Unbefriedigt zufrieden

Unentschieden. Und dann auch noch torlos. Das ist so unbefriedigend, dass man sich danach sogar die Zusammenfassungen der anderen Zweitliga-Spiele angucken musste. Um sich daran zu erinnern, warum man dieses Spiel so liebt. Denn die eineinhalb Stunden Hertha gegen Ingolstadt waren Fußball zum Abgewöhnen.

Ich stelle mir dann immer vor, wie es Vätern gehen muss, die tolle Fußballabende in Berlin miterlebt haben und jetzt versuchen, den eigenen Nachwuchs für Hertha oder allgemein für Fußball zu begeistert. Und dann sehen die Kids ein 0:0 gegen Ingolstadt – und wollen in der nächsten Woche doch lieber wieder zum Basketball.

Wobei es ja schon ein stückweit Schwarzmalerei ist, nach zwei Unentschieden und zuvor acht unbesiegten Spielen jetzt von einer Art Krise zu sprechen. Wenn Eintracht Braunschweig nicht diesen unglaublichen Lauf hätte, über den sie dort selbst überrascht sind, wäre Hertha (Stand Samstag) Tabellenführer und ist auch deshalb deutlich im Soll. Zur Erinnerung: Bevor Jos Luhukay nach Berlin kam, waren die Wolken über dem Olympiastadion so dunkel wie die Haare des Chef-Trainers.

Und wenn man sich dann die Aufstellung vom Spiel gegen Ingolstadt anschaut, dann tauchen dort mit Fabian Holland, John Brooks, Nico Schulz  und auch Sandro Wagner junge Spieler auf, mit denen man vor dieser Saison nicht unbedingt in der Startelf gerechnet hätte. Mit der ersten Auswechslung brachte Luhukay einen 17-Jährigen. Der Trainer schafft bisher beides: Jungen Spielern aus der eigenen Jugend eine Chance zu geben – und trotzdem in der Tabelle oben dabei zu sein. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Dass Änis Ben-Hatira seit dem 2:0-Sieg in Bochum verletzt ausfällt (auch wenn er dort schon in der Halbzeit ausgewechselt werden musste, als es noch 0:0 stand), tut der Mannschaft weh. Denn die Ideen von Ronny fallen nur tröpfchenweise, seine Schüsse können auch nicht immer reingehen und die langen Bälle auf Sandro Wagner sind halt auch sehr ausrechenbar. Da braucht es ab und zu die manchmal etwas egoistisch anmutenden Dribblings der Ur-Berliners. Es ist die Mischung aus diesen drei Möglichkeiten, die Herthas Offensive ausmacht. Fehlt eine (und nimmt sich Ronny Auszeiten), dann kommt so ein Spiel wie gegen Ingolstadt oder die ersten 70 Minuten gegen Braunschweig dabei heraus.

Es bleibt aber trotzdem festzuhalten und hervorzuheben, dass Hertha diese Spiele natürlich auch hätte verlieren können. Es ist unattraktiv – man könnte auch sagen hässlich – aber es ist nicht unerfolgreich – man könnte auch sagen: Es bringt Punkte. Und die könnten am Ende irgendwann einmal wichtig sein.

Auch wenn es mich nervt, wenn so ein Spiel wie gegen Ingolstadt dann nur 0:0 ausgeht und ich mit einem total unbefriedigendem Gefühl ins Wochenende gehe und mir Sorgen um den Fan-Nachwuchs mache, der durch so ein Drecksspiel abgeschreckt wird – nach zwölf Spielen bin ich insgesamt sehr zufrieden mit den Auftritten der Mannschaft.

Aber klar: Gegen Sandhausen nächste Woche darf es dann schon ein bisschen mehr sein.

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3 Kommentare

  1. boRp
    Erstellt am 5. November 2012 um 14:59 | Permanent-Link

    Ich fand im Stadion das Spiel nicht sooo grässlich. Ingolstadt hatte für mich nur 10-15 Minuten, in denen auch offensiv etwas stattfand (Danke, Kraft und Latte), Hertha hätte selber in 3 Situationen treffen können/müssen – wer übrigens bei uns früher einen Heber versuchte, musste sofort 20 Liegestütz drücken (selbst bei Erfolg)… Insgesamt jedoch fehlte Hertha der Zug zum Tor. Ich selber gucke nicht auf die Tabelle, sondern nur auf die Punkteausbeute. Wenn ich mich recht entsinne, reichen 67 Punkte in 90% aller Saisons für den 2. Platz – ergo eine Punkteausbeute von 2 pro Spiel. Solange Hertha diesem Schnitt so nah ist, wie jetzt, ist mir alles recht – denn in die erste Liga werden die Söhne wieder mitkommen!

  2. Joel
    Erstellt am 13. November 2012 um 19:42 | Permanent-Link

    Aber klar: Gegen Sandhausen nächste Woche darf es dann schon ein bisschen mehr sein.

    Und so wurde es auch :-)

  3. Oliver
    Erstellt am 15. November 2012 um 13:13 | Permanent-Link

    Alex Alves. Das ist echt traurig. War ne tolle Zeit mit dir, Alex, von den schönsten Toren wird gar nicht gesprochen, immer nur das Köln-Tor. Da waren viele andere geniale Tore und er wurde trotzdem so schlecht gemacht. Ich hoffe, ihr schafft es, einen Nachruf zu schreiben. Vielen Dank schon mal dafür.

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