Voreiliges Urteil

Sports News - April 25, 2010
Gestern Abend haben Präsident Gegenbauer und Manager Preetz im RBB versucht Rede und Antwort zu stehen. So viele Fragen erscheinen drängend, man will jetzt schon wissen, wer Schuld am Niedergang hatte, wie der Kader in der kommenden Saison aussieht, ob die Finanzierung solide ist und natürlich welcher Trainer in der kommenden Saison die Geschicke der alten Dame lenken wird.

Antworten gab es eigentlich keine. Dafür gab es eine Vielzahl von Scharmützeln zwischen den Herthanern und den Moderatoren Andreas Witte und Hans-Jürgen Pohmann. Es ging häufig weniger um die Sache als um Redeanteile, Höflichkeitsformen und kleine, aber gezielte Provokationen. An dieser Stelle haben Preetz und Gegenbauer in meinen Augen ein sehr schlechtes Bild abgegeben. Ich hätte mir von ihnen mehr Souveränität im Umgang mit den provokanten Sticheleien gewünscht. Aber ich bin nicht für die Krise verantwortlich und habe leicht reden…

Insgesamt haben wir nicht viel neues erfahren. Heute wird wohl über die Zukunft von Trainer Funkel entschieden. Ich wäre dafür, dass er geht, wenn Teile des Kaders tatsächlich gehalten werden könnten. Sollte ein größerer Umbruch in der Mannschaft erfolgen, wäre Funkel wiederum eine Option. Es ist nämlich so, dass man zwar alles ändern kann, aber nicht alles zugleich. Eine gewisse Konstanz wird Hertha brauchen. Könnte ich wählen, würde ich einen neuen Trainer holen und wichtige Spieler halten, so wie Daniel es schon diskutiert hat.

Mich wundert die Reaktion von vielen Fans auf die gestrige Sendung. Alles schlecht, Preetz und Gegenbauer packen es nicht, Hertha wird mit ihnen untergehen. Ich verstehe diese extrem negative Sicht nicht. Wie ich oben schon geschrieben habe, fehlte es den beiden an Souveränität. Aber inhaltlich war das doch vollkommen in Ordnung. Sie haben wichtige Punkte klarstellen können (Finanzierung, Transferstrategie, Trainerentscheidung), ohne allerdings allzu konkret zu werden.

Den beiden nun aber vorzuwerfen, sie hätten keinen Plan, nur weil sie nicht alle Details ihrer Pläne in der Öffentlichkeit darlegen, ist jedoch hochgradiger Unsinn. Ich habe noch keinen Fußballmanager erlebt, der Details über Vertragsverhandlungen, Transfers und Strategieentscheidungen in der Öffentlichkeit preis gegeben hätte. So ist es doch beispielsweise ganz normal, dass Preetz zu einem Profil des zukünftigen Trainers nichts sagt. Damit würde er sich Verhandlungen nur erschweren und ein mögliches Ergebnis gleich in ein vorgefertigtes Bewertungsaster stellen. Dass er nur vage Auskünfte gibt, ist für uns Fans zwar unbefriedigend, aber ein Zeichen von Professionalität.

Letztlich muss man Preetz, Gegenbauer und Schiller an ihren tatsächlichen Entscheidungen messen. Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Tagen einige präsentiert bekommen. Lasst uns dann den Daumen senken oder nach oben richten. Alles andere wäre ein voreiliges Urteil.

Update: Während ich diesen Artikel geschrieben und veröffentlicht habe, schaffen Preetz und Gegenbauer Fakten. Friedhelm Funkel und Hertha BSC gehen getrennte Wege in der neuen Saison. Ich bin erleichtert. Denn die Trennung war alles andere als voreilig.

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4 Kommentare

  1. Am 11. Mai 2010 um 17:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich fand den Auftritt von Preetz und Gegenbauer gar nicht so schlecht. Zwar hat man insbesondere Preetz angemerkt, dass es eine schwierige Situation ist. Aber jetzt irgendwelche Details über Vertragsverhandlungen in aller Öffentlichkeit auszubreiten wäre ja der größte Unsinn.

    Deshalb fand ich die Art von Pohmann auch irgendwie ein bisschen albern. Kritische Nachfragen sind gut, hätte man aber auch die ganze Saison schon tätigen können. Und die meisten Fragen hatten ja auch keinen wirklichen inhaltlichen Hintergrund, sondern waren wirklich nur reine Provokationen. Das bringt ja dann auch nichts.

