Welt- und Europameister für einen Moment

Grad erst aufgewacht aus dem Jubeltaumel über den Derbysieg. Daran ändert auch das 2:0 zu Hause gegen Aalen nichts. Selten hatte ich mich so über einen Sieg gefreut wie dieses Mal. Man stellt eben wirklich fest: Wenn es der eigene Verein ist, ist es egal in welcher Liga die Tore fallen und ob der Gegner früher mal “der da unten” war. Es ist egal, ob der eigene Verein irgendwelchen früher mal formulierten Ansprüchen hinterher hechelt. Wenn Ronny den Ball mit gefühlt 209 Kilometern pro Stunde in die Maschen knallt, dann ist man kurzzeitig Welt- und Europameister zusammen. Dieses Gefühl hat mich über die letzten Tage und Wochen getragen, in denen ich wenig Zeit hatte, mich zu sammeln oder zu reflektieren.

So ist das, wenn man endlich den Job zugesagt bekommt, den man wollte. Und wenn man nebenbei noch ein großes lokales Event für den Amateurverein plant, für den man selbst spielt. Es bleibt kaum Zeit zur Reflektion, man nimmt nur kurz wahr und wendet sich dann schon wieder dem neuen zu. Fußballer kennen dieses Phänomen, Europapokal-geplagte Fans natürlich auch. Für einen Blogger ist es da schwer, sein Pensum zu halten (das er sich eigentlich verschrieben hatte vor dieser Saison).

Aber ich will ja nicht heulen, es sind ja durchaus gute Nachrichten, die Hertha derzeit umwehen. Die Bilanz wird mit jedem Spieltag positiver, die Niederlage in Frankfurt ist vergessen und mit dem Derby-Sieg wieder gut gemacht. Vor der Tür stehen die echten Aufgaben für diese Saison: Am Samstag wartet der Betzenberg, wobei es für Hertha ein Vorteil sein wird, nicht am Abend spielen zu müssen. Andererseits hat Hertha ihre legendäre 3:4-Niederlage nach 3:1-Führung damals auch am Samstagnachmittag erlitten. Aber das waren auch noch andere Zeiten.

Jetzt trifft Hertha auf einen Gegner, der genau einen Tabellenplatz vor der Mannschaft von Jos Luhukay steht und noch nicht verloren hat. Ohnehin werden die nächsten Wochen entscheiden, wohin es gehen kann in dieser Saison. Erst Kaiserslautern, dann zu Hause gegen Dresden, Auswärtsspiel in Duisburg (an das Stadion haben wir alle noch gute Erinnerungen), im Olympiastadion gegen 1860 München, zweimal auswärts gegen Bochum und den aktuellen Tabellenführer aus Braunschweig. Auch wenn Hertha sich immer noch in der Findungsphase befindet und die “schwer zu schlagende” nach dem Spiel gegen Dresden beginnt, es wäre schon gut, wenn die Mannschaft die Grundlage für einen goldenen Oktober bereits im September legen würde. Mit dem 2:0 gegen Aalen hat sie damit begonnen. Next stop: Kaiserslautern.

Da sollte es für Hertha naturgemäß einfacher werden, denn der FCK wird es sich vor eigenen Zuschauern nicht erlauben können, sich hinten reinzustellen. Insofern freue ich mich auf das Spiel am Samstag – auch wenn ich es wieder nicht live sehen können werde.

Das ist aber nicht so dramatisch, gestern zum Beispiel versorgte mich die Facebook-Seite von Ronny zeitnah mit Videos von den Toren und anderen Highlights, die die Betreiber der Seite auf YouTube hochgeladen hatten. Erlaubt ist das mit Sicherheit nicht, ein toller Service für unterwegs war es trotzdem. Und wenn Ronny sich weiterhin so hochfährt, wie er das derzeit tut, werden wir noch viele Highlights auf seiner Seite präsentiert bekommen.

Man kann auch – ich deutete es oben bereits an – in der zweiten Liga einen Mordsspaß mit seinem Verein haben. Man muss sich nur darauf einlassen und nicht, wie der Tagesspiegel in seinem Spielbericht, wegen der aufbauspielerischen Mängeln der ersten Halbzeit gegen Aalen rumnörgeln. Hertha ist nicht Dortmund, das seinen Gegner an die Wand rennt. Hertha ist auch nicht (mehr) das Bayern der zweiten Liga – dafür ist die Mannschaft zu jung und der Trainer, der sich immer darauf berief, wie wichtig es sei, so ein Gen, so ein Anspruchsdenken in sich zu tragen, ist gerade Tabellenletzter in der Bundesliga.

Hertha ist Hertha, mit allen Schwierigkeiten und Problemen, die das so mit sich bringt. Wenn man das immer im Hinterkopf hat und die alten Zeiten zusammen mit den Ansprüchen mal alte Zeiten sein lässt, dann kann man mit einem 2:0 gegen Aalen nicht nur gut leben, sondern sich richtig darüber freuen, dass Hertha nicht – schon wieder – über einen tief stehenden vermeintlichen Underdog gestolpert ist.

Wie gesagt: Die Liga und der Gegner sind egal. Wenn Hertha ein Tor schießt, ist man kurzzeitig Welt- und Europameister zusammen.

 

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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Ein Trackback

  1. [...] “Hertha BSC Blog” freut man sich noch immer über den Sieg gegen Union. Es wird auch erklärt, was ein 2:0 [...]

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