Überrascht uns!

Wenn Restprogramme sprechen könnten, dann sprächen sie nach allem was man so hört und liest, tatsächlich für Hertha. Die Rechnung der Optimisten geht nämlich so: Der 1. FC Köln – seit gestern mit neuem alten Trainer unterwegs – gewinnt kein Spiel mehr, weil er einfach zu starke Gegner vor der ohnehin sehr schwachen Brust hat. Auswärts in Mönchengladbach, zu Hause gegen Stuttgart, auswärts in Freiburg und zu Hause gegen Bayern. Nicht umsonst sagte Ex-Bayer Michael Rensing zuletzt: „Ich hoffe, dass es für sie dann schon um nichts mehr geht.“  Nun, das ist seit diesem Mittwoch sehr wahrscheinlich geworden.

Hertha hingegen hat es nicht ganz so schwer, möchte man meinen. Zunächst tritt die Rehhagel-Truppe in Leverkusen an, dann kommt die Offensiv-Kanone aus Kaiserslautern nach Berlin, bevor Hertha sich in Schalke abschießen lässt und es am letzten Spieltag gegen Babbel-Hoffenheim um alles geht. Wie gesagt, die Rechnung geht so, dass Köln kein einziges Spiel mehr gewinnt, ja nicht mehr mal ein Unentschieden holt – und Hertha Kaiserslautern besiegt.

Man merkt es als in den letzten drei Jahren gebeutelter Herthaner schon: Selbst da kommen einem gewisse Zweifel. Im Hinspiel schaffte es Hertha nicht, am Betzenberg ein zwei Tore zu erzielen und trotzdem nicht zu gewinnen. Gut, es war sehr windig damals und kalt. Und Kaiserslautern war noch nicht so hoffnungslos abgeschlagen wie heute. Aber Hertha war damals auch noch besser besetzt als heute und wenn es ganz schlecht läuft, steigt der FCK am kommenden Wochenende ab und spielt in den letzten drei Spielen ganz befreit auf.

Boris Herrmann hat es in der Süddeutschen vom Mittwoch – den Artikel finde ich online leider nicht – hervorragend erkannt: Ja, Hertha hat noch eine Chance auf den Klassenerhalt. Aber dafür müsste alles, was bisher schief gelaufen ist, plötzlich funktionieren.

Herthas Abwehr müsste aufhören, den Gegner mit Eigentoren zu beschenken und sich dann auch noch zu verletzen, wie gegen Wolfsburg und Freiburg. Das Mittelfeld müsste es auch dann schaffen, einen Weg zu finden, sich Chancen zu erarbeiten, wenn der Gegner es nicht dazu einlädt wie gegen Wolfsburg. Und die Offensivleute müssten so treffen, wie gegen Mainz. Zudem sollten die Trainer ihre Auswechslungsmacht früher gebrauchen und nicht erst nachdem Änis Ben-Hatira das 45. Mal auf dem Boden lag, weil er die falschen Schuhe anhatte (vielleicht hätte man ihm auch einfach mitteilen sollen, dass der dritte Haken dann doch nicht mehr sein muss, weil es eben sehr rutschig auf dem Platz war).

Kurz: Hertha müsste innerhalb weniger Tage von einem Absteiger zu einem Europa-League-Aspiranten mutieren. Mit Selbstvertrauen, einer Mannschaftsteile übergreifenden Spielidee, Kreativität im Spiel nach vorne und Robustheit in der Defensive. Es ist keine Sensation wenn ich sage: Da glaube ich nicht dran.

Es war einzig und allein der Auftritt in Mainz, der Hoffnung auf Besserung machte. Als Adrian Ramos plötzlich ein gefährlicher Stürmer war, der von Raffael mit den richtigen und rechtzeitigen Pässen gefüttert wurde. Und natürlich: das Glück wieder da war. Aber Mainz ist auch eine Mannschaft, die mit viel Risiko agiert. Ähnlich wie Wolfsburg eigentlich, nur ohne Helmes. Gladbach ist nicht so eine Mannschaft. Kaiserslautern wird das auch nicht sein.

Aber jetzt erst einmal Leverkusen. Eine Mannschaft, die ihren Trainerwechsel auch bereits hinter sich und in der vergangenen Woche den ersten Dreier nach zuvor fünf sieglosen Spielen eingefahren hat. Gegen Kaiserslautern übrigens. Ich bin weit davon entfernt, zu sagen, dass Hertha da gar keine Chance hat. Auswärts sahen wir ja meistens besser aus, als zu Hause. Aber die Qualität die Leverkusen auf den Platz bringt, müsste nach allem, was wir in dieser Saison erlebt haben, reichen, um Hertha zu schlagen.

Zumal durch den Ausfall von Roman Hubnik mal wieder ein Umbau ansteht. Der ungelernte Innenverteidiger Peter Niemeyer wird dann wohl neben dem ungelernten Innenverteidiger Felix Bastians spielen. Für Niemeyer auf der Sechs ist nur noch Fanol Perdedaj übrig, was wirklich nicht das Schlechteste ist, weil er – das ist zumindest mein subjektiver Eindruck – nochmal schneller und aggressiver ist als Peter Niemeyer.

