Ungehörte Stimmen der Vergangenheit

Sportliche Krisen haben auch ihre unterhaltsamen Seiten. Läuft es für einen Verein erst einmal schlecht, dann dauert es nicht lange, bis sich die Ehemaligen zu Wort melden und reichlich gute Ratschläge parat haben. Kritisieren und Profilieren funktioniert halt nur in Krisenzeiten. Im Erfolgsfall lässt sich ja nur feststellen, dass man das genauso machen würde. Aber in der Krise kann der Ehemalige seine gesammelte Sachkompetenz einbringen und allen erklären, wie es besser laufen müsste.

Aktuell meldet sich Micheal Sziedat in der Berliner Fußball-Woche zu Wort und weiß auf ganzer Linie zu brillieren:

Einen Großteil hat Dieter Hoeneß zu verantworten. Er hat die Strukturen ganz auf sich zugeschnitten und keine weitere sportliche Kompetenz eingebaut. (…) Ich habe mir auch mehr von Funkel versprochen, bin sehr enttäuscht. Präsident Gegenbauer fehlt schlicht die sportliche Kompetenz, Michael Preetz scheint mit der Situation total überfordert zu sein. Im Grunde müsste sofort eine Mitgliederversammlung einberufen werden.

Eine Mitgliederversammlung! Wirklich! Ist das nicht putzig? Was passiert denn auf dieser Art von Versammlungen? Im Vorfeld wird viel heiße Luft produziert. Und dann passiert doch wieder nichts. Eine herrliche Idee, wirklich! Michael Sziedat hat aber gewisse Hintergedanken:

Ich würde mich nicht verweigern. Aber fragen Sie mal Hanne Weiner, der war mal dabei. Wenn er etwas einbringen wollte, war schon alles entschieden. Das war damals die alte Hoeneß-Schule. Zunächst müsste eine Bestandsanalyse gemacht werden, angefangen beim Internat. Da werden Millionen ausgegeben, aber es kommt nichts bei raus. Alles müsste hinterfragt werden.

Ist schon klar. Alles hinterfragen und so. Das macht sich immer gut, wenn man keine Verantwortung trägt. Muss man aber selbst entscheiden, würde die Sache sicherlich anders aussehen, weil man eben nicht immer alles in Frage stellen kann. Sonst wäre ziemlich schnell nur noch ziemlich wenig übrig. Fragt man Michael Sziedat nach seinen konkreten Handlungsvorschlägen für die zweite Liga, wird es richtig unterhaltsam:

Im Falle des Abstiegs müsste ein Gerippe an Spielern bestehen bleiben. Ich würde versuchen, Drobny, Hubnik, Raffael, Ramos und Gekas zu halten. Dazu gestandene Zweitligaspieler, die wissen, worauf es ankommt.

Diese Einschätzung entbehrt jeglicher finanzieller Grundlage. Zu diesem Schluss würde sogar Dieter Hoeneß kommen! Da muss man sich ja gar nicht wundern, wenn die guten Ratschläge der Ehemaligen in der Regel ungehört verpuffen. Da bleibt einem nur zu sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, bzw. Sziedat bleib in deinen Frisörsalons oder in der Kneipe. Danke.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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13 Kommentare

  1. Tanja*
    Am 23. März 2010 um 17:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ehrlich gesagt finde ich das nicht komisch, bis auf vielleicht die Vorstellung, wer in der 2. Liga gehalten werden soll, die werden sich doch fast alle neue Vereine suchen so schnell es geht.
    Aber vom Prinzip her hat er doch Recht.
    (Sicherlich wurde er von der FuWo um ein Interview gebeten oder hat er sich selber zu Wort gemeldet und ich hab das übersehen, dann sorry!)
    Das Interwiev zeigt mir, dass auch ehemalige Spieler eben mit Herzblut an Hertha hängen und sich Gedanken machen.
    Vielleicht treten ja doch Leute auf den Plan, die Ahnung haben und Verantwortung übernehmen. Das schürt bei mir eher Hoffnung für Hertha… ein Glück…

    • Felix Felix
      Am 23. März 2010 um 17:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Tanja*, als ich den Artikel von Enno gelesen habe musste ich sofort an dich denken. :)

      • Tanja*
        Am 23. März 2010 um 18:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

        *grins* warum bloß Felix ;o)

