Warum Hertha meinetwegen gegen Leipzig spielen darf

Die Aufregung um das Testspiel gegen RB Leipzig ist groß. Diesen „Brauseverein“ dürfe man nicht auch noch durch seine Anwesenheit unterstützen, das Projekt gehe hoffentlich den Bach runter, die sollen bleiben, wo sie sind, wie könne man nur gegen diesen Retorten-Verein spielen? Das sind so die Argumente und Fragen, die derzeit durch die sozialen Netzwerke oder Kommentarspalten fliegen. Auf der Mitgliederversammlung vor einigen Wochen im ICC hieß es von einem kritischen Fan: „Wir sollten Red Bull keine Plattform bieten, und der Name sollte nicht in einem Atemzug mit Hertha BSC genannt werden. Es würde mehr Charakter zeigen, wenn das Spiel abgesagt würde.“

Ich frage mich bei solchen Reaktionen dann immer, ob wir mit Hertha keine anderen Probleme haben.

Das geht beim Geld los, das Hertha dringend braucht und Red Bull offensichtlich hat. Ursprünglich wollte Hertha sich durch das Testspiel ein bisschen was dazuverdienen. Die Proteste haben nun dazu geführt, dass das eingeplante Geld den Flutopfern gespendet werden soll. Das ist in Ordnung für die Opfer vor Ort, aber für Hertha sicherlich nicht die zuerst favorisierte Lösung.

Es spricht die Arroganz

Es ist aber nicht die entgangene Prämie, die mich ärgert (denn sie kommt ja nun einem guten Zweck zugute). Sondern die Tatsache, dass aus sehr vielen kritischen Kehlen statt der echten Sorge um „den wahren Fußball“ die Arroganz spricht. Frei übersetzt: „Wir sind Fans eines Traditionsvereins, das ist ein Klub, den es ohne den Kommerz nicht geben würde. Also möge er gefälligst wieder dahin zurück gehen, wo er herkommt und unseren Fußball nicht kaputt machen, Danke!“ So oder so ähnlich hört sich das an, wenn „echte“ Hertha-Fans über das Projekt Leipzig und natürlich auch deren (potenzielle) Fans sprechen.

Ich kann das ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Und zwar wegen Nick Hornby.

Wegen Nick Hornby werdet ihr von mir auch kein kritisches Wort über die TSG Hoffenheim, den VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen hören. Klubs, die ohne das Geld der sie unterstützenden Konzerne nicht dort wären, wo sie sind. Rein rhetorische Zwischenfrage: Hertha verzichtet regelmäßig auf das Geld von großen Konzernen, richtig? Ist auch egal, weil es mir darum gar nicht geht. Es geht mir um die Menschen, die – nach Hornby – von diesen Vereinen ausgesucht werden.

„Der Verein wird dir gegeben“

Wenn ich davon spreche, dass ich Leute, die solche Vereine herabwürdigen (und davon gibt es auch hier in Dortmund nicht wenige), für arrogant halte, hat das mit Nick Hornby zu tun. Der Mann hat die wahrsten Worte über das Fansein aufgeschrieben, die jemals jemand darüber gedacht hat: „Man sucht sich seinen Verein nicht aus, der Verein wird einem gegeben.“  Ich kann das nur bestätigen. Und was hätte ich denn gemacht, wenn mich mein Vater damals nicht mit zu Hertha ins Olympiastadion genommen hätte, sondern ich in Leipzig aufgewachsen wäre und wir plötzlich bei RB gesessen hätten? „Der Verein wird dir gegeben“, er sucht dich aus. Ich bin froh, dass Hertha sich damals für mich entschieden hat.

Obwohl ich mit dem BVB sicherlich auch glücklich geworden wäre. Schließlich wohne ich jetzt hier, die europäischen Spitzenklubs gucken regelmäßig vorbei, Deutsche Meisterschaften werden gefeiert, viel Geld eingenommen und wieder ausgegeben. Ich habe als Kind in Dortmund-Bettwäsche geschlafen, hatte ein Lars Ricken-Trikot im Schrank hängen bevor ich überhaupt  jemals etwas von Hertha hörte. Aber kann ich mich jetzt noch für diesen Klub begeistern? Nicht mal ein kleines Bisschen! Weil mein Herz für Hertha schlägt. Weil Hertha für mich bestimmt war und nicht der BVB. Aber was wäre, wenn RB Leipzig mich ausgesucht hätte? Wenn mein Herz damals für diesen Klub geschlagen hätte, sofern es ihn schon gegeben hätte?

