Und keiner sagt was

Ich freue mich – gerade auch vor dem Hintergrund, dass ich es bisher einfach nicht selbst geschafft habe – euch den Gastbeitrag zum HSV-Spiel von Exilberliner Bob präsentieren zu dürfen. Ich selbst versuche mir schon seit drei, vier Tagen darüber klar zu werden, wie ich diese bescheuerte „Affäre“ bewerten sollte. Das Problem ist: das blockiert meine Gedanken. Der Vorteil ist: ich kann mir ungefähr vorstellen, wie es der Hertha-Führung geht. Ich glaube schon, dass vieles von dem, was im Boulevard geschildert wird, wirklich passiert ist. Ich glaube aber nicht, dass das eine „Hertha-Affäre“ ist, sondern eine „Neureiche-leben-in-einer-Parallelwelt-in-der-für-sie-keine-Regeln-gelten“-Affäre. Ob man darüber berichten muss, ist eine ganz andere Frage. Das Ganze hat so viel mehr Ebenen, die alles in allem – meine ich – eigentlich so wenig mit Hertha zu tun haben. Aber alles, was man als Herthaner dazu schreibt, könnte als Rechtfertigung verstanden werden. Und die ist hier – meine ich – vom Verein oder Fans nicht notwendig. Deshalb führe ich das hier auch nicht weiter aus.

In jedem Fall, Bob, Danke fürs Einschicken! Würde mich freuen, wenn ihr ihm in den Kommentaren euer Feedback da lasst. Los geht’s!

Und keiner sagt was

Nach dem „besten Bundesligastart der Geschichte“ der Hertha (was ein Unsinn nach drei Spielen) freut mich besonders eins: Es bemerkt keiner. Wie schon vorher hier erläutert wissen die Fans und Interessierten quer durch Fußball-Deutschland immer noch nicht, was bei der Hertha so passiert. Ein (schmieriger) Versuch seitens des Berliner Boulevards, Hertha in die Schlagzeilen zu hieven wurde vom Management souverän geblockt. Wer hätte gedacht, dass man Herrn Preetz jemals mit diesem Attribut beschreiben können würde.

Aber auch so wird in den bekannten Medien (meine Lesebeispiele waren der Spiegel, der Kicker und Sport1) lieber über die „Krise“ (nochmal: was ein Unsinn nach drei Spielen) beim HSV gelästert, als zu erörtern, was bei Hertha richtig läuft.

Und das ist auch gut so.

Ich schätze persönlich, dass Hertha zum ersten mal in ihrer Bundesligageschichte wirklich zehn Spieltage Zeit bekommt, bis ernsthaft Zwischenbilanz gezogen wird. Bis dahin darf Jos Luhukay von Spieltag zu Spieltag denken, planen und handeln. Wenngleich der Sieg ohne ein paar herausragende Einzelleistungen (Krafts schnelle Rechte, Schuuuulz sprintet von der Mittellinie in den Strafraum) nicht zustande gekommen wäre, – das ist Fußball – so ist doch deutlich, wie geplant der Sieg im Nachhinein wirkt.

Das Einwechseln von Niemeyer und Ronny; das eine eine deutliche Stabilisierung der Innenverteidigung, das andere ein gnadenloses Ausnutzen der Drangphase der Hamburger. Die Aufstellung von Schulz. Die manchmal etwas planlosen, aber eben auch manchmal brandgefährlichen langen Bälle. Dennoch ist Hertha weiterhin unterm Radar der landesweiten Berichterstattung.

Und was noch viel faszinierender ist: Auch unter dem der lokalen.

Hier wird – oh mein Gott – tatsächlich nur der Spielverlauf geschildert, ohne die Punktezahl gleich auf 34 Spieltage hochzurechnen. Und tatsächlich bleibt der Effekt nicht aus. Ich schaue Hertha im Moment aus dem badischen Exil. Und als Schulz am Samstag durchsprintete und Ramos seinen Fuß hinhielt, sprang das ganze Etablissement auf und jubelte, ob Schweizer, Badener, Sachsen, Exilberliner oder Schwaben. Vielleicht stehen ja doch mehr Menschen auf alte Damen, als man glauben mag.

