Unglück Ungerechtigkeit Unvermögen

Sports News - March 07, 2010
In der letzten Woche hatte Friedhelm Funkel noch gut reden. Schließlich konnte er behaupten, er habe Hertha ein gutes Stück näher an Platz 15 und 16 heran geführt. Es waren vor diesem Wochenende ja tatsächlich nur noch ein paar Punkte bis man Hannover, Nürnberg und Freiburg eingeholt hätte. Allerdings hat Friedhelm Funkel hier auf geschickte Weisen die Tatsachen verdreht. Immerhin hat Hertha in der Rückrunde alles andere als überzeugend und schon gar nicht erfolgreich gespielt. Dennoch reichten die paar mickrigen Punkte aus, um sich langsam aber sicher an das Trio heranzuschleichen. Aber das war weniger der Verdienst von Hertha. Vielmehr war diese Konstellation – ich weiß, ich wiederhole mich – ein Resultat, das sich aus der Schwäche der direkten Konkurrenten ergab.

Nun dürften Funkel auch in dieser Frage die letzten Argumente ausgegangen sein. Hertha spielte gegen den HSV zwar nicht sonderlich schlecht, konnte sich aber dennoch nicht durchsetzen. Oben auf dem Foto sieht man die Stürmer, die Hertha eingekauft hat, um dem Gegner das fürchten zu lehren. Stattdessen hocken sie gemeinsam auf der Ersatzbank und gucken dämlich aus der Wäsche. Furcht und Schrecken verbreiten Domovchiyski, Gekas und Wichniarek jedenfalls nicht.

Gestern zeigte sich gegen den HSV einmal mehr, dass bei Hertha in dieser Saison einfach nichts zusammengehen will. Über einen längeren Zeitraum gesehen ist es doch so: Erst spielt man über immer und immer wieder schlecht. Dann reißt man sich zusammen, spielt einmal wieder überzeugend und verliert dennoch. Das ist furchtbar deprimierend. Erst hat man kein Glück und dann kommt halt auch noch Pech dazu. Die geradezu paradigmatische Wende für einen Verein, der sich in der Abstiegsspirale befindet. Unglück, Ungerechtigkeit oder Unvermögen? Ich wüsste das nicht mit abschließender Sicherheit zu beantworten. Wahrscheinlich ist es eine fiese Mischung aus allen dreien.


Was den Abstiegskampfquotienten angeht, sieht man nun auch recht deutlich, dass Hertha sich ziemlich genau in der Situation wiederfindet, von der aus sie in der Rückrunde gestartet ist. Natürlich kann man jetzt sagen, es seien ja nur fünf Punkte bis zu einem Nichtabstiegsplatz und vor dem achtzehnten Spieltag wären es ja immerhin noch neun Punkte gewesen. Aber es sind jetzt eben nur noch neun Spieltage, an denen Punkte vergeben werden. Um noch auf den Relegationsplatz zu springen, müsste Hertha nun jedes zweite Spiel gewinnen. Eine zu große Hürde?

Es hat nichts mit fehlender Hoffnung oder vorzeitiger Aufgabe zu tun, wenn ich nun schreibe, dass ich mir einen erfolgreichen Sprung nicht vorstellen kann. Was Hertha uns nun schon seit Wochen als vermeintlichen Abstiegskampf präsentiert, lässt doch nur einen Schluss zu: Hertha steckt in einer Jauchegrube aus Unglück, Ungerechtigkeit und Unvermögen. Und mit soviel Scheiße am Fuß, wird noch die kleinste Hürde zum unüberwindbaren Hindernis.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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14 Kommentare

  1. Am 7. März 2010 um 18:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mal in meiner Eigenschaft als Mitleidender im Abstiegskampf eine Frage, wo du denn die „Ungerechtigkeit“ siehst? Wir beim Club können wenigstens auf eine ziemlich bittere „Wahre Tabelle“ http://www.wahretabelle.de/wahretabelle/wahre-tabelle.php verweisen. Da hätten wir jetzt 7 Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

    • Felix Felix
      Am 7. März 2010 um 18:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Meiner Meinung nach ist das größte Problem der wahren Tabelle, dass sie den weiteren Spielverlauf nach einer Fehlentscheidung nicht simulieren kann.
      Wenn am Ende ein 2:0 Rückstand zustande kommt, weil die benachteiligte Mannschaft alles riskiert, um sich einen Punkt zu holen, dann sagt das Ergebnis der „wahren“ Tabelle herzlich wenig aus.

      • Am 7. März 2010 um 18:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Sehe ich genau so. Es war nur ein Beispiel eines der wenigen in der Regel herangezogenen Belege für „Ungerechtigkeiten“. Wo die bei der Hertha stecken, wie im Titel des Artikels angekündigt, weiß ich aber immer noch nicht.