Sie lieben nur den Fußball

Ich weiß es nicht. Ich stand ja nie vor der Entscheidung. Aber viele Kinder, die derzeit in Leipzig aufwachsen, werden sich demnächst plötzlich entscheiden müssen.Und wenn sie sich nicht wehren können, weil sie eben von RB Leipzig ausgesucht wurden, wird ihnen dann ihr Leben lang Hass aus den anderen Fan-Ecken entgegen schlagen? Werden sie ihr Leben lang darunter leiden müssen, dass ein Brause-Gigant ihren Verein aufgekauft und ihn in die Bundesliga geführt hat? Obwohl sie selbst gar nichts dafür können, sondern nur den Fußball lieben wie wir alle? Ich vermute es, denn RB Leipzig wird nie ein normaler Gegner sein.

Vielleicht bin ich kein „echter“ Fan, weil ich diese Anti-Haltung einfach nicht empfinden kann. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass mit Leipzig nicht noch eine Stadt ohne Einwohner nach oben gepusht wird (wie Wolfsburg und Leverkusen), sondern eine Region, die nach Fußball lechzt und die das Stadion, das in der vierten Liga natürlich noch deutlich unterbesetzt war, spätestens in fünf Jahren auf jeden Fall bis zum Rand füllen wird. Leipzig musste fußballerisch viel einstecken in den letzten Jahrzehnten. Nun wird sich zumindest ein Ost-Klub früher oder später wieder in der Bundesliga etablieren. Das mag unfair gegenüber anderen Vereinen sein. Aber nach der Wende hatten die Ost-Klubs ja eigentlich auch nie eine faire Chance. Herr Mateschitz gibt sie Leipzig und man kann das kritisieren. Ich tue es nicht, weil er das Geld auch horten oder in den FC Bayern hätte investieren können.

Baumarkt-Ecken

Vielleicht bin ich aber auch einfach ein Fußball-Romantiker. Nicht in dem Sinne, dass ich glaube, dass es nur Traditionsvereine in der höchsten Spielklasse geben darf. Sondern in dem Sinne, dass ich diese Abneigung gegen alles was neu und anders und eben kommerziell ist, nicht teilen kann. In dem Sinne, dass ich meinen Verein liebe, egal, was die anderen machen und dementsprechend Hass in meiner Vorstellung von Fansein nicht vorkommt. In dem Sinne, dass man jede ethisch korrekte Quelle nutzen muss, damit der eigene Verein erfolgreich sein. Wenn man von anderen Vereinen und ihrem Geld profitieren kann, umso besser.

Als ein solcher Romantiker will ich, das mein Verein erfolgreich ist, dass er keine Schulden hat und vor dem Bankrott steht, dass er es schafft, der beste Verein in Berlin zu bleiben und folglich die besten Berliner Fußballer bei ihm spielen wollen, dass er vielleicht ab und an mal einen Großen ärgert oder sogar auf Augenhöhe begegnet und über kurz oder lang mit der Meisterschale durchs Brandenb…nein, letzteres brauch ich gar nicht. Alles davor reicht mir vollkommen.

Dafür darf der Verein von mir aus dann auch mal ein Testspiel gegen einen Brauseklub ausmachen, vor allem wenn dafür dann in meinem Stadion nicht  jeder Einwurf von einem Baumarkt oder einer Eisdiele präsentiert wird. Doch selbst wenn es so wäre:

Hertha wäre doch immer noch mein Verein. Und das gleiche gilt eben auch für die Fans aus Leipzig.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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31 Kommentare

  1. Montego77
    Am 12. Juli 2013 um 23:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke, danke, danke für diesen Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele!
    RB Leipzig hat mich ausgesucht und ich will nur guten Fußball in der Stadt.
    Ohne Geld wird es auch in den nächsten 50 bis hundert Jahren kein sogenannter Ost-Traditions Verein in die BL schaffen. danke Red Bull das ich das erleben darf….
    Grüße aus Leipzig

  2. tta
    Am 13. Juli 2013 um 00:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Einer der klügsten Kommentare den ich in diesem Zusammenhang gelesen habe.

