Warum nicht mal Domovchiyski?

Wenn die eigene Mannschaft 1:2 zurück liegt, dann würden viele Trainer froh sein, einen Andrey Voronin auf der Bank sitzen zu haben. Rafa Benitez – Trainer des FC Liverpool – hat diesen Luxus und als am Sonntag seine Mannschaft mit 1:2 zurück lag, da war Rafa Benitez vermutlich froh, einen Andrey Voronin auf der Bank sitzen zu haben. Er brachte den Ukrainer etwas mehr als zehn Minuten vor Spielende. Das Spiel endete 1:2. Soviel zum Thema Voronin.

Lucien Favre hatte am Sonntag „nur“ Valeri Domovchiyski auf der Bank. Nun konnte ich den Hertha-Coach leider nicht fragen, ob er  froh war, „nur“ Valeri Domovchiyski auf der Bank sitzen zu haben. Fakt ist jedenfalls, dass der Bulgare seine Sache sehr gut machte. Ok, zum Ausgleichstreffer schaffte es auch Domovchiyski nicht. Dafür sammelte er Punkte auf einer anderen Skala: Seiner eigenen.

Denn der 22jährige brachte etwas in das Angriffsspiel der Herthaner, dass bis dahin gefehlt hatte: Ein Stück Unberechenbarkeit. Unberechenbarkeit, die zuvor, 68 Minuten lang gefehlt hatte. Domovchiyski hatte in 25 Minuten mehr gefährliche Aktionen, als Artur Wichniarek zuvor in 69.

Man kann das dem Polen aber noch nicht mal zum Vorwurf machen. Es ist unglücklich, dass Wichniarek – der es ja eigentlich all seinen Kritikern zeigen wollte – zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison noch wie ein Fremdkörper im Hertha-Spiel wirkt. Aber eine Flanke in seinen Einzugsbereich ist eben nur eine Flanke in seinen Einzugsbereich. Dass diese dann gute 30 Zentimeter zu weit oder – je nach Standpunkt – Wichniarek 30 Zentimeter zu kurz war, ist entweder (und wieder je nach Standpunkt) Pech, Unvermögen oder noch leichten Findungsproblemen zwischen Passgeber- und Abnehmer zuzuschreiben. Aber nicht per se Wichniarek allein. Immerhin spielte er im Gegensatz zum ersten Spiel gegen Hannover wirklich viele gute Pässe. Und dafür, dass seine Mitspieler immer schon aus 30 Metern abziehen, kann er ja auch nichts. Wichniareks Spiele werden kommen, da bin ich mir sicher.

Doch bei Gegnern wie Hannover oder Gladbach, die Hertha das Feld überlassen fehlt vorne im Sturmzentrum momentan und nach dem, was wir in den ersten beiden Spielen gesehen haben jemand, der die gegnerische Abwehr durcheinander wirbeln kann und für Unruhe sorgt. So wie zum Beispiel Domovchiyski. Klar sieht das manchmal unorthodox und unkoordiniert aus, wie der 22jährige über den Platz hetzt, aber, und darum geht es, es sorgt für Unruhe, weil man nie weiß, was er als nächstes tun wird. Diese Unruhe ermöglicht es entweder Domovchiyski selbst oder aber seinen nachrückenden Mitspielern in dadurch entstandene Räume zu stoßen, die ohne diese Unruhe nicht da wäre. Domovchiyski tut in seinen wenigen Einsatzminuten alles für einen Platz in der Startelf.

Ich finde so langsam hätte er ihn verdient.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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7 Kommentare

  1. Am 16. August 2009 um 22:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kann dem echt nur zustimmen.
    letzte saison -obwohl ich ihn auch damals schon gut fand- habe ich ihn ehrlich gesagt auf grund seiner „nervösen“ spielweise belächelt und dachte auch zunächst er würde an chermiti nicht vorbeikommen.
    aber jetzt hoffe ich, dass er es endlich schafft.
    ein wichniarek ist definitiv zu übeholen.

  2. sehnsuchtberlin
    Am 17. August 2009 um 06:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    in bochum könnte mann es schonmal umdrehen., das artur dann eingwechselt wird, vielleicht bewirkt es ja bei beiden etwas possitives. verdient har es domo auf jeden.

  3. Enno Enno
    Am 17. August 2009 um 07:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also grundsätzlich sehe ich das ähnlich wie Daniel. Nur weiß ich nicht so genau, ob die Spielanlage von Hertha es vertragen würde, wenn zwei anarchistisch-chaotische, raumfühlende Stürmer auf dem Platz stehen. Man darf ja nicht vergessen, dass Raffael ähnlich im taktischen Gefilde wildert. Denn diese Unberechenbarkeit wirkt sich ja auch auf das eigene Spiel aus, weil die Mitspieler wohl auch kaum wissen werden, was Domovchiyski als nächstes tut. Allerdings kann sich eine Mannschaft auch darauf einstellen und diese Spielweise lernen, denke ich. Das geht aber nur, wenn Domovchiyski mehr Einsätze bekommt.

