Wende? Ende? Das Rätsel Hertha

Und plötzlich ist das Glück wieder da. Da schießt der Mainzer Nicolai Müller zweimal aus gut fünf Metern daneben bzw. drüber. Da trifft Adrian Ramos mit links ins lange Ecke. Da gewinnt Hertha in Mainz trotz Anschlusstreffer zum 1:2. Was ist denn jetzt los?

Wir hatten die Abschiedstournee doch bereits eingeleitet. Sogar das Bullshit-Bingo gestartet, für die inhaltsleeren Phrasen nach einer erneuten Niederlage (bis auf das „nich wahr“ von Otto Rehhagel nach dem Spiel konnte ich da allerdings glücklicherweise wenig eintragen). Und ganz ehrlich: Wir haben nicht mehr an eine Wende geglaubt. Doch dann dieses Spiel in Mainz.

Ich schrieb es bereits bei Facebook: Hertha im Jahr 2012, das ist wie eine Frau, die einen abstößt, wenn man sich ihr hingibt und die einen begehrt, wenn man sie aufgeben will. Mit den Leistungen in der Rückrunde hat die Mannschaft alle Erwartungen enttäuscht und jetzt, wo niemand mehr Erwartungen hatte, übertrifft sie sie plötzlich. Doch was heißt das jetzt?

Ist das 3:1 in Mainz die von allen Herthanern erhoffte Wende? Oder doch nur ein glückliches Zwischenhoch wie das 1:0 gegen Werder Bremen? Hat sich vielleicht sogar ein Negativ-Kreis geschlossen? Denn die Kollegen von Immerhertha hatten „das Mainz-Spiel“ ja als das Spiel ausgemacht, als alles blau-weiße Leid seinen Anfang nahm. Damals, als Hertha (noch mit Favre, Bengtsson und Pejcinovic bestückt) nach 1:0-Führung per Doppelschlag in der Schlussphase 1:2 verlor. Und danach alles, was vorher gut war, plötzlich nicht mehr funktionierte.

Hat das nun alles ein Ende? Wird sich die Mannschaft in den Abendspiel-Wochen gegen Wolfsburg und Gladbach selbst aus dem Schlamassel ziehen und Otto Rehhagel am Ende wirklich als Retter aus der Saison hervorgehen? Rätsel Hertha.

Ich bin ganz ehrlich: Der Sieg gegen Mainz hat mich zwar am Samstag sehr glücklich gemacht, aber für den Ausgang der Saison hat er überhaupt nichts bewirkt, außer das kleine Fünkchen Resthoffnung noch einmal anzupusten. Für echte Hoffnung reicht ein Spiel nicht. Für echte Hoffnung muss eine Serie her. Ich gehe davon aus, dass am Ende der Saison 36 Punkte zum sicheren Klassenerhalt reichen. In den letzten fünf Jahren waren es mit Ausnahme der vergangenen und der Saison 06/07 sogar weniger.

  • 2010/2011: 38, 36 für Relegation
  • 2009/2010: 33, 31 für Relegation
  • 2008/2009: 31, 30 für Relegation
  • 2007/2008: 34
  • 2006/2007: 37

Um ganz sicher zu sein, bräuchte Hertha also noch vier Siege. Auch drei Siege und ein Unentschieden sollten nach den Ergebnissen der vergangenen Jahre reichen. Bei noch ausstehenden Heimspielen gegen Wolfsburg, Freiburg, Kaiserslautern und Hoffenheim keine absolut aussichtslose Aufgabe – wenn man das Spiel gegen Mainz als Grundlage nimmt.

Hertha muss also gegen das auswärtsschwächste Team des Liga, Wolfsburg, nachlegen, um nicht direkt wieder in die Negativ-Spirale zu gelangen und auch selbst wieder wirklich an den Klassenerhalt zu glauben. Denn trotz des Sieges gegen Mainz wäre der Klassenerhalt nach den bisher gezeigten Leistungen in dieser Rückrunde – auch weiterhin – eine Sensation.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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14 Kommentare

  1. Am 26. März 2012 um 11:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Man bräuchte den Abstiegskampfquotienten…

    Interessant ist, was die SZ heute schreibt: Unter dem Titel „Otto Babbel“ wird festgestellt, dass die Mannschaft zum System Babbel zurück gekehrt ist und damit (dadurch?) Erfolg hatte. Was das heißt? Nicht viel. Aber es ist eine interessante Beobachtung.

