Zwei Trainer gegen ihre Vergangenheit

Die Mannschaft von Jos Luhukay hatte eine gute Saison hinter sich. Für die Verhältnisse des Vereins wohlgemerkt. Er hatte aus wenig mal wieder viel gemacht und eigentlich konnte sich der Holländer gut vorstellen, mit diesem kleinen Klub auch in die nächste Saison zu gehen. Doch dann passierte etwas und Luhukays Vertrauen in den Vorstand des Klubs war gebrochen. Völlig überraschend gab er seinen Rücktritt bekannt. Und der SC Paderborn stand plötzlich ohne Trainer da.

Die Geschichte, die sich Jahre später in abgeschwächter Art und Weise beim FC Augsburg wiederholen sollte, hatte Jos Luhukay schon einmal geschmückt. Damals ging er zwei Tage vor Saisonbeginn, weil der Paderborner Präsident angedeutet haben soll, dass Luhukay auch nur ein Trainer sei, der komme und gehe und dass er, der Präsident, Spieler verpflichte, wenn er das wolle, selbst wenn diese dann nur auf der Tribüne säßen. Die Quittung dafür gab es nicht sofort, die erste Saison nach Luhukay schnitt der SCP mit Platz elf nur zwei Ränge schwächer ab, als unter Luhukay. Doch dann folgte der Abstieg in die dritte Liga.

Mittlerweile hat sich bei Herthas Auftaktgegner für die diesjährige Zweitligasaison die Lage einigermaßen normalisiert. Obwohl, was ist schon normal beim SCP, der in Berlin immer als Synonym für die graue Zweite Liga herhalten musste, obwohl man vor allem in der vergangenen Saison bis zum letzten Spieltag um den Relegationsplatz mitspielte. Mitte Juni verloren sie dort nämlich schon wieder ihren Trainer, Roger Schmidt wechselte nach Salzburg, um den dortigen Brause-Club in die Champions League zu führen. Satz mit X kann man als Fazit unter diesen Wechsel setzen, Salzburg scheitert mit Schmidt in der Qualifikation spektakulär am FC Düdelingen aus Luxemburg.

In Paderborn haben sie sich nicht lange damit aufgehalten, sondern nach etwas mehr als zwei Wochen ihren neuen Coach vorgestellt. Im Profil auf der Internetseite mussten sie am 12. Juli nur den Vornamen ändern, denn auf Roger folgte Stephan Schmidt, der zuvor die U19 des VfL Wolfsburg an die deutsche Spitze geführt hatte. Schmidt ist auch in Berlin ein alter Bekannter, nicht nur, weil er in der Hauptstadt geboren ist und bei Hertha spielte, sondern auch, weil er von 2008 bis 2009 Co-Trainer bei Herthas U19 war. „Manager. Zeugwart: Ich kenne bei Hertha jeden. Das ist für mich eine besondere Situation“, sagte Schmidt im Vorfeld der Partie. Mit Luhukay sei zwar ein neuer Trainer da, „aber ich weiß dennoch sehr viel über diese Mannschaft.“

Jos Luhukay wird sich natürlich nicht damit beschäftigen. Er hat oft genug durchblicken lassen, dass er den Gegnern in der kommenden Saison sein Spiel aufdrücken möchte. Hoch stehen, aggressiv in der Balleroberung, zielstrebig zum Tor. In der Vorbereitung funktionierte das – mit Ausnahme des Jubiläumsspiels gegen Juventus Turin – sehr gut. Nun ist die Testphase vorbei. Welche elf Spieler Luhukay gegen Paderborn auf den Rasen des Olympiastadions schicken wird, das ist die große Frage. Zwar sagte der Coach vor dem Spiel gegen Juventus Turin, dass es keine Experimente gebe, anschließend wechselte er in der Halbzeit sieben Mal aus. Die Karten offen zu legen ist Luhkays Sache nicht.

Zumal er im Tor eine schwierige Entscheidung treffen muss. Sascha Burchert, dessen Bruder Nico bei Paderborn spielt bzw. im Kader ist, hat gegen Turin mal wieder gezeigt, dass er seine Übermotivation nicht in den Griff bekommt. Burchert strahlt alles aus – nur keine Ruhe. Da ist Philipp Sprint ein anderes Kaliber, denn er ist vom Naturell und der Statur her bereits sehr ruhig. Die Frage ist, ob er genug Klasse für den Profifußball hat.

Der Torwart wird das Spiel natürlich nicht entscheiden, das tun die Spieler davor. Das Bayern-Gen ist zwar bis auf Thomas Kraft aus Berlin verbannt worden, die Siegermentalität wird trotzdem vonnöten sein. Alle Zweitliga-Trainer bis auf Thomas Oral vom FC Ingolstadt (tippt auf 1860 München) sehen u.a. entweder Hertha BSC oder „die drei Absteiger“ in der Favoritenrolle. Keine Frage, Hertha muss etwas anbieten in den Spielen – vor allem gegen die vermeintlichen Außenseiter.

Zu denen gehört natürlich Paderborn, die übrigens kein einziges Testspiel verloren haben und zuletzt 2:1 gegen Werder Bremen gewannen. Wohl auch deshalb gibt sich der Berliner in den Paderborner Reihen, Stephan Schmidt, selbstbewusst: „Wir rechnen uns etwas aus.“

This entry was posted in Hertha BSC and tagged , , , . Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

Ein Trackback