Meine Erwartungen für das Spiel tendieren mal wieder gegen Null. Insofern gilt als Nachricht an die Mannschaft erneut: Überrascht uns!

 

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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12 Kommentare

  1. Klaus
    Am 13. April 2012 um 12:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ääähm… hertha hat beim hinspiel in kaiserslautern zwei treffer erzielt, nicht zuletzt ein herrliches eigentor von hubnik.

    • Daniel
      Am 13. April 2012 um 13:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich kann mich echt nicht mehr auf meine eigenen Erinnerungen verlassen. In meinem Kopf war das ein 0:0 ohne jegliche Torchancen. Aber Danke für den schnellen Hinweis!

  2. Josh
    Am 13. April 2012 um 12:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also eigentlich kann man das schaffen. Da ist sogar der 15.Platz drin. Eigentlich. Wenn man Männer aufm Platz hat. Haben wir die? Ich würde sagen….NEIN. Eine Ansammlung von Schönwetterfussballern und Milchbubis.

    Im Grunde genommen ist es vollkommen absurd, dass wir noch hinter diesem völlig in Trümmern liegendem FC Köln stehen. Wenn wir das am letzten Spieltag immer noch sind, dann hat man nichts anderes verdient als den Abstieg.

    Wahrscheinlich werden wir in Lev groß aufspielen und es kommt zu einem 2:2. Dann folgt die herthatypische Heimniederlage gegen den Absteiger, durch einen abgefälschten Schuss, danach eine Niederlage gegen Schlacke und zu guter Letzt muss man nur noch gegen TSG Hopp gewinnen oder Unentschieden für die Relegation aber Hertha verliert durch ein Eigentor in der vorletzten Minute und steigt ab, während Babbel sich einen ablacht.

    Als Herthaner ist man auf so etwas vorbereitet

    • Daniel
      Am 13. April 2012 um 13:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich glaube nicht mal, dass das mit der Mentalität der Spieler zu tun hat. Man sieht es in Hannover und Gladbach, was Training, Coaching und Taktik bewirken kann. Das sind zu einem großen Teil die gleichen Spieler, die im Jahr zuvor fast abgestiegen wären.

      • Klaus
        Am 13. April 2012 um 15:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

        das würde ich unterschreiben wollen. im vergleich mit gut organisierten, fix spielenden grauen mäusen wie hannover, mainz oder freiburg wirkt die hertha oft wie ein relikt aus den achtzigern mit ihrem langen suchen und den langen bällen.

  3. Josh
    Am 13. April 2012 um 13:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das hat in großen Teilen aber auch etwas mit der Zusammenstellung eines Kaders zu tun. In Gladbach sieht die um einiges besser aus, und sie haben mit Reus und Dante zwei Ausnahmespieler in ihren Reihen. Bei uns sind eben gar keine, ausser ein paar Alleinunterhalter, die alle 8 Spiele mal einen guten Tag haben. Hannover hat eine gute Harmonie im gesamten Gefüge.

    Bei uns ist komplette Schieflage angesagt. Vorne trifft keiner ein Scheunentor und hinten gibt es immer wieder diese Totalaussetzer. Das zusammen bringt fast jedem Spiel eine negative Dynamik bei, selbst wenn wir gut spielen. Natürlich kann man durch taktische Schulung vieles herausreissen, aber gerade im direkten Vergleich mit dem Superhirnli, haben wir doch eigentlich gut ausgesehen und waren eigentlich besser als Gladbach in den letzten beiden Spielen.

    Die Situation ist nun mal wie sie ist, und Rehhagel bleibt bis zum Ende.
    Immerhin haben wir einen Trainer und in Köln brennt gerade alles ab was abzubrennen ist, und die sollte man auf jeden Fall hinter sich lassen können.
    Auch mit Rehhagel oder Peter Neururer als Trainer.
    Dafür braucht man einfach nur die richtige Arschtreter-Mentalität und nicht solch mimosenhafte Auftritte

  4. Oliver
    Am 13. April 2012 um 17:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Endlich ein Lebenszeichen hier, ich dachte schon, der Kopf wird in den Sand gesteckt und den anderen kampflos der Relegations-bzw. Nicht-Abstiegsplatz überlassen. Als ewiger Optitimist glaube ich natürlich noch an ein Einbrechen einer anderen Mannschaft. Der HSV wäre einfach mal dran, wär doch gerecht und so wie Torsten Fink auftritt, halte ich das durchaus für möglich. Tretschok und Covic haben leider wirklich nicht überzeugt, da muß jetzt eben Otto zeigen, daß ihm sein Engagement bei Hertha wirklich am Herzen liegt und daß er seine Karriere nicht mit einem Abstieg bei seinem ersten Bundesliga-Verein beenden will. Otto „kann“ Wunder, jetzt wird es langsam Zeit dafür.
    Außerdem: Man hat gesehen, wie gut eingestellt auch diese unsere Hertha-Mannschaft sein kann, wenn sie ein Trainer mit Ahnung wie Rainer Widmayer im Pokalspiel gegen Kaiserslautern anleitet. Die fußballerische Qualität ist durchaus vorhanden, hätte es die Causa Babbel nicht gegeben und er hätte die Mannschaft, nur mal hypothetisch, unter Bedingungen der Hinrunde weitertrainiert, hätte man schon dort ca. 26 Punkte holen können. In der Rückrunde nochmal, und man hätte sogar zu den Europapokal-Anwärtern gehört. Ja, diese Mannschaft hätte das schaffen können. Hilft jetzt alles nichts, aber ein guter Trainer macht fast alles aus. Man muß nur mal gucken, was für Leute unter Favre regelmäßig gespielt haben und fast einen Champions-League-Platz geholt hätten, z.B. Stein oder Nicu und wo die heute spielen. Da kann man nur hoffen, daß es Otto nochmal aus sich rausholen kann.