    Vielen Dank

  3. Jack
    Am 13. Juli 2013 um 10:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Amen!

    Wenn bloß alle Menschen so weit Denken würden/könnten.

  4. LuWo
    Am 13. Juli 2013 um 10:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dieser Kommentar war das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Kein blinder Hass oder Beleidigungen gegen andere Vereine. Nur der Fußball sollte im Vordergrund stehen. Friedliche Fans, jeder für seinen Verein ohne Gewalt und Hass, keine Hundertschaften Polizei mit Hundestaffeln, Wasserwerfern und Hubschraubern, so wünsche ich mir die Zukunft in den Stadions dieser Welt.

  5. Jerry
    Am 13. Juli 2013 um 10:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Na dann warte mal bis RB Leipzig in 5 Jahren erstklassig spielt und sich die Talente aus der Region krallt (s. Hoffenheim).
    Mal gucken, ob das dann immer noch so toll ist.
    Und wie sieht es übrigens mit der 50+1 Regel aus.
    Da wird dann ein neuer Mannschaftsbus von Red Bull an den DFB überreicht und schon wird wieder in die andere Richtung geguckt.

    • Peter Pan
      Am 13. Juli 2013 um 13:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja das wäre richtig schlimm, wenn sich ein Leipziger Verein die Talente aus der Region schnappen würde! Viel besser wäre es, wenn es so ist wie immer und sie von (reichen) Westvereinen weggelockt werden! Dann hat alles seine gewohnte Ordnung. Ost-Talente billig wegkaufen und ab nach Leverkusen, Bayern oder Dortmund.

      Ganz Ihrer Meinung.

      Oder anders ausgedrückt: Wand – Hirn – Tapete.

    • leipziger
      Am 13. Juli 2013 um 14:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

      bitte informieren. rbl ist ein ev.damit gilt die 50+1regelung lt.dfb gar nicht.
      gilt lt. dfb statuten nur für ausgegliederte profiabteilungen.siehe bayern,dortmund etc.

  6. Katrin
    Am 13. Juli 2013 um 10:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich kann die Einstellung, dass man in seiner Heimatstadt guten Fußball sehen möchte, ja sogar irgendwo verstehen. Und dass die Kinder, die heute mit zu RB Leipzig gehen, es jetzt nicht anders lernen, das mag alles stimmen und natürlich können die nichts dafür. Aber die müssen damit rechnen, dass sie in den meisten Fußballstadien Deutschlands absolut nicht willkommen sind. Damit müssen sie leben, wenn sie Fan von RB Leipzig sind. Ich muss ja auch damit leben, dass man im ehemaligen Westteil Berlins offensichtlich größtenteils immer noch was gegen Union Berlin hat. Das muss jeder Fan und auch die von RB Leipzig.

    Ich finde auch die Ansicht, dass solche Vereine wie RB Leipzig in der Bundesliga nichts verloren haben, nicht arrogant. Ich behaupte nicht, dass ein Verein wie Union Berlin es mehr verdient hat, in der Bundesliga zu spielen, nur weil man ihn Traditionsverein nennt, aber RB Leipzig hat ganz andere Startkonditionen gehabt, sie hatten es viel leichter. Sie hatten gute Spieler und Geld, einfach so und andere Vereine müssen sich das hart erarbeiten. Da spricht wahrscheinlich der Neid, aber dann ist das halt so.