    Wir hatten das Kernproblem ja schon mal angerissen: Es fehlt ein Passgeber im Mittelfeld, der den oder die Stürmer mit Flanken und Pässen bedient. Bei der derzeitigen Spielanlage könnten auch Grafite und Dzeko vorne drin stehen und schlecht aussehen, weil sie einfach keinen Ball bekämen. Ich sehe das Problem nicht direkt im Sturm, sondern im offensiven Mittelfeld.

  4. sehnsuchtberlin
    Am 17. August 2009 um 18:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @ enno

    da muss ich dir recht geben, das ein spieler im offensiven mittelfeld fehlt. arutr konnte gestern nicht viel zeigen, weil er einfach kein ball nach vorne bekommen hat. die mittelfeld spieler, die gespielt haben, haben es aller aus der 2.reihe versucht, find ich ja nicht schlecht aber ab und zu mal die stürmer bedien, wäre auch gut! bin auch der meinung, wir brauchen eher ein offensiven mittelfeld spieler. na mal sehen, mit welchem spieler uns favre noch überrascht.
    ich wär ja für rafael van der vaart :-)

  5. Mueggi
    Am 18. August 2009 um 10:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was extrem augenscheinlich ist, dass wie schon so oft in der Vergangenheit von Hertha die Bindung zwischen Mittelfelt und Sturm fehlt. Ob man das jetzt NUR am fehlen eines kreativen Mittelfeldspielers ausmachen kann lass ich mal dahin gestellt.

    Sicher scheint zumindest nach den ersten beiden Spielen, die jetzt vorhandenen Mittelfeldspieler schaffen das (noch) nicht.

    Ob das nun aber mit einem Spieler auf einer offensiveren Position klappt steht halt in den Sternen.

    Ich denke, gerade nach der Ausleihe von AC ist im Sturm einfach mehr Handlungsbedarf, da wir hier mit AW, Raffa und Domo nur noch 3 BL-taugliche Spieler haben.

    Was ich mir auch sehr gut vorstellen könnte wäre, wenn z.B. Voro (oder ein spielähnlicher Spieler) kommen sollte, dass es Favre dann auch mal mit 3 Stürmern versucht. Raffa und Voro eher hängender und AW direkt vorne drinnen. Ich denke dass gerade Voro es durchaus verstehen könnte als Schaltfunktion zu fungieren. Dazu hat er einerseites das spielerische Können als auch das taktische Verständniss.

    Aber es ist egal was, wer oder wie es kommt, die Bindung zwischen dem bisher zufriedenstellenden Mittelfeld und dem Sturm muss definitiv noch ausgeweitert werden.

  6. Am 18. August 2009 um 22:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich war am Sonntag im Stadion. Gladbach hat es dem Berliner Sturm sehr schwer gemacht. Die Abwehr stand extrem tief, so dass Wichniarek seine Stärken nicht ausspielen konnte. Das Mittelfeld hatte zwar oft die Möglichkeit zu flanken, aber so richtig kam kein Ball an, und wenn, dann fehlten ihm, genau wie von dir beschrieben, 30 bis 50 cm. Domovchiyski dagegen passte besser in dieses Spiel. Er wirkte grelliger und wuselte mehr im Strafraum. Seine einzige große Chance hat er aber auch relativ kläglich vergeben.

    Unterm Strich: Berlin hatte kaum Chancen durch die Stürmer, dafür umso mehr aus der zweiten Reihe. Hätte da einer den Sahnetag erwischt wie in der Woche zuvor Azouagh gegen Gladbach, wären auch ein paar Tore drin gewesen.

  7. Anonymous
    Am 23. August 2012 um 08:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Domovchiyski Wechsel Zu Hertha Bsc

3 Trackbacks

  • Von Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 17/08/2009 am 17. August 2009 um 17:35 Uhr veröffentlicht

    […] Warum nicht mal Domovchiyski? […]

  • Von Neue Hoffnung | Hertha BSC Blog am 23. August 2009 um 15:11 Uhr veröffentlicht

    […] wird Valeri Domovchiyski endlich mal von beginn an seine Chance bekommen. Daniel forderte ja schon vor ein paar Tagen den jungen Bulgaren mal von Anfang an zu bringen und mittlerweile hat er es sich auch redlich […]

  • Von Chance vertan | Hertha BSC Blog am 23. August 2009 um 22:08 Uhr veröffentlicht

    […] dürfte jetzt allerdings klar sein: Der Heilsbringer, den Felix und ich uns erhofft hatten, ist Valeri Domovchiyski allein (immer) noch […]