Von DailySoccer 27/11/2009 | Spielfeldrand - Das Magazin am 27. November 2009 um 14:16 Uhr veröffentlicht

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  • […] dass kann sich nicht jeder auf die Fahne schreiben.”, schreibt ein Kommentator drüben im Hertha-Blog. Verständlich, weil wahr. Der gemeine Frankfurter Anhänger allerdings hat nach diesem […]