    • becks_159
      Am 16. Juli 2013 um 07:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Liebe Katrin auch Bayern Dortmund oder Schalke haben mehr geld und bessere Spieler als Union und das auch nur durch ihre Sponsoren die da halt Telekom Audi etc heissen erinnere dich an Uli seine Wutrede
      http://www.youtube.com/watch?v=Udk9oMJRuKY und genauso wie uli damals gesagt hat ist es. Von 7€ ermässigter Eintrittskarte kann man keine Championsliga oder Bundesliga spielen

  7. Anonymous
    Am 13. Juli 2013 um 11:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und was ist mit Bayern etc. bei denen dreht sich auch alles nur ums Geld…. Warum darf dann Red Bull nicht einen Verein unterstützen der nicht tausende von Sponsoren hat….

    • Am 13. Juli 2013 um 15:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Sie dürfen schon, nur unterstützen sie keinen Verein, sondern haben eine Fußballspielende Werbeabteilung gegründet. Das ist schon ein Unterschied. Von daher hinkt der ewige Vergleich, dass andere Vereine auch Kommerz seien. Die machen den Kommerz, um zu existieren und scheitern oft genug daran (Duisburg Offenbach) oder stehen ewig auf der Kippe. RB hingegen existiert wegen des Kommerzes.
      Trotzdem stimme ich mit dem Verfasser des Artikels überein. Was interessieren mich die RB-Fans? Und außerdem hält RB uns in unserer Region die ganzen ich-will-doch-nur-attraktiven-fußball-sehen Eventfans vom Hals.

  8. TT
    Am 13. Juli 2013 um 13:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Sehr gut geschrieben.

  9. Irish Star
    Am 13. Juli 2013 um 14:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dieser Beitrag riecht nach Ärger. Gerade deswegen ein großes RESPEKT.
    Mir wurde mal Chemie Leipzig ausgesucht. Aber Chemie hat mich wieder ausgespuckt, als der AKS ab dem ersten Spiel nach der Wende voller Nazis war. Der 1. FC Lok hat mich mit seinen vielen noch rechteren Fans nie gewollt. Und so dümpelte ich mit meinen (trotz allem vorhandenen) lokalpatriotischen Gefühlen jahrelang dahin. Schwindelig angesichts des vielen Kopfschüttelns, das die hiesigen Traditionsvereine verursachten und verursachen. (Der neue Präsident vom 1. FC Lok ist derzeit übrigens ein ehem. Republikaner-Kandidat.)
    However – RB hat mich aufgesammelt und Feuer entfacht. Ganz ohne Tradition. Denn um Gänsehaut und höheren Blutdruck zu bekommen, brauche ich keine 150 Jahre Vergangenheit oder acht Jahrzehnte alte Meistertitel. Da reichen schon das letzte Landespokalfinale oder die Relegation gegen Lotte. Und die Aussicht auf den Drittliga-Auftakt am Freitag gegen den HFC.
    Und noch etwas: Ich finde es geil, angefeindet zu werden. Ich will nicht, dass mein Verein von allen geliebt wird. Ungeil sind nur schwachsinnige Statements. Und Angst haben zu müssen, weil sog. Traditionsfans auf dem Kriegspfad sind.

    • Strasbourger
      Am 13. Juli 2013 um 15:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Du solltest in die USA ziehen. Dort sitzt man Popcorn essend und Werbung konsumierend auf den Tribühnen. Welche Geschichte der Verein auf dem Platz hat ist völlig egal, wenn nur bisschen was geboten wird. Mal eine ganz rationale Frage: Hätte Red Bull nicht einfach als großartiger Sponsor des SSV Markranstädt auftreten können?

      • Irish Star
        Am 13. Juli 2013 um 15:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

        WTF hat das mit den USA zu tun? Das ist der Schwachsinn, den ich meine.
        Was ist dein Verein? Hast du ihn wegen seiner Geschichte ausgesucht? Und was sprach dann gegen die Geschichte des Klubs in der Nachbarschaft?
        Wenn du argumentieren oder infragestellen willst, bezieh dich doch bitte auf die vorangestellten Worte. Erst das macht eine Diskussion sinnvoll.

