Wieder zurück

Tja was soll ich sagen? Hertha hat sich am Sonntag eindrucksvoll zurück gemeldet und auch ich bin wieder da. Wer das jetzt so liest könnte meinen ich hätte dem Verein in der erfolglosen den Rücken gekehrt um ihn beim ersten Punktgewinn wieder zu stärken. Doch meine Abwesenheit hatte natürlich andere Gründe, die hier unerwähnt bleiben.

In der Zeit ist jedoch viel passiert. Nach dem Freiburgspiel sagten wir uns es könne nicht mehr schlimmer kommen und Hertha hätte das schlechteste Spiel der Saison abgeliefert. Doch es kam schlimmer. Hertha übertrifft (übertraf?) sich Woche für Woche in negativer Hinsicht. Und Zwischendurch gibt es doch immer wieder Hoffnungsschimmer: Hast du das Spiel gegen Hamburg gesehen? Bis zum ersten Gegentor sah das doch alles ganz gut aus… Daniel machte aus dem folgenden Spiel gegen Nürnberg den ersten Spieltag, aber es half mal wieder nichts. Der tiefste Tiefpunkt war nun wirklich erreicht.

Inmitten dieser ganzen Pleiten wurde kurzerhand der Trainer gewechselt. Bis heute weiss ich nicht so recht was ich davon halten soll. In der letzten Saison waren es nicht Voronin oder Pantelic, die der Mannschaft zum Erfolg verhalfen, sondern unser Ex-Trainer. Er machte vieles richtig, wenig falsch und ich hatte zum ersten Mal seit den Anfangszeiten der Ära Falko Götz wieder das Gefühl „den Trainer fürs Leben“ gefunden zu haben. Vielmehr hat er uns gefunden. Wir können uns schließlich nicht aussuchen wer die Mannschaft unseres Herzens trainiert. Ich empfand es als großen Glücksfall und glaubte endlich wieder daran nach ein paar „Übergangsjahren“ irgendwann mal etwas weiter oben anzuklopfen zu können. Eine Meisterschaft wäre riesig, aber ich wäre schon sehr zufrieden gewesen, wenn wir wenigstens alle fünf Jahre mal in der CL spielen würden. Die Entlassung von Favre wirft alles über den Haufen was sich in den letzten zwei Jahren im Kopf manifestiert hat. Es war eine Hoffnung auf bessere Zeiten, die unvermeidbar auf uns zuzukommen schien. Ich habe bei Hertha noch nie erlebt wie ein Großteil der Fans trotz des anhaltenden Misserfolgs noch zum Trainer hielt und stattdessen die Mannschaft in die Pflicht nahm. Preetz wird sich die Entscheidung Favre gehen zu lassen nicht leicht gemacht haben, aber vielleicht war es ja wirklich die richtige Entscheidung.

Im Nachhinein ist es schwer nachzuvollziehen, da viele  widersprüchliche Aussagen von allen Seiten getroffen wurden. Aber die Behauptung, dass einige Spieler der Mannschaft gegen den Trainer gespielt haben halte ich für glaubwürdig. Kurz vor der Entlassung fand Co-Trainer Gämperle sehr klare Worte, die ich ihm ohne weiteres abkaufe. Für einen Moment muss Gämperle das gesagt haben was er wirklich dachte. Oft sind es nur kurze Augenblicke in denen Verantwortliche aus sich herauskommen und nicht darauf bedacht sind so viel Redezeit mit so wenig Inhalt wie möglich zu füllen. Favres Dementi auf seiner eigenen PK ein paar Tage später war dann wieder die übliche Medienshow. Es wäre für ihn auch nicht richtig gewesen in das gleiche Kerbholz zu schlagen. Schließlich würde er damit dem Verein schaden und auch auf ihn würde es kein gutes Licht werfen, wenn er eingestehen müsste er hätte es nicht geschafft die Mannschaft hinter sich zu bringen.

Die Stimmung zwischen Favre und seinen Spielern schien von Anfang an nicht gut gewesen zu sein. Schon am zweiten Spieltag stellte sich Ebert vor die Kameras und sagte, dass keiner in der Mannschaft verstanden hat warum Simunic nicht in der Startelf stand. Eine ähnliche Situation gab es gegen Ende der Saison 08/09 als Friedrich behauptete er sei fit. Doch manchmal sind es auch ganz kleine Gesten, die einen an der „sozialen Kompetenz“ von Lucien Favre zweifeln lassen. Als der junge Domovchyiski ausgewechselt wurde, ignorierte ihn sein Trainer einfach (maxelinho hat die Situation schön beschrieben). Es wirkt im Nachhinein so, dass nur der Erfolg die Mannschaft in der letzten Spielzeit zusammengehalten hat. Wenn es gut läuft, geraten Konflikte in den Hintergrund, die in schlechten Zeiten wieder zum Vorschein kommen. Von aussen sieht es so aus als hätte Favre ein Kommunikationsproblem mit den Spielern gehabt. Er hat Entscheidungen getroffen und es nicht für nötig gehalten sie vor den Spielern zu rechtfertigen oder ihnen zumindest zu erklären warum er dies oder jenes tat. Seine Autorität und fehlendes Einfühlvermögen führte letztendlich zum Bruch.

