Volltreffer von Niemeyer

Rene Miller vom Berliner Kurier hat ein Interview mit Peter Niemeyer geführt, das in weiten Teilen erwartbar belanglos bleibt. Belanglos, weil es eben um so wahnsinnig wichtige Themen geht wie Tattoos oder Partyfähigkeiten. Diese Themen gehören in die Bunte oder die Gala und sie sind in erster Linie ein Metier von Lothar Matthäus. Der, wie man weiß, immer einzigartig war und bleibt. Die meisten durchschnittlich Fußballinteressierten dürften diese vermeintlich persönlichen Themen nicht die Bohne interessieren, weil sie rein gar nichts mit Fußball zu tun haben. Erwartbar ist die Belanglosigkeit, weil Fußballreporter quer durch die Medienhäuser offenbar in den Interviews vergessen, dass sie über Sport berichten sollten, nicht über gesellschaftliche Unterhaltungsthemen.

Anyway, am Ende wird das Interview dann doch noch – wohl eher zufällig – interessant, weil Peter Niemeyer sich zutraut eine Meinung zu haben. (Dass es wiederum ungewöhnlich ist, dass Fußballer heutzutage im Gespräch mit Medienvertretern kaum* noch Meinungen präsentieren, ist wohl die Kehrseite der Medaille. Ich würde gegenüber einem Klatschreporter, der sich als Sportjournalist ausgibt, auch mit meiner Meinung hinter dem Berg halten…). Auf die Frage, was er bei Hertha ändern würde, wenn er es könnte, sagt Niemeyer:

Die Countdown-Uhr auf unserer Webseite würde ich abschalten. Das wirkt eher arrogant und spornt die Gegner noch mehr an. Aber vielleicht schalten wir die Uhr ja früher ab!

Volltreffer! Diese Uhr ist einfach nur megapeinlich. Klar kann und sollte Hertha BSC ein Anspruchsdenken in der zweiten Liga haben. Und Hertha sollte es auch offensiv kommunizieren, dass diese Saison nur eine Zwischenstation in der zweiten Liga ist. Aber die „wir-sind-der-FC-Bayern-der-zweiten-Liga“-Kampagne hat sich sportlich schon gerächt, wie Niemeyer feststellt. Darüber hinaus darf man Anspruchshaltung nicht mit Arroganz verwechseln, weil sich das eben auch auf das gesamte Image auswirkt. Die Ansprüche sollten nicht direkt in Form einer Uhr herausposaunt werden. Es gibt smartere Wege, die vielleicht auch mit dem Niedergang der letzten Saison kokettieren, die „Steh-auf“-Mentalität betonen und generell auf das Berliner Image anspielen, gerne viel zu wollen, viel zu können, aber auch viel falsch zu machen (und kein Geld zu haben)….

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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20 Kommentare

  1. Am 6. Januar 2011 um 11:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wow! Ich bin jetzt auch ein „Klatschreporter, der sich als Sportjournalist ausgibt“ ;)

    • Am 6. Januar 2011 um 14:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Nur noch eine Frage der Zeit, wann hier ein Artikel von dir in der Luft zerrissen wird :-P

    • Enno Enno
      Am 6. Januar 2011 um 15:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dazu unser Pressesprecher: „Wir nehmen keine Rücksicht auf Namen, wir schauen nur auf die Qualität!“

  2. Am 6. Januar 2011 um 11:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Dass es wiederum ungewöhnlich ist, dass Fußballer heutzutage im Gespräch mit Medienvertretern kaum noch Meinungen präsentieren…“

    Ich glaube, da hast du doppelt verneint und somit das Gegenteil von dem gesagt, was du wolltest, oder?

    Und zu dem Countdown auf der Homepage: Klar, kann man so oder so sehen. Ich finde auch, der hätte nicht sein müssen. Aber jetzt, wo er da ist, muss man auch dazu stehen und den nicht einfach rausnehmen.

    • Enno Enno
      Am 6. Januar 2011 um 12:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für den Hinweis. Wird korrigiert.

  3. Am 6. Januar 2011 um 12:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hätte ihn auch nicht rein gemacht, aber jetzt wo er mal drin ist find ich das gar nicht so schlecht. Es steht nicht explizit auf der Webseite es sei der „Aufstiegscountdown“, sondern einfach nur diese heruntertickende Uhr. Auf eine Pressefrage antwortete Preetz man könne das „so oder so sehen“. Es wird zum letzten Spieltag heruntergezählt, aber mit dem Aufstieg habe das nichts zu tun. Das Ziel sei es aber dennoch spätestens zum Ablauf der Uhr aufgestiegen zu sein. Logisch.

    Peinlicher als unseren Countdown finde ich da die „Seit xxx in der Bundesliga“-Uhr vom HSV. Sie suggeriert, dass es nicht mehr lange dauern würde mit dem Abstieg. Ich sah sie erstmals als Hamburg mitten im Abstiegskampft steckte so das sich der Gedanke förmlich aufdrängte.

  4. Enno Enno
    Am 6. Januar 2011 um 12:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Sicher kann man den Counter jetzt nicht mehr einfach runter nehmen. Und grundsätzlich ist das ja auch ein lustiges Gimmick. Aber es ist eine Nummer zu – ich weiß nicht – zu selbstbewusst.