        • Strasbourger
          Am 13. Juli 2013 um 18:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Ich habe mich auf Deine Worte bezogen. Man muss eben auch lesen und verstehen, anstatt nur „WTF“ zu posten. („Ich finde es geil, angefeindet zu werden.“)

          Dir ist Sch… egal, wie ein Team entsteht, Hauptsache Du wirst „unterhalten“. Und das ist typische US Mentalität. Gott bewahre uns vor diesen Zuständen.
          Und wenn Du Dich schon fälschlicherweise über das nicht beziehen auf vorangestellte Worte beziehst – wie siehts mit meiner simplen Frage aus? Die hast Du nicht beantwortet…
          Ich beantworte Dir Deine Frage: „Meine Verein“ ist der, bei dem ich als Kind und Jugendlicher gespielt habe (heute 3. Liga). Und deshalb ist es keiner aus der Nachbarschaft. Aber genau das verstehst Du als RBL Sympatisant nicht.

          • Irish Star
            Am 13. Juli 2013 um 19:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Jaja, ich kann es mir richtig vorstellen: Du hast dir damals den traditionsreichsten Verein ausgesucht und dich dann dort beim Fußball angemeldet.

            Das mit dem „unterhalten werden“ ist ja eine Unterstellung. Bösartig in der Absicht, auch wenn Unterhaltung grundsätzlich nichts Negatives ist. Den meisten geht es vielmehr um Sport, um Fußball. Im besten Falle ist das auch beste Unterhaltung. Was da in Amerika abgeht, ist da zweitrangig.

            Die Frage, wie ein Team entsteht, ist für mich meist verlogen. Gestellt wird sie i.d.R. von Fans, die wichtige Teile der Vereinsgeschichte einfach ausblenden oder gar nicht erst kennen. Bei denen regiert in erster Linie die Aggressivität. Wie bei dir. Dabei musst du gar nicht so aggressiv sein! Bist doch den „RBL-Sympathiesant“ sowieso in allen Belangen überlegen!

  10. Maria Maria
    Am 13. Juli 2013 um 14:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Fever Pitch gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, ich habe es schon unzählige Male gelesen. Aber Hornbys Behauptung, dass man sich seinen Verein nicht aussuche, halt ich für Blödsinn. Ja, natürlich suchen sich die wenigsten den Verein bewusst aus, schon gar nicht anhand einer Pro/Kontra-Liste oder so. Aber du selbst schreibst doch, dass du zunächst in Dortmund-Bettwäsche geschlafen hast. Doch irgendwann hast du dich doch für Hertha „entschieden“. Mir erging es ähnlich. Ich habe über Jahre verschiedene Vereine aus verschiedenen Gründen toll gefunden (Chemnitz, Leverkusen, Köln, Espanyol…) – meine Vater schenkte mir sogar mal einen Dortmund-Schal, der eine Weile meine Wand schmückte – aber „hängen geblieben“ bin ich nirgendwo. Nämlich weil da nicht nicht regelmäßig (oder nie) ins Stadion gegangen bin (mein persönliches Kriterium dafür, ob ich von einem Verein Fan sein kann, ist das regelmäßige Live-Erlebnis). Das hatte ich erst hier in Berlin. Da entschied ich mich an einem Abend spontan ins Olympiastadion zu fahren. Nicht in den Jahnsportpark (wo Union in jener Saison spielte). Das war eine Entscheidung meinerseits (genau wie die, nach Berlin zu ziehen). Und dann bin ich halt immer wieder hingegangen. Bei dir war’s anscheinend die Entscheidung deines Vaters, mit dir ins Olympiastadion zu gehen. Macht für mich keinen Unterschied. Die – zugegeben romantische – Mär, dass einem der Verein von irgendeiner höheren Macht gegeben wird, braucht mir keiner zu erzählen. Glaub ich nicht dran. Es sind ganz normale irdische Einflüsse – meistens von Eltern, Onkeln, älteren Geschwistern. Oder einfach vom Wohnort. Oder dass der Verein mal bei dir aufm Dorf ein Spiel gemacht hat. Etc.