    Wichtiger scheint mir zu sein, dass Ottl endlich seinen Platz im Kader verloren hat und dass Ruka endlich auf den Flügeln seine Schnelligkeit ausspielen kann. Und das hat wenig bis gar nichts mit Babbel zu tun.

    Wolfsburg hat nen Lauf. Keine Chance. Gladbach hat den zu erwatenden Favre-Endspurt-Durchänger. Machbar. Das wird schon irgendwie was. Lautern, HSV werden wir sicher hinter uns lassen. Dass Köln/Mainz/Augsburg/Freiburg noch zu holen sind, ist zumindest noch irgendwie vorstellbar.

    • Am 26. März 2012 um 12:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Achso, zu ergänzen wäre, dass Ben-Hatira m.E. ein wahrer Anti-Fußballer ist. Er hat zwar ne Bude gemacht. Aber ansonsten stand (!!!) er in der Regel ver(w)irrt auf Höhe der Mittellinie und harrte der Dinge, die da kamen. Leider gibt es im Kader keine besseren Flügelspieler. Torun und Ebert sind ebenfalls indiskutabel…

      • Am 26. März 2012 um 14:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Irgendwie sind die Zugänge zu Saisonbeginn jetzt nicht so die Verstärkung gewesen, oder?

        Ben-Hatira, Torun und Ottl (mein Matchwinner von Samstag ist ein Magen-Darm-Virus…) sportlich unter allen Erwartungen, Franz Dauerverletzter (kann er nichts für, ist aber so …). Nur Kraft ist der erhoffte Volltreffer.

        Und der Wintertransfer Bastians erweist sich als wertvoll, weil Kobi wegen ihm auf die Sechs kann.

  2. Am 26. März 2012 um 14:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe mich auch gefreut. Und wenn gilt „Ramos trifft wieder“, dann ist vieles möglich. Aber ob das für die nächsten Spiele reicht? Was diesmal gestimnt hat, waren Einsatz und Konzentration.

    Und die drei „R“ da vorne haben bei Kontern ganz schön Alarm gemacht. Insbesondere der Konter zum 2:0 und die Chance, die von Ebert versiebt wurde, waren blitzsauber herausgespielt, mit Raffa endlich mal wieder als wenig selbstverliebter Dreh- und Angelpunkt.

    Aber sorry, das funktioniert nur, wenn die anderen aus ihren Chancen nichts machen bzw. wenn man selbst das erste Tor erzielt. Diese „Taktik“ ist nach einem Rückstand nichts mehr wert. Dann muss man selbst auf den Treffer drängen, und genau das ist Herthas Problem seit Saisonbeginn, das sich auch durch ein erfolgreiches Konterspiel in Mainz nicht erledigt hat.

    Aber vielleicht haben wir uns auch davon blenden lassen, dass unsere vermeintlich direkten Konkurrenten Freiburg und Augsburg einen durchdachten Fußball spielen. Denn unsere vermutlich wahren Konkurrenten Köln und Hamburg haben dieselben Probleme wie unser Team. Und einen Negativlauf. Um so ärgerlicher das besch…, unnötige und dämliche 0:1 in Köln (mit Dank an den tollen Fußballer Ben-Hatira). Hoffentlich gibt das nicht mal den Ausschlag…

  3. Halblinks
    Am 26. März 2012 um 14:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    wenn man sich die letzten vier Jahre ansieht, dann hat der 17. am 26. Spieltag am Ende mindestens den 16. Platz erreicht und immer mehr Punkte, als der 16. (am 26. Spieltag) geholt. Es waren mindestens 10, maximal 15 Punkte (Schnitt 12,25).
    Ein guter Vergleich ist die letzte Saison, da hatten die Mannschaften nach dem 26. Spieltag ähnlich viele Punkte, wie die Teams dieses Jahr. In den Jahren davor deutlich weniger. Gladbach hatte auf Platz 16 am Ende 36 (gereicht hätten aber 35) Punkte.
    Somit muß Hertha wohl mindestens 36 Punkte (also noch 10 Punkte) anstreben, um halbwegs eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben.
    Ich bin da extrem skeptisch, weil ich schlicht nicht an eine grundsätzliche Trendwende nach nur einem guten Spiel glaube.