  5. Daniel
    Am 6. Januar 2011 um 12:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Aaaaaaaaah, jetzt trauen sie sich bei Hertha endlich mal was zu und schon werden sie dafür kritisiert. Ich bin ganz ehrlich: Diesen Countdown auf die Seite zu stellen, finde ich nicht peinlich. Ich finde, das zeigt, dass Hertha endlich mal Eier hat. Sie wissen ganz genau, dass sie dafür auf die Fresse bekommen und sie alle auslachen, wenn das am Ende schief geht. Aber wenn nicht – und das hoffen wir alle – dann haben alle drüber gesprochen und müssen am Ende zähneknirschend eingestehen, dass Hertha recht hatte.

    Ich will mehr solche Aktionen.

    • Enno Enno
      Am 6. Januar 2011 um 12:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mir gefällt das „neue“ Selbstbewusstsein ja auch sehr gut, wie insgesamt die Öffentlichkeitsarbeit von Hertha in dieser Saison um Längen besser ist als in den letzten Jahren. Keine Frage.

      Aber man kann das ganze auch etwas stilvoller inszenieren finde ich. Da fehlt noch etwas das Fingerspitzengefühl. Und der Counter ist einfach zu direkt, zu arrogant. Oder: zu wenig arrogant! Man kann die Arroganz ja auch so sehr zuspitzen, dass es etwas selbstironisches bekommt. Dann müsste man klar sagen, was der Countdown zählt und dazu noch eine bekloppte Wette anbieten, oder so.

  6. Josh
    Am 6. Januar 2011 um 15:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zum Affen wird sich Hertha so oder so machen falls wir nicht aufsteigen.
    Ob mit Uhr oder ohne.
    Und große Fresse und dann eben öfters auch mal gleich auf die selbe fallen, ist eben auch Berlin pur.
    Vielleicht tickt der Countdown ja auch für die Profilizenz. ;)

    gruß an die Blogger hier

    • Am 6. Januar 2011 um 16:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Damit hat der Josh mal ganz einfach nur Recht.

      • Am 6. Januar 2011 um 16:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

        mehr nicht? :p

        • Am 6. Januar 2011 um 17:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Man soll es mit dem Lob ja auch nicht übertreiben.

  7. Am 8. Januar 2011 um 11:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lieber Enno, es tut mir so leid, dass wir die Unverschämtheit besitzen, dir uninteressante Themen anzubieten, für die du als Online-Konsument noch nicht mal zahlst.

    Es gibt nun auch mal andere Kunden beim Kauf einer Tageszeitung als den reinen Fußballfachidioten. Nicht jeder ist ein Bundestrainer. Frauen fühlen sich manchmal von anderen Dingen da angesprochen. Und da versucht man ein Gesamtprodutk hinzubekommen. Ein Boulevardblatt, sollte dir das entgangen sein, nimmt auch Anleihen aus der Gala und der Bunten.

    Wenn dich das stört. Einfach weiter nicht lesen.

    • Enno Enno
      Am 8. Januar 2011 um 11:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Lieber Mathias, als Fußball-Nerd lese ich ’ne ganze Menge. Und tatsächlich störe ich mich an dem vielen Mist nicht, der dabei entsteht, dass meist ein „Gesamtprodukt“ verkauft werden muss. Ich verstehe ja, warum der Kicker so spröde und der Boulevard so „menschelnd“ daher kommen.

      Und in der Regel bleibt das ja auch meinerseits unkommentiert. Wenn ich dann doch einmal über einen kleinen interessanten Abschnitt stolpere, den ich verlinken möchte, dann muss ich ja zumindest einordnen, wie ich zu dem Rest des Textes stehe. Mehr habe ich ja nicht getan. Ich finde, da braucht man sich nicht gleich angegriffen fühlen.

      • Blauer Montag
        Am 8. Januar 2011 um 12:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Moin Enno,
        du findest den kicker spröde? Ich finde ihn reine Zeitverschwendung. Alle Fakten und Spielberichte bis hin zur letzten Passquote finde ich inzwischen bei bundesliga.de. Die Lektüre dort dauert bald länger als ein einfaches Fußballspiel.

      • Am 8. Januar 2011 um 15:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Das lustige daran ist, dass du ihn ausgerechnet Rene Miller machst, der doch am ehens von uns KURIEREN für Fußball-Sacharbeit bekannt ist.

        Aber ohne Scherz, ich fand die Unterstellung, dass wir nur noch Klatschreporter im Gewand eines Sportjournalisten sind nicht fair. Anders als in England gibt es hier in Deutschland keine Trennung dieser beiden Arten. Leider!

        • Enno Enno
          Am 9. Januar 2011 um 16:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Also ich schrieb ja explizit von meinem Eindruck der Vermischung von Boulevard und Sport, der sich „quer durch die Medienhäuser zieht“. Ich wollte also den Kurier nicht als besonders „schlecht“ darstellen, auch Rene Miller nicht.

          Die Kritik an den Journalisten, die es vermeintlich vergessen hätten, zwischen Klatsch und Sport zu trennen, zielt wahrscheinlich an den eigentlichen Ursachen vorbei. Diese dürften wohl eher in der deutschen Medienlandschaft und den Medienhäusern zu suchen und zu finden sein. Insofern möchte ich mich für die persönliche Zurechnung auf „die Reporter“ entschuldigen, bzw. diese Aussage relativieren.

  8. Am 8. Januar 2011 um 11:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    PS Und was den Count down angeht, wer diesen schlecht findet, sollte seinen eigenen Blogg nicht mit“Auch in der Zweiten Liga erstklassig“ untertiteln. Spielt imho irgendwie in der gleichen Liga.

    • Enno Enno
      Am 8. Januar 2011 um 11:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hehe… Guter Einwand! :-)

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  • Von Morales und Knoll stellen sich selbst vor | Hertha BSC Blog am 6. Januar 2011 um 18:16 Uhr veröffentlicht

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