    So, das hatte jetzt noch nichts mit Red Bull zu tun. Das kommt jetzt. Naja, nicht direkt. Eigentlich will ich nur deinen Gebrauch des Wortes „Ost-Klubs“ kritisieren. Red Bull Leipzig ist kein Ost-Klub. Denn so wie den Begriff benutzt, meinst du doch Ex-DDR-Vereine. Und das ist dieser Witz von einem Verein nun wirklich nicht. Wie man wahrscheinlich merkt, bin ich einer von denen, die RB verabscheuen. Ich war zweimal dort (weil sie gegen meinen Heimatverein CFC spielten) und hab mir meine Meinung gebildet. Ich war natürlich nicht unvoreingenommen, aber was soll’s. Meine Liebe zu Hertha ist auch nicht rational.

  11. Strasbourger
    Am 13. Juli 2013 um 15:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Du hast sicher blaue Augen. Netter Versuch. Aber das ging trotzdem am Thema vorbei. Red Bull ist kein Sponsor, Red Bull ist Eigentümer von RB Leipzig. Wie kann man diese Tatsache immer wieder wegreden wollen?! Red Bull ist ein Marketingkonzept. Horrende Gebühren für Mitgliedschaft, Ablehnung ohne Grund und ein Vorstand, der ausschließlich aus Mitarbeitern des Unternehmens Red Bull besteht. Im Namen dieser Firma sind schon einige Extremsportler gestorben. Das nimmt man aber in Kauf, solange man im Gespräch bleibt.
    Kleine Geschenke (an den DFB, etc.) erhalten die „Freundschaft“. Das TV Eröffnungsspiel hat man auch bekommen. Und wenn ich Ostverein höre… RBL ist zu 100 Prozent Red Bull Österreich. Ich bin übrigens im Elsass, Vater aus Leipzig. Aber für mich repräsentiert RBL Leipzig überhaupt nicht. Und dass sich so viele Leipziger vorführen lassen, macht mich traurig. Die vielen „Fans“ und die Stadt hatten 20 Jahre Zeit einen der traditionellen Leipziger Clubs nach vorn zu bringen. Wo waren denn all die, die jetzt laut schreien „Wir wollen höherklassigen Fußball“?

    • becks_159
      Am 16. Juli 2013 um 08:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

      ich war z.B. im AKS bis irgendwelche Ultras dachten das sie Chemie aus irgendwelchen Eitelkeiten den Rücken keren müssten und so den FCS zu Grabe getragen haben. dadurch ergibt sich wahrscheinlich auch meiun gespaltenes verhältniss zu Ultras die sich immer viel wichtiger nehmen als sie sind und denken das die leute nur wegen ihnen in Stadion kommen.

  12. Rayson
    Am 13. Juli 2013 um 17:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich sehe das zwiespältig. Zum einen finde ich es unsinnig, Hertha verbieten zu wollen, gegen bestimmte Vereine zu spielen, wenn nicht gerade ein konkreter, schwerwiegender Anlass besteht. Zum anderen aber bin ich auch nicht gerade begeistert davon, wenn Retortenvereine traditionellen Klubs das Wasser abgraben.

    Zum Beispiel nervt mich ein Verein wie Hoffenheim enorm, der die Talente aus der Region von den „alteingesessenen“ Vereinen wie Waldhof Mannheim oder dem KSC wegzieht. Diese „alten“ Klubs haben sich nämlich schon viel länger und auch viel mehr Fans ausgesucht, während man in und um Hoffenheim/Sinsheim herum das Fan-Dasein mühsam zu simulieren versucht.

    Ich halte es auch für schwierig, zu einem der Retortenklubs eine emotionale Beziehung aufzubauen. Gut, die RB-Fans werden wohl wissen, wie das geht, aber ich weiß es eben nicht. Am ehesten könnte ich das noch vergleichen mit meinem Interesse für American Football während der Zeit der „World League“, als ich, weil ich in der Nähe wohnte, mich als Anhänger der Frankfurt Galaxy betrachtete. Aber als es Liga und „Verein“ nicht mehr gab, hinterließen sie nur eine Lücke, die sie vollständig ersetzte.

    Was aber schade ist, ist, dass eine Stadt wie Leipzig nicht mit einem Verein in mindestens der 2. Liga vertreten ist. Den Leipziger Fußball-Fans würde ich das natürlich gönnen. Sicher wäre es schöner gewesen, wenn sich Red Bull vor allem als Sponsor eines real existierenden Vereins präsentiert hätte, aber ich kann aus Sicht des Unternehmens angesichts der wenig professionellen Strukturen von Fußballvereinen bis in höchste Ligen auch verstehen, wenn man die Sache unter Kontrolle haben will, so lange man da viel Geld versenkt.