Zumindest, solange die Damen nicht immer gleich hysterisch werden.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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4 Kommentare

  1. Natalie
    Am 26. August 2013 um 19:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für den schönen Gastbeitrag. Kurz und treffend!
    Zu der Boulevard-Kampagne ist zu sagen, daß da eben doch ziemlich viel erfunden ist. Und mir geht es hier inzwischen so, daß ich mich manchmal frage, was genau eigentlich die Affäre ist?? Unser Trainer hat im Vorfeld so manches mal der Presse einen Riegel vorgeschoben, vielleicht muß man das ganze als Muskelspiel der B.Z. mit schlimmsten Folgen bewerten. Und die spritzen Ihr Gift weiter, wenn man sie läßt. Hoffen wir, daß Hertha das unbeschadet übersteht (und die Mädels, die sich da verheizen lassen), damit der Blick für die tolle sportliche Entwicklung frei ist.
    Ha Ho He

    • Daniel
      Am 26. August 2013 um 20:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hallo Natalie,

      kurz zur Erklärung warum ich glaube, dass so etwas stattfindet: Ich bin ja selbst „erst“ Ende 20, ich spiele selbst Fußball und ich weiß, wie Jungs so reden und was sie so tun, wenn sie Single sind. Die Dynamik in einer Fußball-Mannschaft kann sehr sehr stark wirken. Der Unterschied ist einzig und allein der, dass bei uns keiner berühmt und reich ist (soweit ich weiß ;-) ). Deshalb kann ich mir eben sehr gut vorstellen, dass das bei Profi-Fußballern, die jung sind, die manchmal eben auch einfach dumm und naiv sind und noch dazu reich und berühmt, eben in sehr ausgeprägter und verschärfter Form auch so ist. Ob das nun bei Hertha so war oder nicht, ist dabei eigentlich egal. Es findet statt, ich glaube überall wo junge Männer viel Geld verdienen, ihnen langweilig ist (und wo es Frauen gibt, die es toll finden, von ihnen begehrt zu werden). Dass Bilder oder Videos von (Ex-)Freundinnen ins Netz gestellt werden, passiert aber ja nicht nur in „solchen“ Kreisen. Da schreibt nur niemand drüber, weil es a) peinlich und b) privat ist.

      Was sind nun die Folgen? Im schlechtesten Fall belastet es die Spieler so sehr, dass sie die Fokussierung verlieren. Im besten Fall denken sie drüber nach, ob das alles so ok ist. Fakt ist: Die Spieler haben sich rechtlich nichts vorzuwerfen. Die Berichterstattung ist deshalb eine Farce. So wie es immer ist, wenn eine Boulevard-Zeitung auf rein moralischer Ebene („Spieler haben eine Vorbildfunktion…“) argumentiert.

      Hmmm….jetzt hab ich mich doch dazu geäußert ;-)

  2. Am 26. August 2013 um 19:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kurz, prägnant, knackig! Danke für den schönen Gastbeitrag, gerne öfter …

  3. Halblinks
    Am 27. August 2013 um 12:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich finde derzeit vieles bemerkenswert, was bei Hertha abgeht. Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass diese unbekannt gelassene Seriösität, die auch vom Management an den Tag gelegt wird eine neue Qualität ist. Man ist garnicht scharf darauf, dass man überregional irgendwie bei irgendwem auf dem Radar ist.
    Man vermittelt vielmehr das Gefühl, dass das Zusammenstehen oder -rücken oberstes Gebot ist. Und tatsächlich ist es wohl auch gerade das, was der Mannschaft die nötige Ruhe, Rückendeckung und Gelassenheit vermittelt, die unbedingt nötig ist, um als Aufsteiger einen gelungenen Saisonstart hinzulegen.
    Mir ist auch klar, dass das nicht endlos so weitergehen wird, aber im Moment ist es höchst respektabel, wie Mannschaft und Verein arbeiten. Sollte der Verein diesen „Lolita-Murcks“ tatsächlich so umschiffen können, dann stünde die Zeitung (nee, sind sie ja eigentlich nicht), die das „erarbeitet“ hat, ziemlich dämlich da und wird sich hoffentlich beim nächsten Versuch dreimal überlegen, ob man mit plumpen Methoden aktiv versuchen will, das Gebilde „erfolgreiche Hertha“ zu beschädigen oder auch nur zu besudeln. Ansonsten bin ich (ohne irgendwelche Detailkenntnisse, weil mich solche Privatangelegenheiten überhaupt nicht interessieren) bei Daniel in der Einschätzung, wo und wie sowas in unserer Gesellschaft herkommt oder passiert.