    • Enno Enno
      Am 7. März 2010 um 18:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mit „Ungerechtigkeit“ greife ich die Diskussion auf, die Felix gestern nach dem HSV-Spiel angestoßen hat und dabei auf viele Fehlentscheidungen des Schiedsrichters eingegangen ist: http://www.hertha-blog.de/13-gegen-11.html

      Mir fällt gerade auf, dass ich den Bezug nicht durch eine Verlinkung deutlich hervor gestellt habe.

      Mit „Ungerechtigkeit“ meine ich auch weniger ganz konkrete Fehlentscheidungen, sondern eher die übergeordnete Schicksalhaftigkeit, die uns diese Saison – vor allem im Kontrast zur vergangenen – widerfährt. Das ist weder nur Unglück, noch reines Unvermögen, sondern halt auch Ungerechtigkeit.

      • Am 7. März 2010 um 18:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ah ok, jetzt wird es mir klarer.

        Aber könnte es nicht einfach so sein, dass die Hertha mindestens 1 Jahr auf zu großem Fuß gelebt hat und nun die Reißleine ziehen musste und dafür jetzt die Zeche zahlt? So nämlich sehe ich das als Beobachter aus der Ferne und auch mal ganz ohne Club-Brille als reiner Fußball-Beobachter. Und das wäre dann man gar nicht „ungerecht“, im Gegenteil…

        • Enno Enno
          Am 7. März 2010 um 18:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Ja, schon. Aber aus meiner ganz subjektiven Fan-Perspektive ist das natürlich trotzdem ungerecht. Schließlich sehe ich meine Hertha mindestens auf Platz vier. Vielleicht müsste man von subjektiver Ungerechtigkeit sprechen, um deutlicher zu fassen, was ich meine.

          • Felix Felix
            Am 7. März 2010 um 18:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Ich kann keine subjektive Ungerechtigkeit erkennen.
            Es ging mir im Artikel übrigens nicht nur um die Schiedsrichter sondern auch um knappe Situationen, die genauso gut auch anders hätten laufen können. Raffael gegen Hoffenheim nach 40 Sekunden mit einem Pass auf Gekas. Oder Ramos gestern mit seinem Lattenschuss. Wenn der nur ein paar Zentimeter tiefer fliegt, isses ein Tor und es wäre vielleicht anders gelaufen – völlig unabhängig vom Schiedsrichter.

            Hertha schafft in dieser Saison aus wenig noch weniger als ihr zusteht. Das Heimspiel gegen den FC Köln oder das Auswärtsspiel gegen Mainz sind beste Beispiele.

        • dns
          Am 7. März 2010 um 19:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Wenn das letzte Jahr ein gemeiner Ausreisser nach oben war, wäre in diesem Jahr Platz 15 gerecht, für Platz 18 hätte man letztes Jahr Meister werden müssen. :D

        • Daniel
          Am 7. März 2010 um 20:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Nein, Hertha hat nicht EIN Jahr auf zu großem Fuß gelebt, sondern viele Jahre. Der Witz ist nur, dass es nicht unbedingt das vergangene Jahr war – und ich deshalb dachte, dass wir auch mit Sparkurs zumindest mithalten könnten.

  2. Slongbo
    Am 8. März 2010 um 09:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ick seh det so:

    Habe mir HSV – Hertha angeschaut. Analyse klipp klar: Hertha gut gespielt – aber schlechte Mannschaft in Totale. Schießt keene Tore. Wird keene Tore mehr schießen. HSV war so schlecht, hätte jeda Jegner gewinnen können da. Dit is mal die Waheit! Gründe Hertha schlecht? Simpel! Hoeness jahrelang viel, viel Geld vaschleudert. Dann aber Favre bester Trainer je bei Hertha. Hat Mannschaft spielerisch uffgebaut, aber eine abschussjültige Schwäche hatte er doch: Konnte nicht mit Diven umjehen, die für Hertha in Zeit bis Mannschaft werden aba lebensnotwendig waren. Hatte auch mangelnde Motivationskraft, fehlte ihm Chuzpe. Und: Favre hat Buli unterschätzt (Grund 2) und Favre (Grund 3) hat machttechnisch versagt. Hätte Gegenbauer und Preetz magathmässig kaltstellen müssen, auch finanzmässig. Weiter in Jeschichte: Dann Hoeness geschasst und: Abstiegsgrund diese Saison: Management. Wollte sparen, hat Trainer Favre kaputtjespart (und dit zusammen mit Schwachstelle Diven: Hertha kaputt). Dann auch noch Simunic weg, und dann zu früh auch noch Trainer aufgegeben. Dazu: Mannschaft hat sich pubertär gegen Trainer gestellt, hätte man müssen kleine Manschaftsspielerbosse in kleine Ä… treten! Preetz war von Anfang an leida Versager. Hat keine Führngskraftqualität im Busen. Hat Mannschaft nicht einheizen können. Und leider ooch wahr: Nur Hoeness hätte Favre halten können. Dann Favre weg – und Funkel her. Konnte Mannschaft aba nichts beibringen. Dann Großeinkauf in Winterpause – Geld, das man hätte Favre geben müssen! Kein Drumherum! Millionen für Funkel, Abschied Favre, Hubnik, Kobi, Kringe hätten VOR Saison eingesetzt werden müssen! Jetzt klipp klar wird abgestiegen! Is schade für Baliner, is doof, nix mehr Fußball hier su sehen wird sein. Aba vamurkst ham det die Künstler selba!