    Andererseits sollten sich die Leipziger verdeutlichen, dass so ein künstlich erzeugtes Produkt ohne gewachsene Basis auch schnell wieder vom Markt verschwinden kann.

    Wie gesagt: zwiespältig.

    • Irish Star
      Am 13. Juli 2013 um 18:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dem will ich gar nicht widersprechen.
      Aber ich möchte den letzten Punkten zumindest etwas entgegenhalten. 1. In den letzten 20 Jahren kamen und gingen zahlreiche Sponsoren. Die hiesigen Vereine verbrannten das Geld, dass man die Rauchsäule bis in amerikanische Football-Stadien sehen konnte.
      2. Nicht nur künstlich erzeugte Produkte ohne gewachsene Basis können schnell wieder vom Markt verschwinden. Diese unschöne Zukunft drohte und droht auch Traditionsvereinen. Lok/VfB Leipzig hat es erwischt, Chemie/Sachsen auch. Selbst im goldenen Westen verschwinden Traditionsvereine von der Landkarte.
      Und das mal wegen Unprofessionalität, mal weil der Hauptsponsor urplötzlich abzieht und Ersatz heutzutage schwer zu finden ist.

      Für Leipzig wäre ein Abzug von Red Bull natürlich ein Desaster. Und garantiert bekommt man heutzutage rein gar nichts. Aber die bislang getätigten Investitionen haben die größten Sorgen in dieser Hinsicht beseitigt.

      • Strasbourger
        Am 13. Juli 2013 um 20:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ich kann Dir oben nicht mehr antworten.
        Du verstehst es wirklich nicht, oder? Ich habe mir den Verein nicht nach Tradition ausgesucht. Aber ich habe heute eine lange Geschichte mit ihm. Und der Verein ist eine Verein! RBL ist hingegen nur eine neue Kommerzabteilung des Konzerns. Und genau deshalb, beantwortest Du auch die Frage nicht: Warum hat RB nicht einfach als großer Sponor in Markranstädt investiert? Lies Dir mal die Statuten von RB durch (die mittlereweile von der RBL Page entfernt wurden). „Es ist Ziel, Bekanntheit und Erfolg der Marke Red Bull zu steigern.“ Der Fußball ist Mittel zum Zweck, wie andere Marketingstrategien von RB.
        Und mit Deiner Bemerkung, bei mir regiert die Aggressivität, machst Du Dich nun endgültig lächerlich.

        • Irish Star
          Am 13. Juli 2013 um 20:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Boah! Damit du ruhig schlafen kannst: Warum Red Bull nicht beim SSV als Sponsor eingestiegen ist, steht ja quasi schon im Blog-Eintrag. Der Witz ist, du würdest jetzt trotzdem aggressiv rumpöbeln. Denn der Vergleich zu Hoffenheim wäre wieder allgegenwärtig.

          Ja, dann stand oder steht das in den Statuten. Red Bull hat die gleiche Motivation wie bei 99% aller Hauptsponsoren im Profifußball.

          Ich will das alles gar nicht verteidigen. Aber die Angriffe, die Verurteilung dessen und das ganze Trara drumrum ist und bleibt verlogen.
          Und deine Schreibe bleibt aggressiv. Auch wenn das in deinen Augen lächerlich ist. Mit deinen Gefühlen der Verachtung und des Hasses komme ich ganz gut klar. Aber wenn beides das Hirn ausknipst, ist das mit Sicherheit gefährlicher als 500 Millionen Euro eines österreichischen Brauseherstellers.
          Machs gut!

          • Strasbourger
            Am 13. Juli 2013 um 22:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Was in den Statuten von RBL steht, gibts in keinem anderen Verein. “Es ist Ziel, Bekanntheit und Erfolg der Marke Red Bull zu steigern.” Das Dosengetränk! Nicht die Marke RBL. Und Red Bull ist kein Sponsor!!! Sag mal… Du hast auch ganz blaue Augen.
            Und immer Deine Bemerkungen über anders Denkende wie „Hirn ausknipsen“, „Hass und Verachtung“… Getroffene Hunde bellen…
            Naja, Rubrik „zwecklos“.

