Spaß mit Nationalitäten

Je näher die Saison rückt, desto spannender finde ich die Mannschaft, die Jos Luhukay und Michael Preetz da zusammengestellt haben. Ich werde mich in den kommenden Tagen auch noch mit der Altersstruktur von Hertha 2013/2014 auseinandersetzen, komme in diesem Beitrag aber auf die Internationalität zu sprechen. Und zur Frage: Ist eine gute Mischung an Nationalitäten wichtig für eine Fußball-Mannschaft?

BVB und Bayern mit unterschiedlicher Herangehensweise

Die beste Mannschaft der vergangenen Saison hatte eine ausgewogene Mischung aus einheimischen Spielern und sogenannten Legionären im Team. Im Champions-League-Finale standen bei den Bayern herausragende Spieler aus Brasilien, Spanien, Frankreich, Österreich, Kroatien und den Niederlanden auf dem Platz sowie fünf deutsche Nationalspieler. In etwa Hälfte Hälfte. Ist das Zufall? Borussia Dortmund hatte sieben deutsche Spieler, drei Polen und einen Serben in der Final-Elf. Ungewöhnlich? Ich weiß es nicht. In jedem Fall nicht so erfolgreich wie im Vorjahr, als es mit Shinji Kagawa meist noch ein Legionär mehr war. Es kommt wohl einfach auf die Philosophie der Klubs an sowie auch auf den Werdegang einer Mannschaft und deren Ausbildungssituation.

Es bleibt die Frage: Braucht jedes Team eine südamerikanische Ader? Oder eine osteuropäische Prägung? Wenn man sich die Liste der Bundesliga-Spieler für die Saison 2013/14 anschaut, stellt man jedenfalls erstaunt fest: Es sind die Schweizer, die bei den deutschen Erstliga-Klubs am beliebtesten sind. „Noch“ muss man natürlich sagen, denn bis zum 31. August können die Brasilianer und Österreicher ja noch aufholen.

Vier Herthaner haben zwei Pässe

Und wie ist das bei Hertha? 20 von 28 Herthanern haben einen deutschen Pass. Das ist deshalb so formuliert, weil vier Spieler eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen. Sami Allagui und Änis Ben-Hatira tragen beide auch einen tunesischen Pass bei sich, John-Anthony Brooks ist US-Amerikaner und Marcel Ndjeng spielt für Kamerun. Das führt dazu, dass man eine komplett internationale Hertha-Elf auf den Platz bringen könnte – die allerdings keinen Torhüter hätte. Mit Thomas Kraft, Sascha Burchert und Philipp Sprint setzt Hertha voll auf die deutschen Torwart-Titan-Tugenden. Aus der U19 kommt demnächst allerdings Ümit Attar (Türkei) hoch. Dann würde es funktionieren.

Der Rest klappt auch jetzt schon: Mit einer Viererkette aus Levan Kobiasvili (Georgien), Fabian Lustenberger  (Schweiz), John-Anthony Brooks (USA), Peter Pekarik (Slowakei), einem Mittelfeld mit Hajime Hosogai (Japan), Ronny (Brasilien), Änis Ben-Hatira (Tunesien), Marcel Ndjeng (Kamerun) und Sami Allagui (Tunesien). Und einem Angriff mit dem Kolumbianer Adrian Ramos. Auf der Bank würden dann der Tscheche Roman Hubnik und der Israeli Ben Sahar Platz nehmen. Eine schlagkräftige Mannschaft, die so auf in der Liga eine Chance hätte.

Klappt auch Reverse

Man kann das Spiel aber auch andersherum spielen – diesmal sogar mit Torhüter. Auch hier kommt eine Mannschaft dabei heraus, die mit Sicherheit kein Kanonenfutter wäre: Thomas Kraft (Kirchen) – Christoph Janker (Cham), Maik Franz (Merseburg), Sebastian Langkamp (Speyer), Johannes van den Bergh (Viersen) – Nico Schulz (Berlin), Peter Niemeyer (Hörstel), Peer Kluge (Frankenberg), Alexander Baumjohann (Waltrop) – Sandro Wagner (München), Pierre-Michel Lasogga (Gladbeck). Auf der Bank säßen die Berliner Fabian Holland und Hany Mukhtar. Ein Trainingsspiel der beiden Mannschaften würde ich mir gerne mal anschauen.

Natürlich ist das nur eine kleine Spielerei, weil es nie auf die Nationalität eines Spielers, sondern nur auf die Qualität ankommt. Aber spannend ist die Betrachtung der unterschiedlichen Kulturen schon. Wenn am Ende eine Spielkultur dabei herauskommt, die nach Hertha aussieht, haben wir alle was davon.

Hier noch eine kleine Karte, auf der man erkennen kann, woher die Hertha-Spieler kommen (und die der Anlass für diese etwas holprige Geschichte war. Ich teste gerade eine Menge neuer Tools und wollte dann auch unbedingt einen Beitrag daraus machen. Dieses Tool heißt Thinglink):

Update: Und schon sieht man, wofür das testen gut ist. In der vollen Auflösung ist die Karte deutlich übersichtlicher (vom Bereich Berlin mal abgesehen). Im kleineren Spaltenbereich hier im Blog ist ein Überblick schwierig.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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3 Kommentare

  1. Schoddie
    Am 11. Juli 2013 um 22:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Interessanter und amüsanter Blog! Hat wirklich Spass gemacht ihn zu lesen.

    Eine Frage, aber nicht, dass ich klugscheißern möchte: du schreibst: „In jedem Fall nicht so erfolgreich wie im Vorjahr, als es mit Shinji Kagawa meist noch ein Legionär mehr war.“ Der war doch letzte Saison schon gar nicht mehr da, oder?

    • Daniel
      Am 12. Juli 2013 um 06:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Du hast gleichzeitig Recht und auch wieder nicht ;-)

      2012 (im Vorjahr) war Kagawa schon noch da, nämlich bis zum 30. Juni – dann ging er nach Manchester. Das meinte ich mit Vorjahr. Vorsaison wäre korrekter gewesen, denn 2011/12 hat Kagawa fast alle Spiele gemacht. Letzte Saison war er allerdings wirklich nicht mehr da, sofern du mit „letzte“ 2012/13 – also die abgelaufene Saison – meinst.

      Ist immer ein bisschen verwirrend, weil ich beim Fußball oft Vor“jahr“ oder letztes „Jahr“ schreibe und eigentlich „Saison“ meine.

  2. ***Q***
    Am 18. Juli 2013 um 12:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    …das erinnert mich an „Sheldon & Amy’s Spaß mit Flaggen“
    *lach*