Skandal! Schweizer Super-Hirnli zu schlau!

Skandal! Die bloggenden Berichterstatter deckten schonungslos auf, warum Lucien Favre als Trainer bei Hertha BSC nicht bestehen konnte: Das Schweizer Super-Hirnli ist zu schlau!

Fakt ist: Lucien Favre spricht mehrere Sprachen. Gleichzeitig! Fakti ist: Das Super-Hirnli ist nicht nur ein DVD-Fuchs, sondern versucht auch, komplizierte Sachverhalte auszudrücken.

Fakt ist: Seine Abschieds-Pressekonferenz war so differenziert, dass sie in keine Schublade des Boulevard passte. Fakt ist: Lucien Favre ist ein fachlich erstklassiger Trainer. Er hat aber kein Gespür für Darstellung gegenüber den Medien.

Ganz klar: Das Schweizer Super-Hirnli musste gehen, weil er zu schlau war für Hertha BSC!

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So könnte sich ein Artikel lesen, wenn der Berliner Boulevard auch nur ein Fünkchen Galgenhumor hätte. Denn man muss den Spieß ja auch einmal umdrehen: Ist der Trainer zu schlau, müssen die Zeitungsmacher zu dumm gewesen sein. Und liest man den rotzigen Kommentar, den die BZ in ihrem Blog zur Pressekonferenz in die Weltgeschichte schleudert, findet man einige Belege für die Hilflosigkeit bei der Interpretation. Ebenso verlässlich schafft es übrigens Karl Heinz Granitza, das Niveau unterhalb der Grasnarbe zu positionieren. Ich kann es manchmal kaum ertragen, was unter den beiden genannten Adressen für grauseliges Geschreibsel produziert wird.

Kommen wir noch einmal auf Marxelinho und Peter Körte zurück. Ich stimme ihren Interpretationen ja durchaus zu, dass Lucien Favre in vielen Dingen so differenziert vorgegangen ist und so intellektuell rüber gekommen ist, dass der Boulevard keine Schubladen mehr finden konnte, um die Auftritte zu verarbeiten.

Aber ich möchte einwenden, dass es nicht allein der Boulevard sein kann, der einen Trainer in einer Phase des Misserfolgs von seinem Posten schreiben kann. Mit solch einer These würde man die Macht der Bilder-Blätter doch um einiges überschätzen, denke ich. Es ist ja schließlich nicht allein die Fähigkeit eines Trainers zur medialen Präsentation, die über eine Weiterbeschäftigung entscheidet.

Wie ihr seht, habe ich den Abschied von Lucien Favre immer noch nicht verarbeitet. Dennoch werde ich versuchen, auch nach vorne zu schauen und die Arbeit von Friedhelm Funkel zu besprechen. Und dann dürften wir gleich beim Thema mediale Inszenierung anschließen: In Frankfurt haben sie Funkel nicht mehr ertragen, weil er schonungslos die Wahrheit sagte. Wird das in Berlin erträglicher rüber kommen? Ich vermute nicht…

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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3 Kommentare

  1. spreemaradona
    Am 16. Oktober 2009 um 10:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Irgendwie werde ich dass Gefühl nicht los, dass Lucien dem Berliner Blätterwald nicht atzig genug war. Die brauchen einen Medizinball-Trainer vom Schlage „Ihr-müsst-Gras-fressen“, der Sonntag morgens um elf auch mal ein Krombacher zischt.
    Da Favre das nicht bieten konnte, reagieren Bild, B.Z und Konsorten wie Enrico, Ronny und Co. reagieren würden: Ist mir fremd, verstehe ich nicht; also haue ich einfach mal drauf.

  2. Am 16. Oktober 2009 um 15:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kann schon sein, dass Favre dieses Krombacher-Gen gefehlt hat. Aber ganz ehrlich, aus der Distanz betrachtet (komme nicht aus Berlin), der Auftritt lässt den Schluss zu, dass Favre kritikresistent ist. Zumindest kann er nicht so gut damit umgehen, Verantwortung übernehmen zu müssen – die er vor der Saison im Machtkampf mit Hoeneß noch eingefordert hat. Und jetzt ist Hoeneß doch gar nicht mehr so schlimm gewesen? Merkwürdig. Da hat der Boulevard doch gar keine andere Möglichkeit, als mit dem Kopf zu schütteln. Auch wenn Favre natürlich Wahrheiten ausspricht…zu spät, wie ich finde.

    • marcolino75 marc
      Am 19. Oktober 2009 um 23:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

      „Und jetzt ist Hoeneß doch gar nicht mehr so schlimm gewesen? Merkwürdig.“

      @kunstphrasen

      Habe Favre nie gehört , dass er schlecht über DH gesprochen hat. Stelle fest das viele der Meinung sind, es sei Favre gewesen, der DH raus warf.