          • Schoddie
            Am 14. Juli 2013 um 09:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Geht’s noch weiter oder darf man für die amüsante Unterhaltung applaudieren?
            ;)

      • Cyberpunk
        Am 20. Juli 2013 um 13:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

        “ … wieder vom Markt verschwinden. Diese unschöne Zukunft drohte und droht auch Traditionsvereinen. Lok/VfB Leipzig …“

        Und genau DAS ist der Trugschluss dem die RB-Verfechter unterliegen. Was wäre, wenn sich Red Bull zurückziehen und der Club sich auflösen würde? Würden die RB-Fans den Verein dann neu gründen und in der 10. Liga anfangen? So wie es eben die echten Fans mit ihren geliebten Vereinen schon vorgemacht haben. (Beispiele gibts da genug: Austria Salzburg, U. of Manchster, Lok …) Oder würden die Leute die seit 2009 zu RB gehen nicht irgendeinen neuen Club hinterherhecheln, einem der wieder schnellen Erfolg verspricht.? Neue Farben, neuer Name, neues Logo … „Egal, Hauptsache Bundesliga.“
        Ich sage, die heutigen RB-Fans würden keinen eigenen geliebten Verein neu gründen, weil sie garnicht wissen warum und weshalb man das tun sollte !!!

  13. LuWo
    Am 14. Juli 2013 um 12:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    An alle RBL Hasser, gestern hat das von euch so verhasste „Konstrukt“ gegen Hertha BSC Berlin gespielt. Es war ein schönes Spiel : Beide Mannschaften in diesem Spiel auf gleichem Niveau. Hertha und RB Fans saßen friedlich auf der Tribüne nebeneinander ohne Hasstiraden und Beleidigungen.
    Wenn ihr den Hass aus euren Köpfen herausbekommt, dann könnt ihr auch wieder klar denken. Spieler und Verantwortliche der beiden Vereine haben es auf den Rasen vorgemacht wie es gehen kann.
    Übrigens, bei Herta waren auch nicht alle Spieler aus der Region. Haben die etwa woanders Talente Weggeschnappt?

  14. Am 15. Juli 2013 um 15:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Respekt für diesen Artikel, mehr kann ich dazu nicht sagen…hier in Leipzig haben sich unsere 2 „Traditionsvereine“ sowas von selbst in Abseits gespielt…es ist ein Lacher. Wer die jüngsten Aktionen der „Lok-Ultras“ mitbekommen hat, kommt vor Lachen nicht mehr in den Schlaf. Geil auch die Derbys in der 6 oder 7 Liga der 2 Sachsen-Nachfolger. Forza RBL.

  15. DerSalzmann
    Am 16. Juli 2013 um 15:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Alle reden bei RB immer von einem „Verein“, dabei ist genau das das eigentliche Problem: Hier macht sich eine als Verein getarnte Marketingabteilung auf, den demokratischen Vereinsfußball zu unterwandern. In meinem Verein (Preußen Münster) kann ich frei entscheiden, Mitglied zu werden und beim wichtigsten Organ eines jeden Vereines – die Mitgliedsversammlung – meine Schnauze aufmachen. Hier kann jeder demokratisch über das Wohl oder Übel seines Vereines mitbestimmen. Und das ist schützenswert, doch genau dieser Pflicht kommt der DFB nicht nach und lässt dieses als Verein getarnte de-facto Regime mit seinen ausschließlich monetären Interessen gewähren. DAS ist der Grund für meine Abneigung, nicht das Geld oder die fehlende Tradition.

  16. Besserwisser
    Am 23. Juli 2013 um 10:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Genau das würde aber passieren. Im übrigen bin ich ganz froh das bei rb nicht jeder mitreden darf der will. Genau dadurch werden eure Vereine nach und nach von der Bildfläche verschwinden…. wenn jeder Fan egal wie schlau oder dumm mitreden darf.

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