    • dns
      Am 23. März 2010 um 21:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Nunja, das sind die Sätze, die Ehemalige so sagen. Eigentlich ist es nur ne Zusammenfassung der Schlagzeilen in B.Z. und Bild. Viel „Gedanken machen“ ist da in meinen Augen nicht dran.
      Die einzigen Gedanken, die neu sind, sind die, dass gerade diese 5 Spieler in der 2. Liga zu halten sein könnten. Dabei sind gerade das die Kandidaten, die als erstes die Füße in die Hand nehmen und noch Kohle bringen könnten.
      Mal schauen, wann der erste vorschlägt, z.B. mal Iniesta anzufragen. Wenn man ein wenig zusammenlegt, würde der sicher auch noch 2. Liga zu akzeptablen Konditionen mitmachen.

  2. morix
    Am 23. März 2010 um 20:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was für ein Unsinn eine MV wird ohne Alternativen nicht anders entscheiden als bei der letzten. Nur noch mehr Störenfriede werden kommen und das ganze zieht sich noch länger hin als es ohnehin schon tut. Ich kann also nur an jedes Mitglied appellieren zur normalen MV zu kommen und unseren Verein am Ende nicht kopflos da stehen zu lassen, denn das wäre sicher der Weg in die Kreisklasse.

  3. Am 23. März 2010 um 22:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gojo Kacar muss gehalten werden. Dafür schlachte ich mein Sparschwein!!!

  4. Süven
    Am 24. März 2010 um 12:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gojko kann, grad bei guter WM, dringendst notwendige Kohle bringen, Raffael genauso, für Arne zahlt hoffentlich Atze Dieter sinnlos viel Geld, Drobnys Vertrag läuft aus, die geliehenen Spieler bleiben nicht. Schlüsselspieler, die wir uns mindestens noch ein Zweitligajahr leisten könnten sind meiner Meinung nach Ramos und Lusti!
    Als neuen Torwart fände ich Tremmel am sinnvollsten, wenn der nochmal unseren jetzigen megaunsympathischen Torwarttrainer klarkommen sollte.
    (Fiedlerphobie ist n ernstes Problem, ich weiss wovon ich rede)

    Das nach der Weddinger Pöbelconnection um die Brüder Boateng so gar keiner mehr oben angeklopft hat ist allerdings ganz schön deprimierend.

    Wie sieht eigentlich Hubniks Vertragssituation aus, den halten zu können wär super!

  5. Felix Felix
    Am 24. März 2010 um 13:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Eine weitere ungehörte Stimme der Vergangenheit: http://www.transfermarkt.tv/de/uebersicht/376/uebersicht/video/uebersicht/autostart/videoAnzeigen.html

    Allez Zecke Neuendorf allez, allez!

  6. kielerblauweiß
    Am 24. März 2010 um 15:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Ich denke blauweiß“
    Für immer Zecke !!!

  7. Felix Felix
    Am 24. März 2010 um 17:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Eine Stimme aus der Gegenwart hat soeben gesprochen: Hertha BSC darf für das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart nur 25.000 karten verkaufen. Für die Ostkurve wird es zu diesem Spiel keine Karten geben. Oben drauf kommen noch 50.000 Euro Strafe.

    So ein Bullshit! Was sind das nur für Chaoten da im DFB?

    • kielerblauweiß
      Am 24. März 2010 um 18:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Und genau zu dem Spiel wollte ich mal wieder nach Berlin –
      na herzlichen Dank!

  8. Am 24. März 2010 um 18:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Als Nichtberliner mal vorweg: Wer ist Michael Sziedat?

    Davon abgesehen, dass wir mit geschwätzigen Ehemaligen und komischen Strafen ähnliche Ärgernisse haben (ok, unsere Ärgernisse sind noch ein wenig kleiner als Eure). Als Overath bei uns Präsident wurde, hat er auch viel von „Alles muss hinterfragt werden“ erzählt. Dann haben ihm die Geschäftsführer Rettig und Horstmann ein wenig über Führung und Finanzen eines Fußballvereins erzählt und er ist ziemlich kleinlaut aus dem Gespräch wieder herausgekommen.

    • Enno Enno
      Am 25. März 2010 um 07:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Michael Sziedat war bis zum vorvergangenen Wochenende Rekord-Bundesliga-Spieler für Hertha BSC (280 Spiele). Nun hat Pal Dardai diese Marke geknackt.

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