    • Daniel
      Am 13. April 2012 um 18:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich hab’s zuletzt aus unterschiedlichen Gründen leider nicht geschafft. Aber das Handtuch werd ich auch in Liga 2 nicht werfen oder wenns irgendwann noch weiter runtergehen sollte (da wird’s dann nur
      problematisch mit dem Schauen der Livespiele…)

      • Oliver
        Am 13. April 2012 um 21:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Unter Funkel habe ich mit meinem Optimismus falsch gelegen, aber da war der Abstand viel größer, jetzt habe ich die Hoffnung, daß ein Trainer wie Otto Rehagel, der bei seinen Erfolgen definitiv mehr drauf haben muß als Funkel, das irgendwie noch mal rausholt, auch wenn er er gefühlte 80 Jahre alt ist. Obwohl, so alt wie Lattek in Dortmund damals wirkt er nicht. Und daß alle behaupten, daß Tretschok und Covic die eigentlichen Trainer sind und Rehagel nur für das Reden da ist, will ich auch nicht glauben.
        Jedenfalls müssen Bekenntnisse her, das ist gut, Daniel, das erzählen ja auch schon wieder alle, daß Hertha dann nie mehr aus der zweiten Liga hochkommt. Also nochmals danke für den Artikel heute, ich hätte am Dienstag abend auch am liebsten den Kopf in den Sand gesteckt. Jetzt geht es wieder besser, morgen geht es ja auch schon weiter.

  5. Oliver
    Am 13. April 2012 um 17:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schöner Freud´scher Verschreiber: Ich wollte natürlich „Optimist“ schreiben, aber habe vielleicht an erfreulichere Dinge als einen Abstieg gedacht. Ja, Hertha schafft es, Leute, glaubt dran, wir schenken das nicht weg !!

  6. tztz
    Am 14. April 2012 um 10:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich glaube ehrlich gesagt leider nicht an den Klassenerhalt! Natürlich freu ich mich wenn sie es doch schaffen sollten – die Hoffnung stirbt zuletzt wie man weiß…. Sollte hertha absteigen und Preetz, Gegenbauer und co. nicht zurücktreten und damit die Verantwortung übernehmen, dann werde ich aus dem Verein austreten und ich kenne einige andere Mitglieder die das auch tun werden. Preetz macht mich einfach nur noch wütend. allein schon das der auf der Trainerbank sitzt, was hat der da zu suchen???? das frag ich mich bei dem schon von Anfang an! Vom Sportgeschäft hat er jedenfalls Null komma Null Ahnung mit seiner Einkaufspolitik hat er das gezeigt.

  7. Anonymous
    Am 14. April 2012 um 13:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

    1. Kaderzusammenstellung !
    Ich kann Menschen/Spieler über 20 ihre Art/Ihren Typ nicht wirklich vorwerfen. Ich muss aber von Vereinsverantwortlichen erwarten, dass sie eine richtige Mischung aus guten (und ggf. sensiblen) Spielern zusammenstellen und soliden extrovertierten Typen (die keine Egomanen sind). Ist doch bei Hertha schon ewig so, dass man auf dem Platz Typen vermisst, die – wenns sein muss – ihre Mannschaft im positiven Sinne „anschnautzen“ und mitreißen.

    2. Klassenerhalt ?
    Sehe es auch so: Nur wenn Hertha gegen FCK gewinnt und der 1. FC Köln max. noch einen Punkt holt, hat Hertha noch Chancen auf den Klassenerhalt – über die Regelagtion (Achtung: Entscheidungsspiel / Nervenstärke erforderlich). An einen Wandel dem Grunde nach glaube ich bis Sommer jetzt nicht mehr. Das heißt für mich auch klar, dass Rehhagel nicht wirklich funktioniert hat. Obwohl ich die Skibbe-Geschichte unverändert für den entscheidenden Negativfaktor in dieser Saison halte, muss man sich erinnern, dass gegen Hannover und Gladbach da auch ordentliche Spiele gezeigt wurden, die man unglücklich bzw. wg. Doofheit verloren hat. Damals keine Konstanz, jetzt keine Konstanz …

    Wenns am Ende nicht reicht, kann man historisch mal nachforschen, ob es in der BL einem anderen Verein schonmal gelungen ist, in 3 Jahren zweimal mit einem eigentlich ligatauglichen Kader abzusteigen!