  2. Oliver
    Am 11. Mai 2010 um 22:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die negative Reaktion vieler Fans auf die Sendung zeigt den typischen Berliner Pessimismus. Preetz und Gegenbauer müssen jetzt Taten folgen lassen und beweisen, daß sie wichtige Spieler halten können, dann werden viele ihre Meinung schnell ändern. So ist der Berliner halt, ich kann mich gut an das abfällige Aufstöhnen bei jedem Ballverlust und Fehlpaß von Pantelic erinnern, aber jetzt tun sie so, als ob es nur daran lag, daß Pantelic nicht gehalten wurde.
    Ich bin wie bereits gesagt guter Dinge, wenn auf einmal sogar wieder Drobny und Kacar möglich sind, den ich im Gegensatz zu Daniel gerne weiter bei Hertha sehen würde. Ich glaube, daß es möglich ist, was sie versuchen und das war wohl die wichtigste Botschaft der gestrigen Sendung, daß man es sich anscheinend eine Saison lang leisten könnte, eine Erstliga-Mannschaft zu bezahlen. Ich glaube auch, daß Babbel der heißeste Kandidat ist. Preetz Reaktion auf die Nachfrage dazu, ob Babbel wegen des Hertha-Interesses sein Handy ausgeschaltet hat und nicht zu erreichen ist, hat er so verkrampft sachlich verneint, daß es eigentlich ein klares Ja war. Aber das ist auch nur Spekulation, wir werden es bald erfahren. Um Konkretes zu erfahren, kam die Sendung zu früh, und es hätte ihr sehr gut getan, wenn Pohmann, der keine Ahnung von Fußball hat, nicht dabei gewesen wäre. Eigentlich müßte Andreas Witte Sportchef beim RBB sein und nicht Pohmann, der dann über wieder über Tennisturniere, die es nicht mehr gibt, berichten könnte. Deswegen ist Preetz auch zu entschuldigen, der leidet wirklich, am Samstag Abend nach den Spielen konnte man ihn immer wie ein begossener Pudel nach Hause schleichen sehen.

  3. Oliver
    Am 11. Mai 2010 um 22:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das Funkel bei Abstieg geht, war so vereinbart, wieso hätte er jetzt auf einmal bleiben sollen? Das war keine Mission Impossible, als Funkel übernommen hat, hatte man drei Punkte Rückstand auf Platz 15. Nur drei Punkte in der Hinrunde zu holen, hätte Favre auch noch geschafft. Und mit einer Mannschaft keinen Heimsieg hinzubekommen, die in der Rückrunde auswärts fast jeden Gegner beherrscht hat, ist ein Jammer. Ich glaube ihm, daß er Gänsehaut hatte, als Preetz ihn angerufen hat, er war schließlich noch nie bei einem Verein angestellt, der lange so weit oben gespielt hat. Er zog sich gegen den HSV gleich die schicke Nike-Winterjacke an, vorher gab es immer nur Saller oder Jako. Nach der Niederlage hat er die nie wieder angezogen. Er ist zwar fünfmal aufgestiegen, aber noch viel öfter abgestiegen, das sagt eigentlich schon alles. Deswegen tut er mir doch ein bißchen leid, ich hatte ihn am Schluß irgendwie liebgewonnen, der ist ja noch kauziger als Favre, und an ihn geglaubt, und mit weniger Schiedsrichterfehlentscheidung hätte er es auch fast geschafft. Aber für den
    Neuanfang bitte einen anderen, sonst warten wir noch Jahre auf den ersten Heimsieg. Also mach`s gut, Friedhelm, jetzt kannst du erstmal nach Mallorca fahren, irgendwann ruft dich bestimmt wieder einer an.

  4. Tanja*
    Am 12. Mai 2010 um 17:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Preetz und Gegenbauer haben in der abgelaufenen Saison bereits gezeigt, dass sie es nicht können finde ich von daher… alles blabla…

Ein Trackback

  • Von Absteiger « A Better Tomorrow am 12. Mai 2010 um 22:35 Uhr veröffentlicht

    […] Gegenbauer vom rbb am Montagabend in ein ebenso interessantes (Witte) wie peinliches (Pohmann) Kreuzverhör genommen, dementierte laufende Verhandlungen mit Babbel mit einem klaren „Nein“. Die […]