  3. Felix Felix
    Am 8. März 2010 um 09:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Für mich ist Hertha noch nicht abgestiegen. Wenn es am nächsten Spieltag einen Sieg gibt ist alles noch drin. Das wären dann nur 3 Punkte auf Nürnberg (vielleicht 2 auf Freiburg + Hannover)! Bei einer Niederlage wäre das wohl die Vorentscheidung. Man soll zwar nie nie sagen, aber dann wurde gegen alle benachbarten Kellerkinder schon gespielt. Dann schien es ausweglos, aber noch ist es nicht so weit.

  4. bayr.Hertha Mitglied
    Am 8. März 2010 um 12:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es tut mir leid und in der Seele weh.
    Aber meine Hertha wird absteigen.
    man hat die Chance verpasst, letzten Donnertstag mit einem Trainerwechsel die letzte Möglichkeit zu nutzen.
    Mit so einem Sicherheitsfußball in unserer Situation wird man keine 10 Punkte mehr holen. Und die meisten Spieler juckts eh nicht.

    Das wars dann für die nächsten Jahre mit Erstligafußball in Berlin.
    Ich bin seit 25 Jahren Hertha Fan und hab mich hier in München desöfteren Hohn und Spott ausgesetzt. Aber jetzt wird es ganz ganz bitter.

  5. Mirko030
    Am 8. März 2010 um 20:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hertha ist für mich auf jedenfall abgestiegen. Und es gibt für mich an dieser Situation zwei Personen. Hoeneß und Favre. Der eine hat mit dem Geld von Hertha nur so um sich geschmissen, bis man sich nicht mal mehr ordentliche Stürmer leisten konnte (siehe Wichniarek – was sollte das) und der andere hat alle Führungsspieler vergrault, weil er niemand starkes in seiner Mannschaft dulden wollte. Es hätte ja mal jemand anderer Meinung sein können. Schaut euch doch einfach nur mal diese Mitläufer (allen voran der „Kapitän“) an. Wer waren denn die letzten Persönlichkeiten, die Hertha hatte und die sich für Hertha den A…. aufgerissen haben – Pante, Voronin und Simunic. Alle hat Herr Favre vergrault, weil er keine starken Spieler neben sich duldet.

    So nun Herr Hoeneß. Er hat Geld ausgegeben was wir nicht hatten und das auch noch auf Jahre hinaus. Wie lange sind die Rechte vergeben? Ich glaube bis 2015 oder so. Also auch keine Einnahmen mehr und mit dem Abstieg wird Hertha lange nicht mehr Bundesliga spielen.

    Achso da fällt mir noch ein: Warum investiert Hertha eigentlich Jahr für Jahr mehrere Millionen in den Nachwuchs wenn dieser sowieso keine Chance bekommt. Ichglaube nicht, dass es Zufall ist das der Nachwuchs woanders Stamm- und Nationalspieler wird. Sie sind halt gut ausgebildet bekommen aber von den Hertha-Trainern kein vertrauen. Der letzte der Vertrauen gegeben hat, war Hans Meyer (siehe Fathi und Chahed). Favre hat doch den jungen keine Chance gegeben, es sei denn er hat sie aus anderen Vereinen geholt. Herr Favre und Hertha hatten letztes Jahr verdammt viel Glück gehabt.

    Ich gebe es zu, dass ich zu Beginn der Saison dachte, dass Hertha zwischen 7 und 9 landet. Aber wenn ich ehrlich bin, kannte ich auch die Neueinkäufe (bis auf Wichniarek) nicht. Aber das man als Verein so schlecht einkauft hätte ich auch nicht gedacht.

    Naja mal sehen ob Hertha am WE gewinnt. Es wird wohl wenn denn der letzte Sieg in der Bundesliga für Jahre werden.

    HA HO HE Hertha BSC und ich werde der alten Dame auch in der zweiten Liga treubleiben. So wie seit mittlerweile 17 Jahren.

  6. Am 13. März 2010 um 23:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ui ui ui. Nach dem heutigen Spieltag wird’s aber gewaltig eng. Und ich wette mal dass der Vorfall heute, mit dem Haufen Halbstarker der da aufs Spielfeld gerannt ist, die Spieler in den nächsten Tagen vollends resignieren lässt.

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