Das ist kein Fakt sondern meine Version der Dinge, die sich erst nach Favres Entlassung nach und nach bei mir bildeten musste.

Jetzt wird es wieder so laufen wie in den ganzen Jahren in der Zeit vor Lucien Favre: Saison für Saison werden wir uns irgendwo im Nirgendwo befinden, ab und an Europaliga spielen und regelmäßig früh im Pokal ausscheiden. Mein Traum ist nicht mehr Champions League, sondern ein einziger bescheidener Abend Ende Mai im Olympiastadion mit Herthaner Beteiligung. Das wünsche ich mir für die Zukunft.

Und nun zur Gegenwart. Hertha hat sich am Sonntag gut präsentiert und dazu sogar noch hinten die Null gehalten. Es ist viel von Aufschwung und einem Ende der Krise zu lesen, aber ich bin noch nicht ganz überzeugt. Nach dem Hamburgspiel glaubte ich auch an eine Wende. Es folgte Nürnberg. Die 90 Minuten in Dortmund werden richtungsweisend sein. Ich bin gespannt wo die Reise hin geht.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Hallo, ich bin Felix und gehöre wie die meisten Herthafans in meinem Alter, zur 98er Generation, die 2010 den ersten Abstieg miterlebt hat. (→mehr)

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5 Kommentare

  1. dns
    Am 30. Oktober 2009 um 23:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    schade, dass du mit deinem letzten Absatz so recht behalten hast.

    Mir gehen grad drei Sachen durch den Kopf.

    1. Sind Stein und Peijcinovic wirklich so schlecht, wie sie Woche für Woche aussehen? Keiner der beiden kann eine Flanke blocken, geschweige denn eine schlagen. Und vom Tackling mit Ballgewinn will ich garnicht erste reden.

    2. Wieso haben wir soviele Spieler aber keine Mannschaft auf dem Platz? Da geht nicht ein Spielzug sauber durch. Lange Bälle ins Nirvana oder Rückpass (mit ein wenig Glück) zu Drobny.

    3. Wozu spielen wir mit Stürmern, wenn dort eh nie ein Ball ankommt? Ich bin für ein 7-3-0 System mit 3 Sechsern und doppelten Außenverteigern, ob das reicht um die Mangelerscheinungen bei Laurel (Stein) und Hardy (Pejcinovic) zu kompensieren entscheidet darüber, ob wir unter hundert Gegentoren bleiben in dieser Saison.

    • lissy
      Am 1. November 2009 um 12:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

      auch wenn der 3. vorschlag hoffentlich ironisch gemeint war stimme ich dir langsam zu tore schiesst eh keiner und so können sie wenigstens noch 22 punkte einfahren wenn sie immer zu null spielen.
      bin nach dem dortmundspiel langsam ratlos das was an leistung noch gegen wolfsburg zu sehen war, war nach 20 minuten wie vergessen, brauchen die spieler mehr spiele innerhalb weniger tage ,um sich noch zu erinnern wie man fussball spielt?
      laut presse schmiedet gegenbauer und co einen notfallfinanzplan.
      Fragt sich nur ob es um neue spielerverpflichtungen geht, oder um die planung in der 2. liga.
      ich bin gegen dortmund von 3 punkten ausgegangen.werd überall nur noch ausgelacht.
      egal 3 punkte gegen heerenveen, ich glaub noch dran und dann weitere drei gegen köln…………

  2. Enno Enno
    Am 31. Oktober 2009 um 15:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Felix, ich stimme deiner Einschätzung vollkommen zu. Favre fehlte die soziale Kompetenz und mit Funkel hat sich Hertha im Trainer-Segment der Betonmischer bedient. Keine Vision, nur Zerstörung. Meine Abrechnung mit dem gestrigen Spiel wird wohl ein separater Beitrag werden. Aber man merkt, wie gut du unsere Hertha kennst: Du hast (leider) Recht behalten.

    • Sebastian
      Am 1. November 2009 um 13:37 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Sag mal Enno, wer ist jetzt eigentlich Schuld an Allem? ;)

      • Enno Enno
        Am 1. November 2009 um 13:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Vor allem Funkel, wie ich gerade aufgeschrieben habe. Aber genauso Hoeness, Preetz, Gegenbauer, die Mannschaft, Favre und auch ich selbst. Ich vergaß mein Hertha-Feuerzeug…