  4. Blauer Montag
    Am 26. März 2012 um 16:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Daniel am 26.3.
    „Der Sieg gegen Mainz hat mich zwar am Samstag sehr glücklich gemacht, aber für den Ausgang der Saison hat er überhaupt nichts bewirkt, außer das kleine Fünkchen Resthoffnung noch einmal anzupusten. Für echte Hoffnung reicht ein Spiel nicht. Für echte Hoffnung muss eine Serie her. Ich gehe davon aus, dass am Ende der Saison 36 Punkte zum sicheren Klassenerhalt reichen.“

    Rayson am 26. März 2012 um 14:49

    „Irgendwie sind die Zugänge zu Saisonbeginn jetzt nicht so die Verstärkung gewesen, oder?

    Ben-Hatira, Torun und Ottl (mein Matchwinner von Samstag ist ein Magen-Darm-Virus…) sportlich unter allen Erwartungen, Franz Dauerverletzter (kann er nichts für, ist aber so …). Nur Kraft ist der erhoffte Volltreffer.

    Und der Wintertransfer Bastians erweist sich als wertvoll, weil Kobi wegen ihm auf die Sechs kann.

    N’Abend die blauweißen Damen und Herren,
    ein schöne Frühlingswoche liegt vor uns und die Kommentare werden wieder lesenwert. Nichts finde ich akut schöner als das Fünkchen Resthoffnung, eben auch mit Kobi im DM.
    Und den Matchwinner „Magen-Darm-Virus“. Macht so fröhlich weiter Leute :grin:

  5. Am 26. März 2012 um 18:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe Hertha am Wochenende auch nicht wiedererkannt. Das war eine andere Mannschaft, als die aus den letzten 15 Bundesligaspielen. Natürlich war auch etwas Glück dabei, aber vor allem haben alle sich mal zusammen gerissen – auch Ramos – und mal was gemacht. Richtig ist, dass dieser Dreier nix wert ist, wenn die Mannschaft nicht nachlegt. Am Sonnabend hat sie erste Gelegenheit dazu. Gelingt ihr gegen die Käferbauer ein Sieg, dann bin ich guter Hoffnung, dass Hertha nicht absteigt.

  6. Am 30. März 2012 um 10:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sowas wie am wochenende war echt krass, hatte ich so noch nie vorher gesehen. endlich mal haben sie als mannschaft gespielt und das miteinander war einfach besser. so kann es auf jeden fall weitergehen ;)

  7. Am 30. März 2012 um 15:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Hertha bleibt in Liga 1, ich glaube daran!

  8. dns
    Am 31. März 2012 um 19:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Hertha, so leid es mir auch tut, kist zur Zeit einfach nicht fit für Liga 1. Die Verteidigung ist zumeist armselig, die Stürmer verhauen die größten Chancen, die Hälfte der Mannschaft spielt entweder eigensinnig oder Zufallsfussball.

    Wie kann man gegen Wolfsburg nachdem man 1:0 führt und ganz klar am Drücker ist, sich auf einmal 15 Meter weiter zurückziehen anstatt genauso weiter zu machen…

    Wie oft kann man als 1.-Liga-Spieler ungestraft den besser postierten Spieler übersehen, nicht nur vorm Tor, auch bei möglichen Seitenverlagerungen? Wie viele Spieler, die gegen 4 Gegner lieber das Dribbling suchen, verträgt eine Mannschaft? Was bringt eine Mannschaft dazu, bei 1:3 Rückstand minutenlang hinten rum zu spielen und dem eigenen Torhüter dutzende von Ballkontakten zu geben, nur um dann den Ball blind nach vorn zu kloppen?

    • Am 1. April 2012 um 12:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Leider hast Du Recht. Der Sieg in Mainz war mal wieder nur ein Strohfeuer. Diese Mannschaft ist nicht reif für die erste Bundesliga.

  9. Rootserver
    Am 20. Juni 2012 um 11:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich denke, dass die entwicklung jetzt nicht unbedingt schlecht ist. blös natürlich für uns alle, aber so kann man wieder gesund aufbauen

  10. Kiel
    Am 20. Juni 2012 um 11:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich sehe das genauso. es bringt doch nicht, etwas mit der brechstange zu erzwingen. in der saison sind viele dinge schief und nur wenige gut gelaufen. analysieren, planen, umsetzen und dann wieder nach oben.

  11. Anti-Aging
    Am 20. Juni 2012 um 11:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    schade ist es dennoch. aber wenns nach mir geht, dann sollte Hertha mal noch einen schritt weiter zurück gehen und nicht gleich wieder in die erste hoch kommen. das nachwuchskonzept ist genial wenn wir mal ehrlich sind und darauf aufzubauen, dauert eben auch mal 4-8 jahre, dann aber läuft es, siehe BVB