Zu Besuch bei Kim Jong-il

North Korean leader Kim Jong-il (front) visits the construction sites of the Paektusan Songun Youth Power Station to provide field guidance in this undated picture released by North Korea's official news agency KCNA in Pyongyang early May 18, 2010. KCNA did not state when the picture was taken. REUTERS/KCNA (NORTH KOREA - Tags: POLITICS) QUALITY FROM SOURCE. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS
Man kommt ja an dieser WM nicht mehr vorbei. Es sei denn man wäre blind und taub. Das ist aber niemandem zu wünschen. Also ist es so: Sehenden Auges und hörenden Ohres verschlingt uns das Fußball-Turnier in Südafrika. Es ist als würde man in einem riesigen Vuvuzela-Schwarm untergehen. Trötblinktrötblalblablatröttrötblink! Und alle machen irgendwie mit. Sportartikelhersteller, Bierbrauer und Fernsehverkäufer befinden sich sowieso schon ganzjährig in unmittelbarer Umgebung des Fußballs. Da wundert es nicht, dass sie jetzt für eine Beschallung auf nordkoreanischem Niveau sorgen.

Fragen werfen sich allerdings auf, wenn Telekommunikationsfirmen containerweise Vuvuzelas unter das Fußball-Volk bringen wollen. Was ist Sinn und Zweck dieser Übung? Mit der einen Hand das Handy am Ohr, mit der anderen die Vuvuzela zum Munde führen und kräftig ins Horn blasen, damit der Gesprächspartner mit aller Sicherheit einen Hörsturz erleidet? Zumindest das Geräusch-Problem wäre für die Zeit der WM gelöst.

Dass der deutsche Bezahlfernsehsender damit wirbt, alle Spiele der WM „ohne Aufpreis“ sehen zu können und die öffentlich-rechtlichen Anstalten damit werben, dass sie für das kostspielige Ereignis reichlich GEZ-Gebühren verbraten haben, mag dem dauerbeschalltem Fußball-Deutschen heute nur noch ein müdes Kopfschütteln abverlangen. Denn ihm ist klar: Am Ende zahlen wir sowieso und schwenken glückbeseelt unsere deutschen Fähnchen. Vor lauter schwarz-rot-goldener Jubeljauchzer vergisst die Masse dann, dass von Deutschland zwischenzeitlich nicht viel übrig geblieben ist. So ohne Präsident. Und einer Regierung, die nur noch sparen kann.

Macht ja nichts. Denn es gibt an jeder Ecke etwas zu gewinnen. Da schreibt eine Firma beispielsweise einen ganz besonderen Hauptpreis aus. Gewinnt man, darf man eine Woche im Luxushotel in der Hauptstadt des kommenden Weltmeisters verbringen. Versprochen wird Luxus pur. Am besten gefällt mir dabei die Vorstellung, das Nordkorea den Titel holt und der „Gewinner“ eine Woche in Pjöngjang kommunistischen Premiumluxus genießen darf! Tür an Tür mit Kim Jong-il, dem charismatischen Führer der siegreichen Nordkoreaner. Geweckt wird man morgens nicht von WM-Dauerwerbesendungen, sondern von südkoreanischer Beschallung. Dann trifft man sich gemeinsam zum Volkssport und darf danach die Textilfabriken der freien Handelszone besuchen. Was für ein Spaß! Allein aus diesem Grund werde ich bei der WM also den Nordkoreanern kräftig die Daumen drücken.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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2 Kommentare

  1. Am 9. Juni 2010 um 09:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ein sehr schönes Buch über Nordkorea hat Guy Delisle gezeichnet. Er hat ein halbes Jahr in Pjöngjang arbeiten müssen und seine Erlebnisse aufgezeichnet. Da bekommt man auch einen Eindruck von den Hotels. Ich tippe auf den spröden Charme sowjetischer Interhotels. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere dem man damit eine Freude machen kann. Sind ja noch nicht alle aus dem Politbüro der SED tot…

  2. alexander
    Am 9. Juni 2010 um 13:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    das würd ich ja auch zu gerne sehen, wie sich der gewinner so einer reise „freut“, obwohl es auch interessant werden könnte.