Von Würmern zerfressen

Der Job eines Obstbauern ist kein leichter. Zwar sind die Kriterien für einen optimalen Ertrag bekannt, doch trotz allem muss er Jahr für Jahr hart dafür arbeiten um letztendlich zum Saisonende schöne, makellose Äpfel von den Bäumen pflücken zu können. Prinzipiell ist es zwar jedes Jahr das selbe nur gibt es variable äußere Faktoren, die rechtzeitig erkannt werden müssen um dann die richtigen Schlüsse zu ziehen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Ob diese von Erfolg gekrönt sind, lässt sich immer erst im Nachhinein beurteilen, wenn das Erntejahr sich dem Ende neigt und die Retrospektive ansteht bevor wieder alles von vorne los geht. Es ist ein ewiger Kreislauf.

Einen guten Bauern zeichnet aus durch seine Erfahrung genau abschätzen zu können wie viel er gießen muss, ob die Erde nährstoffreich genug ist, welche Pflanzenschutzmittel er einzusetzen hat und in welcher Intensität sie versprüht werden sollen. Es liegt auf der Hand, dass eine Rekordernte nur in den seltensten Fällen gelingt. Die Natur ist unberechenbar und bei so vielen Einflussfaktoren auf den Erfolg muss es selbst für den besten aller Bauern schon sehr gut laufen. Im Laufe einer Saison sieht es bei den meisten Bauern mal mehr und mal weniger gut aus.

Um den Hof meiner Tante ist es derzeit ziemlich schlecht bestellt. Dabei sah es so aus als sei sie optimal auf die kommende Saison eingestellt. Doch erst letzte Woche bekam ich einen beunruhigenden Anruf. Die Chemie würde nicht stimmen und es müsse sich sofort etwas ändern, damit es nicht zu einer Katastrophe kommt. Das Jahr sei noch jung, doch seien die ersten Äpfel vollkommen von Würmern zerfressen. Zum Abschied meinte sie, dass sie umgehend Maßnahmen ergreifen würde, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Heute machte ich mir von dem ganzen selbst ein Bild. “Scheiß Wetter und diese widerlichen Tiere machen mir hier noch alles kaputt!” brummte mir meine Tante schon kurz nach der Ankunft entgegen. Nun ja. Ein Wurm muss tun was ein Wurm tun muss und wer aufs Wetter schimpft der, ist einfach noch nicht lange genug dabei um höhere Gewalt als etwas überirdisches anzuerkennen. Wir könnten uns Bewässerungsanlagen, oder Gewächshäuser zulegen um den Einfluss abzumildern, aber das kostet nun mal ein vielfaches von dem was meine Tante – nach mehreren Missernten in Folge – noch hat. Das einzige was also bleibt ist harte Arbeit an der sich aufbreitenden Wurmepedemie, ein gutes Auge beim analysieren aufkommender Probleme und ein äußerst milder Sommer.

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    Hallo, ich bin Felix und gehöre wie die meisten Herthafans in meinem Alter, zur 98er Generation, die 2010 den ersten Abstieg miterlebt hat. (→mehr)

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4 Kommentare

  1. Enno
    Erstellt am 20. August 2012 um 06:33 | Permanent-Link

    :-) Sehr nett!

  2. Faase
    Erstellt am 20. August 2012 um 07:50 | Permanent-Link

    Und da soll mal einer nicht depressiv werden…
    Schöner Text.

  3. Tzaduk
    Erstellt am 23. August 2012 um 10:15 | Permanent-Link

    Hääh? Was hat denn das mit Hertha zu tun? :-D

    Mir war aber, als hätte der Wurm, der Deiner Tante Hof zernagt, auch einen Namen. “Egomanis Hybris” oder so?

    • Felix
      Erstellt am 23. August 2012 um 10:35 | Permanent-Link

      Ist das dein Ernst? :D

Ein Trackback

  1. [...] Hertha Fan Felix blickt in den Obstgarten seiner Tante. Er weiß zwar, dass die Würmer schon viel Unheil angerichtet haben, kennt aber auch Wege zur Rettung des Gartens. Ein sehr gelungener Blogeintrag im Hertha-Blog. [...]

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